Ein nicht zu beherrschendes Element im ICE nach Ulm

Thatagatha gate, gate, paragathe bodhi soha- Oh Bodhi, hinüber, hinüber, hinüber zum anderen Ufer, gelandet am anderen Ufer, Soha

Wenn das Haus brennt läd man keine Gäste ein(politische Weisheit)

“Große Teile der Bevölkerung von Nordamerika,Südamerika, Australien und Afrika sind versklavt und vernichtet worden.Das ist der Schatten der Aufklärung, ohnegleichen und immer noch weitgehend unberücksichtigt im Selbstverständnis des “Westens.””
(Tsafrir Cohen, medico international Rundschreiben 03/22)

“Ein Schuldenerlass für die ärmsten Länder ist die zentrale Voraussetzung für emanzipatorische Veränderungen: Das Multiple Krisengeschehen hat zur Überschuldung von mehr als 40 Ländern geführt, die zur Abfederung des Katastrophengeschehens und teurer Energieimporte gezwungen sind immer neue Schulden aufzunehmen.Die von medico unterstützte Debt-for-Climate-Campaign will diesen Kreislauf durchbrechen und nimmt diese Forderung aus den späten 1990er-Jahren wieder auf.”
(Anne Jung, medico international Rundschreiben 03/22)

Bin ich eigentlich schon mal im ICE gefahren?
Während Scholz und Macron angeblich in Paris ein Tete a tete haben, fehlt mir mein Protestmilieu und der Zeichenschatz, das französische Wort recht zu schreiben.Ein Globalisierungsverlierer und Drittweltler mitten in der ersten Welt.
Die Frau rechts neben
mir liest ein Buch mit dem Titel:
“Mehr Mut als Kleider im Gepäck”, ein paar Abteile weiter sitzt einer von der DPA und noch weiter weg wälzt einer einen dicken Schinken über Hammarskjöld, wie schreib sich der nochmal?
Neben mir sitzt ein japanisch anmutender Mensch der einen Film auf dem Händy schaut. Er hat es zur besseren Sichtbarkeit des Bildes an seine schwarze Funktionstasche gelehnt.Mglw. wurde er auch von der  blond gefärbten Frau mit matt-rosanen Kopfhörern, seit dem Aktionstraining der “letzten Generation” ; weiß ich, Kopfhörer stehen für Nicht-Gewalt, und ihrem moosgrünen dickmaschigem Rollkragenpulover angezogen.(Ansage:” Bald erreicht der  Zug Kassel Wilhelmshöhe”, das Mädchen ist ein Brot aus der Plastiktüte.Ich lese über die Documenta 15, die Erinnerung tanzen in meinem Kopf.Jetzt fällt mir wieder ein warum Gemeinschaft Reichtum ist. Ja vielleicht hat er sich ja wegen ihrer schönen runden Gesichtsform oder auch ihren symmetrisch dort hineingewachsenen Augen dort hingesetzt, gerade hier hingesetzt, wo es mich auf dem Weg in die andere Richtung, in der Meditation auf den Herzpunkt, gerade auch hingezogen hat. Vielleicht aber auch, dass kommt mir erst,als ich in der Meditation fortfahre, aber auch wegen der mechanischen Uhr, die sie in Miniatur um ihren rechten Mittelfinger geringt hat, oder auch dem Mondstein am Finger daneben.Ganz zu schweigen von der rechten Hand, an deren Zeigefinger, ein Ring in Form einer künstlerisch durchbrochenen Nadel prangt. Um mein Lob vorerst zu beenden, ist noch zu erwähnen, dass sich ihre am Telefon gewechselten Worte russisch, anhörten, oder sollte man vorsichtiger slawisch sagen.Charkiw oder Charkow, dass ist hier die Frage?
Jetzt kommt im Angesicht des Händies ein mildes Lachen aus ihren Augen,quasi out of the Black Box, das gut zu den weichen Farben ihrer Kleidung passt.Was ist aber mit der Meditation, die hat doch auf Mint und den Herzpunkt begonnen.Mintegration würde der Werbefuzzi sagen.
Jetzt hat sie noch gleichzeitig mit mir die Herbstlandschaft mit schönem See wahrgenommen, diese Frau braucht wahrlich keine Hilfe, mein Handy aber Strom und wir kommen wohl in  1er Stunde und 11 Minuten in Frankfurt an.Ah, schön die Geschichte wiederholt sich jetzt kommt der Marshallplan von Deutschland und geht an die Ukraine. Und hier scheint es keine Steckdose zu geben.Ach ja, der Mann ist jetzt auch am Handy und er hat Feuerornamente als Ohrringe, vielleicht doch ein Tibeter?
Der Japaner, von dem ich in dem Moment sicher war, dass er ein Japaner sei, hatte gerade seine Stiefeletten fast um die Schuhe des Mädchens geschlungen, gut das er beobachtet wird.Jetzt beugt sie ihr rundes gespanntes Köpfchen in die Hand und schaut links vom Fenster weg ins Händy, irgendwie seltsam in meine Richtu g.Der Japaner hat seinen Ellbogen auffällig fest auf die Lehne gedrückt und seufzt.Während er mit beiden Daumen offenbar etwas im Händy sucht.Jetzt legt er es weg und das Mädchen spricht wohl eine Sprachnachricht auf. Von einem Rang hinter uns fragt es: Wie bitte?
Würd ich mittlerweile auch ganz gern wissen.Jetzt muss ich zum Strom auf nehmen auch noch Wasser lassen und meine nackten Füsse werden auch bisschen kalt.Die Macht der Ströme ist wiedermal gegen die Ströme der Macht am Obsiegen und am “Anderen Ufer” der Meditation kommt mir wieder dieses Mantra: “Gate Gate paragate bodhi soha.”

postkoloniale Mintegration:

Der Japaner, der auch ein Tibeter sein könnte war auf Klo, jetzt steckt er wie selbstverständlich sein Ladegerät rechts neben sich an der Seite des Sitzes in die Steckdose ein.Dabei sehe ich, dass er in der Mitte aller Fingernägel senkrecht nach oben weisende schwarze Striche auflackiert hat. Vielleicht ist er doch Widerstandschinese?
Eieiei und jetzt muss ich doch mal aufs Klo und kann die Beschreibung wohl nur mit einem mich die ganze Berlin-Zeit über faszinierenden Zitat aus Jean Baudrillards, seinerzeit Gegenspieler von Foucault in der Französischen 68er Philosophophie beenden. Aber bloß nicht missverstehen gell, wir wollen ja nicht nur die Welt retten:

Auszug aus Withold Gombrowicz,Ferdydurke zitiert nach Baudrillard, Jean: Die Transparenz des Bösen, Seite 184

“Ich bestreite nicht, dass eine Abhängigkeit des Einzelnen vom Milieu besteht, aber weit wichtiger, künstlerisch viel schöpferischer, psychologisch abgründiger, philosophisch beunruhigender ist für mich dies, das der Mensch ebenfalls durch einen einzelnen Menschen geschaffen wird, durch eine andere Person.In einem zufälligen Kontakt.Und jeden Augenblick.Kraft dessen, das ich stets und immer ‘für einen anderen bin’, berechnet für fremdes Sehen, in einer umrissenen Weise nur für jemanden und durch jemanden existieren könnend, existierend- als Form- durch einen anderen.Aber nicht darum geht es, das mir das Milieu Konvenienzen aufzwingt, oder um mit Marx zu sprechen, daß der Mensch ein Produkt seiner sozialen Klasse ist, sondern um die Verbildlichung der Berührung eines Menschen mit einem Menschen in ihrer ganzen Zufälligkeit, Unmittelbarkeit, Wildheit, um das Aufweisen, wie aus diesen zufälligen Verbindungen die Form geboren wird- und oft eine am allerwenigsten vorhergesehene, absurde…Seht ihr denn nicht, daß eine solche Form etwas weit Gewaltigeres ist als eine gewöhnliche gesellschaftliche Konvenienz? Und das dies ein nicht zu beherrschendes Element ist?”

Die Heinrich-Böll-Stiftung, die Stadt Ulm und die Deutsch-Ukrainische Gesellschaft Ulm und das Gleis 44 organisieren ein an zwei Tagen von 19-5 Uhr ein Festival zur Anerkennung der Ukrainischen Subkultur mit Film, Musik, Literatur und einer Bilderaustellung nach Ulm geflüchteter KünstlerInnen

Links:

medico.de

Debtforclimate.org

Youtubekanal zur COP 27 Klimakonferent:

https://www.youtube.com/watch?v=3bVM0c2bXIU