Herbstfließen 22

Die Schönheit ist die Religion der Weisen

(Indischer Spruch)

Sontheim, Flurstraße, Morgenstimmung

Verklärte Herbst

Gewaltig endet so das Jahr Mit goldenem Wein und Frucht der Gärten. Rund schweigen Wälder wunderbar Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut. Ihr Abendglocken lang und leise Gebt noch zum Ende frohen Mut. Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe Milde Zeit. Im Kahn den blauen Fluß hinunter Wie schön sich Bild an Bildchen reiht- Das geht in Ruh und Schweigen unter.

(Georg Trakl)

Morgenstimmung, Merzhausen, Richtung Jesuitenschloss

Bilder:Baz

Die Blätter fallen

Die Blätter fallen in die Ackerfurchen
und Stoppelfelder
wie abgewiesnes Licht

Ich sehe dich!

Gelb in Braun zum Grab bestellt
Welches als selten gesehnes Gedicht
Die Welt erhellt

Die Blätter fallen-
irgendetwas zwischen
Feder und Wirbel

Das Blatt gibt sich in den Wind,
in den Boden, in den Fluss
Weil es tot ist für den Baum

Und nichts mehr sonst tuen muss!

Sieht man die Blätter wild baumeln
am Ahorn-Baum wundert es nicht
wie gut sie sich machen
im wässrig strömenden Raum

Die hohen Blätter gleiten,
bestärkt und erlöst von
der Baumbindung Leiden

Lichter der Dichter in Zeiten
des fallenden Lichts
Gedenkend der verwachsten Waben
und der Unsichtbaren
die ihr Lebenslicht für
Menschenkerzen gaben

(©farounfirewater 07.11.21 inspiriert von R.M Rilke’s Gedicht, Herbst)