Auf den Spuren der Leidenschaft

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Freiburg: Die Vauban als Spiegel der Vergangenheit

Der Abend eines ereignisreichen Tages mit Besuch auf Schloss Mochental und den Begegnungen mit Jugendlichen in Riedlingen und Messkirch, verlangte nach Speed. Vorbei an Tuttlingen mit seinen gigantischen medizintechnischen Gebäudekomplexen von Aesculap, Immendingen und Engen, wo eine engelhaft schöne Bekannte aus Studienzeiten herstammt und dann schnurstracks vorbei an den Schluchten bis in die traute Wiehre, wo ich einst lange gewohnt habe. Darüber zu meinem Gastgeber Robert in Merzhausen, welches streng genommen Freiburg gegenüber eigenständig ist. Eine schöne Rückblende in die Zeiten der sozialen Kämpfe bot ein Feature im anarchistischen freiburger Radio-Dreieckland,welches die Entstehungsgschichte, des nach den G 20-Unruhen verbotenen, Mediennetzwerks Indymedia links unten erzählte. Ich kenne den Medienaktivisten von Cine Rebelde, der in Zeiten entführte als auf Camps gegen die Weltfinanzordnung von 600 Leuten 5-7 Handies im Umlauf waren. Alte Erinnerungen stiegen hoch. Die Musik eines englischen Liedermachers in der Pause geht tief rein: „…and we kissed behind the barricades.” Das erste Indymedia-Center wurde für die Mobilisierungen zum G-8 Gipfel in Seattle 1999 aufgebaut. Und als von den Sicherheitskräften unerwartet Tausende die Innenstadt Seattles belagerten musste der Gipfel abgesagt werden. Eine der größten Legenden im linksautonomen Lager nahm ihren Anfang. Es wurde jeden Tag ein Newspaper in Seattle rausgebracht und die Bewegungen und Kämpfe begannen sich über Kontinente hinweg zu vernetzen. Nicht zuletzt über Indymedia. Was der Herr von Cine Rebelde sagt kann ich auch unterschreiben. „Wir arbeiteten danach zusammen weil wir an die Konvergenz der Kämpfe glaubten, auf dem Gipfel in Prag im Jahre 2000, gab es auch schon einzelne, die den Journalismus zu ihrem Ding gemacht hatten, und so um die Welt zogen. Alle Fotoleute hielen damals auf dem zentralen Platz in Prag ihre Kameras hoch. Auch damals war das Motto von Indymedia: Don´t hate the media, be the media.” Scharfe Schnitte heilen besser, hat mir mein altersweiser Gastgeber in Freiburg gesagt und eines ist klar und in den Worten des Videoaktivisten: „Bewegungen müssen Spuren der Leidenschaft hinterlassen.“

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Ein Stromkasten nahe dem Platz wo früher das Kommando Rhino siedelte

Spuren statt spuren

Freiburg, hier habe ich von 2006-2010 studiert und danach bis 2014 gewohnt. Hier habe ich teils meine ganze Leidenschaft in die Politik und das Verstehen, oder war es nur Theoretisieren gesteckt. Hier war ich meiner großen Liebe und dem Krieg als heimlichem Antrieb aller gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auf der Spur. Hier liegen viele Spuren meiner Leidenschaft, auf dem Weg in die Vauban sichte ich den weißen VW-Bus meiner Ex-Freundin, beim Putzen erzählt eine Frau begeistert, wie gut ihr Kaffee schmeckt, wenn sie ihn kalt ansetzt. Freiburg, die Stadt der Begegnung der Länder, der Universität, der Ökobewegung und die Vauban als Stadtutopie als ihr Brennglas. Das Zentrum der Vauban mit ihren 5631 Bewohnern in den 90 er Jahren konzipiert, steht wie als ob sich die radikalen Pole doch im Herzen treffen würden auf der 1937 nach dem nationalsozialistischen Märtyrer Albert Leo Schlageter benannten, Kaserne. Diese wurde von den französischen Besatzungstruppen, die nach dem zweiten Weltkrieg nach Freiburg kamen, nach dem französischen Festungsbauer Sebastian Vauban umbenannt. Die Vauban, dass war für mich auch der Kampf um die experimentelle Wohnform der Wagenplätze. Um Frieden, Harmonie und Lebendigkeit, wie sie frei aus dem Inneren strömt. Jeweils anders. Um Kommando Rhino, von dem immer noch Wägen auf dem Gebiet der SUSI, der seit 1993 zur Vauban gehörenden selbstorganisierten unabhängigen Siedlungsinitiative, stehen. Zu den um die 300 Leuten gehören auch Bau- und Wohnwägen zwischen den Häusern. Das Kommando Rhino musste 2013 dem fünfstöckigen Green City Hotel weichen, die Wägen der Rhinos wurden eine lange Weile kostenpflichtig von der Stadt beschlagnahmt. 2014, ein Jahr später konnte ich mir, nach langer Suche in Freiburg nichts mehr leisten. In der Tradition der mobilen Wohnformen habe ich dann noch einige Monate im Zelt gewohnt. Bis es dann zu kalt wurde und ich ins Mutter-Haus auf der Schwäbischen Alb flüchten musste, mein jetziger Gastgeber war Fluchthelfer.

Wohnen in Bewegung

Gerade ist übrigens ein Zustand gegeben, der meinem Naturell entspricht. Ich nehme den Tag über, manchmal auch bin in die Nacht Szenen, Kleidungsstile, Menschen und ihre Geschichten auf, abends habe ich dann einen Erholungsraum und tags darauf kann ich meine Erfahrungen, Aufschriebe und Bilder dank der Informationsquelle des Internets in einen allerseits verstehbaren Rahmen binden. Dieses Verhältnis von Ruhe und Kreativität, lässt bei mir einen Flowzustand entstehen, in dem ich arbeiten kann. Viele Arbeitsformen, welche nur auf Arbeit und Erzeugung ausgelegt sind lassen meinen inneren Schöpfer verkümmern, ja wiegeln in zum Aufstand auf. Wie war das noch? „Leben ist das lange Ausatmen der Vergangenheit, und das tiefe Einatmen der Gegenwart um genug Luft für die Zukunft zu haben. Und etwas, was ich in der fliegenden Freiburger Zeit noch nicht verstanden hatte, entspringt aus einem Gespräch über die Parallelen der Lehren Sri Aurbindos und C.G Jungs. „Man kann nur so weit nach oben, wie man in die unteren Bereiche eingedrungen ist.“ Heute abend ist das erste mal was durch das Facebook zustande gekommen, mein alter Singkreis vom Seminarhaus am Schönberg, das mittlerweile zugemacht hat, trifft sich jetzt in einer Arztpraxis in der Vauban.

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Rohe Romantik von botschaftlichen Brennstoffbehältern und darunter französisches Familienfrühstück, eine der vielen Ansichten der Susi

Stille, Klang und Stift auf Papier

Ungefähr 15 meist ältere Leute versammeln sich um die Gitarre von Ananda, der den Singkreis gewöhnlich gemeinsam mit Sky macht, der heute auf der Insel weilt. Die Lieder sind meist aus demKosmos des indischen Pantheons. Das erste Mantra ist für Sarasvati, die Blaue, die Fließende und mit ihrem Mantra beginnt die Einstimmung der Anwesenden auf den gemeinsamen Klang.Danach kommt ein Mantra für Shiva. Shiva der männliche Gott und Sarasvati, die für das weiblich Prinzip stehen, sind nach dem schönen Gesang beide im Raum. Dann liest Ananda das Gedicht „die Herberge“ von dem orientalischen Mystiker Rumi vor. Darin geht es darum, dass man alle Einflüsse, die auf einen zukommen willkommene wie unwillkommene mit offenem Herzen aufnehmen soll.Nach dem letzten Wort erklingt in meinem Ohr das schöne Geräusch von Bleistift auf Papier. Hinter mir ist eine weitere, um einiges fleißigere Mitschreiberin. Nach und nach werden die Sängerinnen und Sänger gelöster ein indisch aussehender junger Mann steht auf und klatscht extatisch beim Krishna-Mantra. Mein Freund, der mich via FB hergelotst hat spielt übrigens Trommel. Auf dem Zenit der Stimmung werden die Lieder immer einfacher und tiefer. Zum Schluss ist es ein bisschen so als ob die Menschen sich hier wie eine Sonne erhitzt haben um nun hinauszustrahlen über diesen bemerkenswerten Stadtteil Vauban hinaus. Nach dem Singkreis bekommt Silvio, ein Freund von Krishna, mit dem ich über Fotografie spreche unser Gespräch mit und bietet mir ein Stativ an. So ein Moment des Wissens um Synchronizität stellt sich ein. Ich fahre ihn nach Mengen wo er beim Biolandgärtner arbeitet. Wir sprechen über De-Pression und Ent-täuschung. Er geht die Dinge ethymologisch an und hat tiefe blaue Augen, wir verstehen uns.Er erzählt das er mit seinem Sohn zusammen in zwei Bauwägen wohnt. Er gibt mir einen gecontainerten Smoothie. Also einen aus dem Müll geretteten.Und versorgt mich mit unverkäuflichen Kartoffeln,Pastinaken und Maiskolben. Der Mais mündet vorzüglich in meinen Mund. Ach was wir früher containert haben, schöne Zeiten. Schwer vermittelbar. Ich fahre Heim. Ein schöner Tag.

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Eine SUSI-Ansicht vom Spielplatz der Vauban aus gesehen

 

 

By the B 311: Barri ante portas

Gut gerochen sein auf Schloss Mochental

Die Präposition:Es war ungefähr 11 Uhr, lange war ich noch verharrt, an der kleinen Kapelle auf der Anhöhe beim richtungsweisenden Guten Hirten über Hütten. Zurück lief mein Geist zum Aufwachen am Badesee in Ludwigsfeld am Vortag, die Stille, um die 6 Uhr herum und die Kreise die sich, ganz Auge, in den See meines Bewusstseins zogen. Dies ist eine Schule des Schreibens, hallte es da von meinem gestrigen Gespräch beim ehemaligen Barfüßer unter dem Münster in Ulm wieder, und jede Entscheidung, wenn sie getroffen ist, kann sich mit neuen Informationen ändern. Aber wie Sonne und Mond sich nur in einem klaren See spiegeln können, so vermag sich Gott-der Schöpfer- nicht in einem Bewusstsein zu spiegeln, welches von der Idee des „ich und mein“ getrübt ist, eine indische Weisheit. Manchmal rutschen Dinge ineinander, gerade wenn man durch Unentschiedenheit für sämtliche Einfälle geöffnet wir und es entsteht eine Synthese.Von vielen Einflüssen gespeist und durch die ruhige und zugleich überlaufende „Schale“ des Sees entspringt ein Fluss, eine Kraftlinie, eine Richtung, die einen gehen macht- Meine Synthese ist hier, offen zu sein für die Begrenztheit der eigenen Ressourcen; mit dem alten Generalfeldmarschall von Moltke gesprochen: „Man kann einen Krieg nur bis zu seinem Anfang planen.“ Und andererseits offen für die scheinbare Unendlichkeit in einer Verbundenheit mit dem in Ruhe Einflüsse ansammelnden See des Bewusstseins, das von größeren Kreisen anregend durchzogen ist. In meinem Zwischenziel, das auch ein Hauptziel zu werden vermöchte, steht ein Satz auf einem französischen Gymnasium, der auch von Moltke, diesem Kriegerdichter, zugeschrieben wird: „Erst wäge, dann wage.“Als ich die Augen öffne, weiß ich das ich mit diesen Haltungen zur Reise, und meinem Neuen Testament in der Tasche nicht fehlgehen kann, auch wenn meine Ängste, beispielsweise im Angesicht der Komplexität der Planungen ohne Navigationsgerät in Frankreich zu fahren groß sind. Genauso mein e Gedanken zu den Kosten. Eigentlich reizt es mich ja immer so billig wie möglich davon zu kommen, Mautgebühren und private Autobahnen hält etwas Mächtiges in mir für ein Verbrechen. Genauso weiß ich aber, dass es das Geben ist, das den Gabentausch eröffnet und das habe ich von einem Bauern auf dem Markt in der Freiburger Wiehre gelernt, der mich genau einen Tag ausprobiert hat. Ich fahre also los in Anbetracht der Bibel denke ich: „Triffst du Buddha auf dem Weg, dann töte ihn.“ Mein virtueller Reisebegleiter ist Andreas Altmann, der ein Buch über die spirituelle Reise geschrieben hat, welches auf diesem buddhistischen Ausspruch beruht.„Kill your idols“, darin ist die fein schreibende atheistische Leseratte ein gutes Vorbild.Altmann ist ein Gigant der Feder und der Reise, ich bin ihm einmal begegnet und er hat mir empfohlen sein Buch das „Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ zu lesen. Ich habe angefangen, es ist mir aber im Hals stecken geblieben, weil ich noch nie so etwas schonungslos negatives gelesen habe. Danke Andreas, aber wie sagte mein kluger Schulfreund unter dem Münster beim Guinness „Wenn du eine fette Portion Schnitzel mit Pommes ist, dann schiebst du sie dir auch nicht ganz rein, nein du isst sie Bissen für Bissen.“

Mit Biss bis Schloss Mochental

Noch nie bin ich auf meinem Weg auf der B 311 durch Ehingen durchgefahren, Ehingen ist aber by the way berichtet, eine Stadt des Genusses, noch heute gibt es dort mindestens fünf selbstgebräute Biere. Ehingen ist aber auch eine Stadt der Integration von geistig und psychisch Behinderten Menschen. Es gibt dort beispielsweise eine Tagungsstätte der Bruderhausdiakonie und einen Ableger der von der Gruppe der Normalisierten sprichwörtlich verschrienen Psychiatrie Schussenried. Wie im unfernen Munderkingen spricht einen eine mittelalterliche Innenstadt an, so fern man sich ansprechen lässt. Und wem es zu heiß wird der hängt die Füße in den gut bewirteten Groggensee oder fährt nach Rottenacker an den tollen eintrittsfreien Badesee.Nur acht Minuten von Ehingen auf der B 311, nutzt der buddhistisch in Stille gepackte Betonerfahrer die Abfahrt zum Schloss Mochenteil. Wie selten sonst, bin ich bestens in der Zeit und der Raum, der sich entlang von gülleduftigen Wiesen hochschraubt auf die Schlössern oft zu eigene Exponiertheit, poliert Augen und vertieft die Körperbelüftung. Ich parke ohne die üblichen städtischen Parkplatzfindungsprozesse. Es duftet immer noch, eine dicke Kuh nickt mir über den Zaun zu, oder versucht sie außerhalb der Schwanzreichweite die Mücken in ihrem Gesicht zu beseitigen. Ich interpretiere, wir mögen uns. Das barocke zweiflüglige Schloss, ist bemerkenswert, weil links ein altes Tor offen steht aus dem die Schnauze eines Traktors lugt. Die Bänke, die noch nicht vom Regen am Morgen abgewischt sind, deuten auf eine Gastwirtschaft hin. Als ich das Tor des Schlosses, den anhaltenden dunghaften Ruch genießend, durchquere, bewegt sich von rechts etwas auf mich zu. So als ob es hier wohnen würde. Es ist braun-weiß und so groß, das Angst in mir aufkommt, denn Krieg kann man nur bis zum Anfang planen. Ich beschließe mich zu ergeben, wie eine Freundin mir gesagt hat muss man Hunden die Hand vorsichtig hinstrecken. Es ist ein Bernhardiner, ich habe schon lange keinen so großen Hund mehr gesehen. Und jetzt schmiegt er sich um mich als wollte er einen engen südamerikanischen Tanz mit mir veranstalten, nur eben mit der Leidenschaft eines Meditationsmeisters. Er kann mich riechen, ich ihn nicht, aber ich kraule ihn innig.

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Morgenstund macht  Schlossberichte rund

An der Kasse des Schlosses, wo schon Popartplastikskulpturen in verschiedenen Farben um die Aufmerksamkeit, des Merkfähigen wetteifern, begegnet mir der neue Praktikant der Ausstellung Victor Jette. Er wird mir als ausgebildeter Architekt, der bedauert noch nicht alles über Schloss und Exponate zu wissen, in äußerst bereichernder Weise sein „Auge leihen.“ Um mein Vorurteil preiszugeben, Kunst beginnt für mich wo das Faktische in Frage gestellt wird. Nicht um Postfaktisches als Schutzschild für die eigene Egologe zu produzieren, sondern als Mittel der Sichtbarmachung der Anders-Ansichten.So sehe ich auch die Plastikplastik mit dem Fernglas in der Hand vom Künstler Ottmar Hörl, das er sie „Weltanschauungsmaschine“ nennt geht natürlich noch weit darüber hinaus undreißt mich aus der sicheren Barrikade meiner Ansicht. Nachher werde ich in der Gastwirtschaft erfahren, das der Hund an der „Pforte“ Barri heißt und mit Leo noch einen Zwilling hat.2800 qm Meter Kunst auf zwei Stockwerken erwarten den Gast, wenn er den Geldbetrag von 5 Euro Eintritt als Hüter der Schwelle zahlt. Die Privatgalerie gehört Ewald Karl Schrade und wohnt hier auf Schloss Mochental seit 1985. Das Konzept des erfolgreichen Galeristen, ist es moderne und zeitgenössische Kunst von verschiedenen Künstlern gleichzeitig auszustellen.Das junge Architektenauge Jetters interessiert sich aber gerade für den gebauten Raum.Im Erdgeschosszeigt er die herzigen Öfelchen entlang des Ganges und die modernen Pelletöfen, sowie die Pelletbeigen. „Das Schloss wird ganz mit Holz geheizt“, so Jetter.Im Winter brauche es einen Mitarbeiter der den Feuermeister gibt. Vorbei an einer Bild gewordenen Grünstudie, fasst er zärtlich das Geländer der Treppe zum ersten Stock an. „Das ist ein Baum, schauen sie wie er oben dünner wird.Wegen Brandschutzverordnungen müssen wir die ganzen Türen auswechseln, manche sind es schon.Und die Treppe, diese hier ist neu, vergleichen sie mal mit der zweiten, die ist original.“Ohne dämpfenden Stoffüberzug ist die zweite Treppe sichtbar, man hört und sieht ihr ihr Alter an.

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Gleich zu Beginn lud die Skulptur Weltanschauungsmodell 3 die Zuschauer zum hinzoomen aus einer gefestigten Perspektive mit Abstand ein

Cornelia Schleime: Im Bermudadreieck der Verweisungen

Sie ist echt, urig und sperrig und sie passt gut zu der Welt die in einem in ihren verschiedenen Rahmen jetzt anbrandet. Frauen, heftige Frauenportraits. Das Malen für die 1953 in Ost-Berlin Geborene mit dem „Kratzen, Ritzen und Zeichen setzen beginnt“, merkt man wenn man sich auf ihre Bilder einlässt, am eigenen Leibe.Die alte Treppe, die überall verbaut, einem vielleicht zu sehr auf die Nerven gehen würde, gibt auf ihren letzten rissigen Stufen einen neuen Blick frei. Zuerst reißt einen links die laszive Konstellation einer geheimnisvoll anziehend wegblickenden mit traditioneller Kopfhaube hin. Dannreißt der gedreht in die Augen blickende Blick, eines dünnlippig musternden Kindes, das ebenfalls traditionell gekleidet ist die Aufmerksamkeit an sich. Die anthrazifarbene Büste von Joseph Beuys,deren Schöpfer Ottmar Hörl ist schaut in die gleiche Richtung wie die Begehrenswerte.Dieses Bermudadreieck der Verweisungen, macht der Geist so körperlich wach und ist eineEinladung, dieses Verwirrspiel im Raume der Intensität mitzumachen, auf das einen die fast unheimlich eindrücklichen Bilder Schleimes mitnehmen wollen. Welche Glück, dass es andere Künstlerinnen auf dem Flur gibt, die andere Gehirnbereiche ansprechen. Susanne Züehlke bringt einen von Raum des sich Positionieren-Müssens unter heftigen Zug- und Druckkräften in ein feines Spiel mit Farbe und Emotion. „Der Fluss fragt sich durch“ gibt als Bildtitel für das Bild im Spektrum des Blauen, eine anregende Spannungslinie.

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Irgendjemand angeregt zwischen einem Bild aus der Reihe “See you” von Cornelia Schleime und einer von Ottmar Hörl  erschaffenen Büste der Künstlerikone Joseph Beuys

Bodo Korsig: Windows of the mind

Das Hinterfragende verkörpert sich auch im Glanzlicht des Hubertussaales der von Bodo Korsigs „Windows of the mind“bevölkert wird. Wie die Industrialisierung damals, werde das Paradigma der Digitalisierung heutzutage angezweifelt, so der Galerist und Hausherr Ewald Karl Schrade. Korsig setzt unter den hedonistischen Fresken der ehemaligen Sommerresidenz der Äbte von Zwiefalten Maschinenteile. Internet der Dinge oben, Maschinenteile weiß auf schwarz. Werden wir selber zu den Teilen, wenn uns unser Kühlschrank in seine Gewohnheitsmuster zwängt. Oder wird unser Freiheitsdrang einmal so diametral zu diesen technischen Bequemlichkeiten sein, das wir die Maschinen demontieren oder gar zerstören müssen. Oder zerstören sie uns, wenn wir für das bequeme Fressen alles fortschrittliche und solidarische des Menschen abgelegt haben. Bodo Korsig, der auch in seinen ikonographischen Anspielungen einige kreative und Denkrichtungsänderungen zu evozieren vermag macht Lust auf Einkehr und Umkehren. Das Art-Cafe und die Terrasse dahinter, von der aus man die Klöster Obermarchtal(männlich) und Untermarchtal(weiblich) sehen kann bieten auch Kunst in sich. Jetter meint, passend zum Thema Regeneration, Nahrungsaufnahme und Entspannung, die Nonnen von Obermarchtal hätten einen Klosterladen, ich werde ihn später aufsuchen, und so backten Brot, das man im Norma in Munderkingen kaufen könne. Abends, wenn er hier alleine noch gieße, dann schaue er nur dem Windspiel zu, ein Exponat der „kinetischen Kunst von Jörg Wiele, die auch schon am Eingangsbereich grüßt. Einkehr und Besen, passen spätestens seit Beppo dem Straßenkehrer in Michael Ende´s Roman Momo leicht einsehbar zusammen. Und so „erhole“ ich mich von den erotisch-existentiellen Stillleben der Bilder von Ernst Heckel im zweiten Stock im Besenmuseum, welches so Jetter ein Traum des Galeristen war. Es habe jüngst einer aus Ost-Deutschland einen Besen hier beigesteuert. Auch der mystischen Bedeutung der Besen wird reichhaltig nachgegangen. Ich bin aber für heute reif für´s abendliche Einkehren. Es wäre noch viel zu sagen. Aber wenn der See des Bewusstseins über voll ist sollte man sich den See, voll von Einflüssen eine Richtung finden lassen, wenn man nicht gleich die Zeit zum schreibenden Ausfluss hat.

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Im in die Austellung eingebetteten Art-Cafe und der Terasse begegnen einem bei einer Stärkung  Kunstwerke wie einer der seriell produzierten Dürer-Hasen von Ottmar Hörl und die Windspiele von Jörg Wiele

Das Schloss-Stüble und die Bernhardiner

Das Schlossstüble gehört dem Bauer, der auch der Inhaber der beiden Bernhardiner ist, sagt mir Frau Mauz. Ihre Schwiegermutter habe mit ihrem Mann noch Holz gerückt. Das Schloss-Stüble hätten sie schon 1938 von der Familie Dolpp übernommen. Ich interessiere mich für die Bernhardiner. „Bernhardiner sind wie Pförter sagt mein Hundeführer, die spüren die Leute ganz gut und verhalten sich dementsprechend,“ verriet die Wirtin. Hier in der Gegend, zum Beispiel in Schlechtenfeld und Kirchen gebe es auch Bernhardiner als Hofwächter, das sei Tradition.Der Wurstsalat ist mir von Jetter empfohlen worden, ich bin aber Vegetarier. Mir steigt bei dem Preis von 5 Euro wieder der Geiz auf. Dankbar für den Tag und hungrig besiege ich diesen Anflug. Wie eine Belohnung entbergen sich hinter dem bescheidenen Schild „Käsebrot“ zwei Brote, genug Camembert, eine knackige Gurke und eine Scheibe Käse für das andere Brot. Von meinem illustren Nebentisch erfahre ich sowohl über das Angebot der Indios beim Dreh von Fitzcarraldo, den unerträglichen Klaus Kinsky zu töten, als auch von den großen und guten Kuchen. Die Wirtin ergänzt im Nachfassen: Wir haben Käsesahne, gerade Johannisbeerkuchen mit Sahne und Pflaumenkuchen und andere.Unser Kuchenangebot ist saisonal. Der kunstvolle Geschichtenerzähler am Nebentisch meint: „Jedes mal wenn ich hier bin, bin ich restlos begeistert“, seine schön-farbig gekleidete Tischnachbarin meint: „Inhalt und Form sind hier wunderbar in einander gefügt.”

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Bodo Korsig bringt ästhetisch zum Nachdenken, so wie hier, wo er im Hubertussaal des Schlosses barocke Fresken wie die des Festmahles mit Maschinenteilen in Beziehung setzt

 

By the way berichtet: B 311 Report

Theodor Oltean:  Wasser verfließt, Steine bleiben

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Das Haus aus dem Theodor Oltean seine ersten Steine und Balken für Skulpturen holte

Nach dem Besuch auf Schloss Mochental bin ich schon nicht mehr sehr gut in der Zeit, es ist 16.00 Uhr und ich sehne mich nach der B 311 um mir etwas Wind zwischen die Gedanken wehen zu lassen. Leider verwechsle ich einen Kirchturm mit dem Kloster Untermarchtal und finde mich nach der Durchfahrt durch ein Dorf schnell in einer Sackgasse wieder. Innerlich gelöst freue ich mich aber über den Rosenstrauch als ich am Ende der Sackgasse zum Stehen komme.”Stell dir ein Sofa ans Ende der Sackgasse”, erinnere ich einen geliebten  Kalenderspruch aus Freiburger Zeiten. Als ich gerade eine Nase Rosenduft nehmen will, sehe ich einen Mann aus seinem Haus kommen. Ich frage ihn nach dem Weg und wir kommen über die Rosen ins Gespräch. In Transsylvanien dufteten die Rosen kräftiger meint er. Die Steine, die sich in seinem Garten auftürmen schauen aus wie die heute Morgen bei dem Kriegerdenkmal auf der Anhöhe gegenüber des Guten Hirten über Hütten auf der Schwäbischen Alb. Sie sehen mit ihren vielen Löchern und Windungen aus wie Totenschädel, er kann mir auch nicht sagen ob diese besondere Art Steine von hier kommt. Dafür erzählt er eine nicht minder interessante Geschichte. Vor einiger Zeit hätten die Nachbarn ein Haus abgerissen und in der Bausubstanz seien viele schöne Eichenbalken und Steine herausgekommen. Er habe einige Balken und Steine mitgenommen mit dem Gedanken: Da wird was draus.“Ich bin Rentner, da hat man Zeit“ bemerkt der pfiffige Mann, der seine Hündin „Biene“ auf Mallorca vor dem Einschläfern gerettet hat. Dann führt er mich zu seinen Steinen, er lässt sich von Bekannten auch Steine aus aller Welt mitbringen, und danach kommen wir über einen verwunschenen Pfad zu einem dreiecksförmigen Platz. „Hier hat früher die Neuburg gestanden, etwa im 14. Jahrhundert“, meint er.Hier schließt sich der Kreis zum Fund der Steine im abgebrochenen Haus, die Neuburg war über Jahrhunderte der Lieferant für Baumaterial für die umliegenden Häuser.Ein paar Schritte weiter geht es zu einem Aussichtspunkt, der die Stelle überschaut, wo Donau und Lauter zusammenfließen. Im Februar sei die Fläche zwischen Wald und Fluss ganz überschwemmt, ohne diesen Puffer würde möglicherweise auch der Ort Obermarchtal überschwemmt werden, meint der witzige Mann mit feinem Gesicht und blitzenden Augen.“Ich nenne Neuburg das „Tal der Könige“, weil hier so viele Leute König heißen, blinzelt er.DSC02447

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Hier stand laut Theodor Oltean im Mittelalter die Neuburg von der die Leute in den angrenzenden Siedlungen Baumaterial verwendeten

Skulpturen aus Holz, Stein und Metall

Einst war er Bühnenbildner im Theater von Hermannstadt in Siebenbürgen, vorher hatte er in Klausenburg Kunst studiert in den 90er Jahren ist er dann mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Kurz danach war er mit seiner ganzen Familie auf einer Ausstellung von Picasso, die 18 Euro pro Person gekostet hat. Hinterher sei er enttäuscht gewesen, kaum Werke von Picasso, viele Reproduktionen und Sachen von seiner Frau. Dann habe er seinen ersten Picasso nachgemalt, über den friedensbewegten Pablo kamen wir auf ein berührendes Bild von Theodor, erst spät erfahre ich seinen Namen. Es zeigt eine Frau, die eine tote Taube in den Händen hält. „Ich habe es während des Genozids in Ruanda gemalt“, meint er. Sei Zimmer des Hauses sind bevölkert von weit über 100 Steinskulpturen. Bei seiner Ausstellung in der Galerie von Heidi Moll, waren es noch 99, es kommen jede Woche einige hinzu, immer arbeitet der Rentner an einer neuen “dreieinigen” Kreation. Die Ausstellung hieß: „Wasser verrinnt, Steine bleiben, das sei ein rumänisches Sprichwort.Über den unzähligen knorrigen Hölzern und filigranen Metallwindung auf urigen Steinen, die immer Holz, Stein und Metall zusammenfließen lassen thront jeweils ein Jesus am Kreuz. Während des Gesprächs zeigt er einen verblüffenden Stein aus Mexiko, der unten silbern und oben gülden schimmert. Zum Schluss erzählt der begnadete Unterhalter wie seine (zweieinige) Fernbedienung funktioniere. Die Fernbedienung ist auch ein Fundstück aus dem abgebrochenen Nachbarshaus und sieht wie eine Kaffeemühle aus. Ein rustikales Stück Holz darin gefasst ein Metallstück das man drehen kann.„Wenn meine Frau abends die Fernbedienung in der Hand hat, und ich das Heft in die Hand bekommen will, nehme ich meine Fernbedienung und beginne zu drehen, bis sie entnervt von Quietschen ihre Fernbedienung preis gibt und sagt: „Jetzt lass aber deine Fernbedienung.“ Auf meiner Weiterreise auf der B 311 werden mit vier Jugendliche begegnen, mit denen ich ins Gespräch komme.Veröffentlichungschronologisch eine Reise in die Vergangenheit.

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Der Blick auf den Ort wo sich  Donau und Lauter treffen und auf die Türme des Klosters Obermarchtal

 

By the way berichtet: B 311-Reporte

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Am ersten freiburger Morgen verwies der Hirtem bei Grabmale Vatter in Littenweiler weiter: nur wo hin?

Der Jugend begegnen: von Riedlingen bis Messkirch

Meine Reise zu den Troubadouren begann im Frühling mit einem tanzenden weißen Schmetterling nach einem harten Winter auf der Schwäbischen Alb. Meine Reise auf der B 311 Richtung Freiburg wurde angefeuert von einer hart errungenen Entscheidung gegen einen Zeitungsausträgerjob, welcher das zeitliche Territorium meiner Berichterstattungskapazitäten durch seinen Beginn um vier Uhr morgens von Montag bis Samstag extrem eingeengt hätte. Weiter ging es mit der Erringung einer Zeitzone der Befreiung von der Besitzerin meines Autos, meiner Mutter, und der darauffolgenden Legitimation von zwei Wochen Freizeit seitens meines „Inhabers“ Jobcenter.Ohne von den Realitäten flüchten zu wollen, schaute ich meinem halb-nomadischen Wesen ins Auge. In Justingen ließ ich mich von dem Schild Informationszentrum Biosphärengebiet ziehen um alle Kraft in die Zukunft des Berichterstatters zu investieren, der zur Zeit alltäglich an die Reichweite der Schwäbischen Alb gebunden ist. Auch dieses Territorium hatte zu meiner hohen Gestimmtheit mit dem letzten Brief den ich in der Heimat empfing eine Deterritorialisierungslinie bekommen. Ich hatte eine Einladung aus Ulm zu einer beruflichen Reha Mitte September

Von Ehingen bis Riedlingen

In Ehingen begann nach der Erkundung der, den Reisefluss stauenden, Sehnsuchtsorte Hütten und Teuringshofen die eigentliche Reise auf der B 311. Ich dachte an Ulm:Stadtluft macht frei. Wie hat mir ein naher Freund einmal in einem Gespräch über den Sinn der Demokratie zitiert: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut“, Perikles Mitbegründer der antiken athenischen Demokratie. Beim dem Wetter von Mitte August wäre ich hier wohl zusammen mit meinem alten Reiseatlas sowie Handtuch und Badehose zu dem tollen Badesee in Rottenacker gefahren um, wie man so schon sagt, etwas Vergangenheit auszuatmen, etwas Gegenwart zu inhalieren um so genügend Luft für das Begegnende, die Gegend zu haben.Das schlechte Wetter, welches mich gestern beim Halt an der Urspringschule abends, meine Müdigkeit gewahrend, nochmals heimfahren lies, machte mich nun an dem Seensuchtsort vorbeifahren.

Bei meiner ersten bewussten Fahrt auf der 311, ohne Sozius oder Fahrer, war ich schon einmal im Kloster Obermarchtal,  gelegen an einer Ausfahrt der verheißungsvollen Bundesstraße gelandet. Deshalb sah ich davon ab wieder hinzugehen. Vielmehr kitzelte es mich jetzt beim braun-weißen Schild Schloss-Mochental. Diesen Exkursionen in das Barockschloss umgeben von Kühen und befüllt mit Gegenwartskunst und auch die darauffolgenden Begegnung mit Thomas, dem lokalen Künstler aus Transylvanien, gebührt jeweils ein eigener Beitrag.

Riedlingen: Melanie(15) und Roxana(17) im Interview

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So saßen die beiden Nachbarinnen da und schauten den Autos  auf der B 311 nach, so haben wir uns getroffen

Riedlingen ist mir bei meiner Durchfahrt auf begradigter Straße immer als ein angemessener Ort vorgekommen um einfach mal, ohne links und rechts zu sehen, durchzufahren. Ein Mc Donalds, ein Edeka, links ein Backshop, aber da rechts sitzen zwei junge Mädchen und schauen vor einem alten schönen Haus den Autos beim Fahren zu. Ich drehe und nach einem kurzen Zögern ob Man die einfach ansprechen kann, besinne mich mich dann aber auf die Tugenden der Demokratie. Riedlingen ist das eine, Riedlinger das andere.Während  ich beim Kontaktmachen Fragen überlegene, stellt sich Melanie vor. Sie ist 15 Jahre alt, hat schwarze Haare und kommt aus Riedlingen. Ihre Freundin Roxana  ist halb spanisch und halb rumänisch und spricht, vor einem Jahr eingewandert, noch nicht gut deutsch. Auf die Frage ob sie einen schönen Sommer gehabt habe, antwortet Melanie mit ja.Roxana will ehrlich sein. „Deutschland ist das schlechteste Land der Welt, ich bin mit meinen Eltern gegen meinen Willen hergekommen.“ Aber habt ihr nicht gute Zeiten beim Grillen und Chillen gehabt, entgegne ich. Roxana meint: Grillen? Wenn ich ein Schnitzel will gehe ich ins Steakhouse.Dann meint die blonde Spanierin mit dem Piercing im Zahnfleisch über den Schneidezähnen. „Diese Generation ist kaputt, was soll ich machen. Dann lenke ich das Gespräch auf den Berufswunsch. Roxana will Buchhalterin werden. Wenn sie dabei aber zu viel lesen müsse, wolle sie Model werden. Melanie hingegen ist sich ziemlich sicher Altenpflegerin werden zu wollen, sie liebe es Alte Menschen zu betreuen und ihnen zu helfen. Dann frage ich die beiden ob sie in Zukunft hier in Riedlingen bleiben wollen.Melanie will hier die Ausbildung machen und dann auch bleiben. Roxana will wenn die 18 ist zu ihrem Freund nach Memmingen ziehen.Melanie hatte auch einen Freund, dem ist aber ohne Führerschein der Weg zu ihr nach Riedlingen zu weit. Bei der Frage wie viel Stunden die beiden pro Tag im Internet seien antworten beide mit oft. Melanie sei fasst immer im Internet, weil es bei ihr ohne Musik nicht gehe. Roxana ist 5-6 Stunden im Internet und chattet viel mit ihrem Freund. Was die Musik betrifft höre Melanie Deutschen Rap, wie übrigens fast alle Riedlinger, Kapital Bra, UFO 361 und SXTN die zwei rappenden Mädels aus Berlin. Sie sei aber mit Rammstein, was ihr Vater höre aufgewachsen, was ihr noch immer gut gefalle.Roxana hört spanische Musik beipielsweise Natos y Waor. Wir verabschieden uns. Als ich auf die andere Seite zum illegal beim Bäcker geparkten Auto kommen will, merke ich welche massiven Ausmaße an zielgerichteten Blechströmen mich von der anderen, begegnenden, Seite trennen.

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links Melanie(15) aus Riedlingen, rechts Roxana(17) aus Riedlingen

Vorbei an den Hängenden Gärten von Neufra,über Mengen und Krauchenwies gelange ich nach Messkirch, dass ich demletzt noch gegoogled hatte. Denn das mittelalterliche Dorf, von dem mir meine Psychologin erzählt hatte, welches mit Originalplänen und Werkzeugen in Oberschwaben aufgebaut wird, entsteht hier in Messkirch beim Campus Galli. Angesichts des Ankommenwollens in Freiburg und der fortgeschrittenen Zeit orientiere ich mich aber Richtung Altstadt, dort erspähe ich, nach einem kurzen Dip in in den Gottesdienst in der katholischen Martinskirche, meine zwei designierten nächsten Interviewpartner am Eingang des bereits geschlossenen Schlosses.

Messkirch: Alex(19) und Gioseppe(16) und Lucifer Morningstar(16)

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Lucifer morningstar(16) aus Messkirch

Es ist Freitagabend. Erst gehe ich an den beiden Jungs vorbei, da sie mit Kartenspielen und gleichzeitig ein Video anschauen beschäftigt sind. Dann aber nutze ich den Break nach dem Kartenspiel und stelle mich vor.Alex ist etwas angetrunken. Er meint auf meine Frage wie der Sommer war: „Der Sommer war scheiße, hier ist nicht viel los.“ Giuseppe, mit seinen großen wachen Augen, meint der Sommer sei ganz ok gewesen. Alex unterbricht: „Es kommt mir behindert vor wie sie fragen.“ Ich versuche mit dem Satz, dass alle Menschen relativ zu ihren Herausforderungen behindert seien, zu beschwichtigen. Gioseppe will etwas mit Elektroniker werden, weil er viel Geld verdienen will. Alex will Maschinen und Anlagenführer werden, weil das eine angenehme Arbeit sei. Welche Musik hört Giuseppe, wie Melanie in Riedlingen auch Capital Bra. Alex antwortet erst auf die Frage wie viel er im Internet sei wieder.“3-4-5 Stunden.“ Giuseppe erklärt die viele Zeit im Internet: „Die meisten jungen Leute hier interessieren sich nicht für Kultur und Geschichte, es gibt keinen Bahnhof, kein Schwimmbad, auch keine vernünftige Jugendarbeit. Auf den Stufen zum Schloss begegnet mir ein 16-jähriger, den ich wegen seiner postiven Ausstrahlung anspreche. Er sei ein hoffnungsloser Fall gewesen, jetzt mache er aber Bewusstseinserweiterung durch Meditation. Er will auch interviewt werden, wenn ich ihn lucifer morningstar nenne. Sein Sommer sei normal gewesen, sei nicht im Urlaub gewesen und in Messkirch gehe nicht viel. Er geht auf die zweijährige Berufsschule, wo er seinen Realschulabschluss macht. Auch er will im Beruf viel Geld verdienen, aber auch etwas mit Menschen machen: IT-Kuafmann sei sein Berufsfavorit. Im Internet sei er fünf Stunden am Tag. Musik höre er breitgefächert House, Alternativ Rock zum Beispiel Barnes Courtney. Er wolle weg von Messkirch. Neue Leute. Neue Gegend. Hier sähen die Leute nur so wie er früher war. Ego-Ego. Nicht so wie er wirklich ist. Es ist schon nach 20 Uhr, wenn ich noch munter in Freiburg ankommen will. Öffne ich mir jetzt einen Energydrink und ziehe meine Fühler wieder ein um in der Dämmerung den Soundtrack von das Boot anzuhören. Vorbei am reizvollen Sigmaringen, der Durchfahrtstadt Tutllingen und Immendingen und den dunkeln Schluchten, den Serpentinen von der Höhe hinab in den Schwarzwald bis nach Freiburg mit Marika Röck´s , “Ich brauche keine Millionen” im Ohr. Wohin würde mich meine Reise von Freiburg aus mich führen? Auf den Parkplätzen vor Freiburg zeigte sich das schlafende Europa. LKW´s aus D,P,Esp,Ct, Ro,Cz, Sk, A,Fr.

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Am nächsten Tag in Straßburg am Abend zeigte sich eine europäische Stadt, hier vor dem berühmten Münster der lieben Frau

 

By the way berichtet: B 311-Reporte

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Der erste Abzweigung des Weges führte von Justingen über Hütten nach Teuringshofen wo die erste Pumpstation für die Albwasserversorgung Ende des 19. Jahrhunderts das Schmiechwasser für die Alb urbar machte

Die B 311, so oft befahren als gerade Straße zum Ziel. So oft als  machtloser Beifahrer, im Studium in Freiburg, mit sehnsüchtigem Blicke auf die Schilder am Wegesrand schielend ertragen. Schloss Mochental, Kloster Obermarschtal, Messkirch, Sigmaringen und dann natürlich die wilden drei: Gauchachschlucht, Wutachschlucht und Ravennaschlucht.

Jetzt wo ich wieder einmal Gelegenheit habe, diese Straße zu befahren möchte ich es mit mehr Bedacht auf die Anziehungskraft der Seitenwege und ihrer Orte tun. Dieser vom  Umraum der Straße und seiner erfahrbaren Fülle, genauso wie von der Spannung des Ankommenwollens am sicheren Schlafplatz gehaltene Roadtrip, ergibt die Reihe ” By the Way berichtet: B 311-Reporte.”

Die innere Reise hatte schon im Frühling begonnen wo ich in einem Lied dichtete:”Im Märzen der Bauer, im Mai der Troubadour, mich zieht es nun ins Frankenreich, auf des Schmetterlings schweigender Brache der Sprache.” Nein, ich kann noch kein Französisch und ich habe immer noch genug am Deutschen zu lernen, und wie so mancher Erntemann werde ich nicht alles einholen können, was meine Vorstellungen ersonnen haben. Aber ich lasse mich ziehen und erziehen von Mangel und Fülle der Straße. Das Schönste dabei, ein Freund ist mir in unmittelbarer Nähe meines Heimatortes, das erste mal begegnet. Der gute Hirte über Hütten.Der weiße Mann zeigt nach meinem Navigationsvermögen gen Süd-Westen. Ein gutes Omen für die 250 Kilometer bis Freiburg im Dreiländereck, dem Tor zu Frankreich, dessen sagenumwobener Süden so fern ist, dass es ohne begradigte Straße wohl mehr als die mir gegebenen zwei Wochen bedürfte um dort seelengetreu rumzukommen.Zunächst reise ich einmal mit französicher Sehnsucht Richtung Süd-Westen.

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Dreizehn Tafeln, die den Leidensweg Jesu-Maria symbolisieren führen hinauf zum Guten Hirten über Hütten

 

 

Die rot-rot-grüne Idee

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die Kandidaten für den Landkreis Neu-Ulm und der Gast:von Links: Daniel Sperl(Landtag), Heike Benz(Bezirkstag/Landtag), Sabrina Balkheimer(Landtag/Bezirkstag), Stefan Balkheimer(Landtag), Bodo Ramelow,Dietmar Österle(Direktkandidat Landtag)

Bodo Ramelow berichtete in Neu-Ulm über seine Thüringer Ministerpräsidentschaft

Vor vollem Haus redete Bodo Ramelow, der Ministerpräsident von Thüringen, im Rahmen einer Kandidatenvorstellung der Linken in Bayrisch Schwaben; im altehrwürigen Neu-Ulmer Gasthaus Schlössle. Vor und nach der Veranstaltung hatten die Kandidaten für Land-und Bezirkstag ein Podium um sich und ihre Agenda vorzustellen.Stefan Balkheimer der Landtagskandidat für den Landkreis Günzburg begrüßte den sympathischen Ministerpräsidenten. Ramelow bedankte sich da sein zu dürfen und begann alsbald seine politische Rede. Er sei gerade mit einer Gruppe von Juden und Muslimen in Auschwitz gewesen. Die Muslime würden in seinem Land ausgebildet, die Juden seien aus Schleswig Holstein gewesen. Das Gespräch zwischen Juden und Muslimen sei wichtig. Man dürfe keine neuen Sündenböcke ausprägen. So im Sinne von: „An Hartz IV sind die Flüchtlinge schuld.“ „Die Linke heißt vom Menschen ausgehen, uns gegenseitig Meinungen sagen ohne uns anzufeinden.“ In sozialen Medien geschehe gerade ein enthemmtes Aus agieren aller Feindbilder und wenn nun in der bayrischen Landtagswahl versucht werde die AFD rechts zu toppen, dann sei das der falsche Weg. Er wolle den Kandidaten der Linken in Bayern, die gerade bei 4 % stünden eine kleine Motivation aus Thüringen geben. Das DDR-Schulsystem sei von den Finnen adaptiert worden und biete die Gelegenheit in der Gemeinschaftsschule 8 Jahre gemeinsam zu lernen, statt schon nach 4 auseinandergerissen zu werden.

Höcke ist ein Faschist

Er habe sich früher selber einige Bierzeltveranstaltungen von Franz-Joseph Strauß angesehen. Und vor Björn Höcke in Sachsen habe er Angst. „Björn Höcke ist ein Faschist, er redet nicht nur so, er meint es auch so“, warnte der Christ und Familienvater. Er sage das in dem Jahre in dem das Weimarer Bauhaus 100 Jahre alt würde. „Die erste NS-Regierung war in Weimar“, erinnert er.

„Damals hatten die Immobilienspekulanten Angst was Bauhaus baue sinke an Wert. Heute verliert der Urlaub an Wert wenn Behinderte im Hotel sind.“ Bauhaus sei aus Weimar vertrieben worden.

Es gelte heute wachsam zu sein. Dann sprach Ramelow von seinen Verhandlungen mit Seehofer, mit dessen Bundesland Bayern er eine gemeinsame Grenze habe. Er stehe zum Beispiel was die Energiewende angehe auf den Grundsätzen: Dezentral, Regional und Regenerativ.Es gehe ihm aber auch um eine bessere Verzahnung des bestehenden Stromnetzes, dasPumpspeicherkraftwerk Goldisthal im thüringischen Schiefergebirge liefere beispielsweise auch Strom nach Bayern. Auch bei Thema Biogasanlagen habe er sich mit Seehofer geeinigt.

Die Hölle muss befahren werden

Im an Franken angrenzenden thüringischen Höllental, gäbe es eine große Holzwirtschaft er setze sich dafür ein, dass Holz von Thüringen nach Bayern auf der Schiene befördert werden könne.Kindergarten sei eines der am weitesten verbreiteten Worte auf der Welt, selbst in China sage man Kindergarten, das sei dem Thüringer Friedrich Fröbel zu verdanken. Der die Wichtigkeit des frühen Kindesalters für das spätere Leben erkannte.Kindergärten sollten ohne Gebühren sein. In Hessen sei es so nur die 6 Stunden Betreuungszeit förderten das alte Modell, das die Frau nicht arbeiten könne. In Thüringen gebe es 11 Stunden Betreuungszeit.Was die Rente betreffe erinnerte er an Sozialminister Norbert Blüm, der es ehrlich gemeint hätte mit seinem „die Rente ist sicher.“Nur sei er damals der einzige gewesen, der gegen die kapitalgedeckte Rente gestimmt habe. „Börsen-finanzierte Renten und Solidarität sind wie Feuer und Wasser“, konstatierte Ramelow und sprach sich sogleich für eine moderne Bürgerversicherung aus. Alle bezahlten, es werden keine Unterschiede zwischen Selbstständigen und Angestellten gemacht.

Der Wohnungsnotstand herrscht nicht überall

„Seit dem man staatliche Wohnungsbestände wie ein Stück Butter im Laden, haben Lebensversicherungen nicht mehr genug Einnahmen.“ Dann fragte er warum in München die Mieten kaum mehr bezahlbar seien in Wien aber sehr wohl. Der Unterschied zwischen München und Wien, sei, dass in Wien noch 80% der Wohnungen in den Händen der Wiener seien. Ein Vortein Thüringen, das lange als Niedriglohnland gegolten habe sei. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Wohnungen liege bei 6 Euro. Und wer hier in Bayern noch suche, in Thüringen gebe es noch 3000 freie Ausbildungsplätze. Weiterhin habe Thüringen die niedrigste Arbeitslosigkeit im Osten.Und etwas Qualitatives: den höchsten Zuwachs an sozialversicherungspflichtiger Arbeit. Aber es gehe hier nicht um Thüringen gegen Bayern, nein sein Credo sei: Weg von einer Gesellschaft in der Gruppen ständig gegeneinander gestellt würden.Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer. Kranke gegen Gesunde. Deutsche gegen Flüchtlinge.

Rot-rot-grün als gesellschaftliche Vision

Regional sei auch ein Credo. Die Mittelständischen Unternehmen zahlten ihre Steuern.Global operierende Unternehmen wie Amazon verhandelten nicht mehr mit Verdi. „Amazon zahlt 3% steuern.“Wenn bewährte Aushandlungsprozesse kaputt gemacht würden unterwandere das die Demokratie.Zweites Beispiel: Coca-Cola hat nach der Wende sämtliche Fördermittel bekommen, jetzt haben sie in Erfurt dicht gemacht. Siemens streiche Stellen in Erfurt. Und bei Opel gebe es nur Hoffnung weil die Landesregierung die Gewerkschaften in ihrem Arbeitskampf unterstützten. „Die Wirtschaftskraft kommt aus den Mittelständischen Unternehmen. Auch bei der Flüchtlingskrise spiele das eine große Rolle. Da heiße es in Thüringen: „Integration über Betriebe, Talentsuche statt Papiere.“ Zum Abschluss der kurzweiligen Rede wünschte er der Linken in Bayern 5.01% bei der anstehenden Land- und Bezirkstagswahl.Er kämpfe nächstes Jahr bei der Landtagswahl in Thüringen wieder für rot,rot, grün als ein demokratisches Modell um seine Agenda der Politik von Menschen für Menschen möglich zu machen.Durch eine Frage konnte er auch klarstellen, das er ein entschiedener Gegner der Autobahnprivatisierung sei. Er könne aber nicht gegen den Länderfinanzausgleich stimmen, weil er sonst 2020 Gefahr laufe seine Beamten nicht mehr zahlen zu können.Es sei wie mit der Kampagne „Aufstehen“ von Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine. Eine Bewegung, die (wirklich große Umwälzungen) möglich mache, könne nicht von einer Partei kommen, sondern müsse von der Straß kommen, um dann erst in die Parteien hineinzuwirken. Ramelow teile vieles was die beiden und ihre Unterstützer fordern, er glaube aber nicht das diese Internetseite eine Bewegung entstehen lassen könne.

Links:

Weitere Promis der Linken wollen zum Wahlkampf nach Bayern kommen:

https://www.die-linke-bayern.de/promitour/

Die Seite von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknechtdie ab 04.09.18 eine Sammlungsbewegung lostreten will:

https://www.aufstehen.de/

 

Ins Obstwiesenfestival geraten

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Die “Biene” und Blickfanggestalterin Desiree Berg und ihre Blumenkinder

Eine Blumenwiese in Zeiten des Bienensterbens

Am Donnerstag traf mich der Schlag als ich in der heimischen Bibliothek das Plakat vom Obstwiesenfestival sah. Erst dachte ich es wäre schon vorbei, doch dann sah ich es beginnt heute, Donnerstabend und was erschwerend dazu kommt: Tocotronic kommen.Ohne einen Plan von den anderen Bands und an diesem Abend noch mit Plichtaufgaben übergossen, die mich einen Termin absagen haben lassen, plane ich Freitagabend zu gehen.Dann braucht mein Bruder kurzfristig das Auto, viva la carsharing, und ich muss zu einem Termin in Ulm von der Laichinger Alb mit dem Bus fahren, völlig überfordert lasse ich Geldbeutel und Fotoapparat in der Knutschkugel liegen. Bei Bodo Ramelow hoffe ich das die Genossen mir ohne Not zeitnah Bilder von Bodo schicken. Ich warte immer noch.

Freitag nach der Wahlkampfveranstaltung mache ich mich auf nach Hause. Im Hinterkopf ist mir 18.50 Uhr spielt Voodoo Jürgens , von dem ich durch eine kurze Youtube-show angefixt bin. Busfahren ist langwierig, aber mit dem journalistischen Erkenntnistrieb vermag es auch der Bus zu ganz neuen Ufern zu sein. Am ZOB-ULM Ost begegnen mir um 17.30 Uhr die erste Festivalheads. Tom aus Blaustein, ist eine Goldgrube für diejenigen die sich instant Wissen über die Musikanten des Festivals drauf ziehen mögen. Er hält es nämlich vor jedem Festival so, dass er sich von jeder Band ein-zwei Youtube-Videos anschaut. „Von wegen Lisbeth“, seien heute Abend Headliner und hätten intelligente Texte, sein Favorite auf dem OBW sei aber Goldroger, der morgen spiele, bei dem lohne es sich definitiv gleichzeitig die Texte nachzulesen-ganz bemerkenswerter Hip Hop, lobt er. Ungefähr gleichzeitig wird uns, denen die nach Dornstadt zum Festival wollen, und mir klar, dass wir auf dem falschen Bahnsteig sind. Wegen meines Laptops sehe ich davon ab mich den attraktiven Horden spontan anzuschließen. Die erste Meute fährt am ZOB Ulm West ab. An die Haltestelle neben meiner kommt danach ein Mädel, das ich auf 17 schätze und die definitiv aufs Festival will. Ich setze mich zu ihr hin. Sie heißt Lena ist 27 und trifft sich auf dem OBW seit ein paar Jahren mit ihren alten Kommilitonen aus dem Studiengang Kultur und Medienbildung in Ludwigsburg. Sie freut sich auch auf „Von wegen Lisbeth.“ Findet Festivals seien Freizeitparks für Erwachsene, Campen, trinken und leicht in Kontakt kommen. Ich gebe ihr schweren Herzens mich abermals gegen das switchen der Busse entscheidend (m)einen Rosenquarz als Symbol meiner liebevollen Verbindung mit der Blumenwiese in Zeiten des Bienensterbens.

Dienen geht vor Dehnen

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Sehr schön: Eine Kultur der Berühung, des Umsorgens und der Zärtlichkeit

Das Joga obstwiesensamstags um Elf wäre aus meiner vielleicht etwas spirituell verbrämten Warte der beste Einstieg in den Samstag auf dem Umsonst und Draußen Hotspot gewesen. Jetzt wo ich auf meinen eigenen Körper hörend, die Lisbeth ausgelassen habe. Doch wie es der schwappende Inhalt will, fällt auch dieser Plan aus seinem Rahmen, da die traute Familie mich jetzt just um elf zur Waldarbeit forderte. Der harte Albwinter ließ als fremder dräuender Gast grüßen und das Reich der Notwendigkeit hatte viele Widerhaken in Form von Ästen, in die Schwarten getrieben, die nicht so easy peacy krachen wollten.Danach musste ich mich erst mal hinlegen und meine aufgeplatzten „Pianistenhände“ versorgen.Ohne schweres Gepäck, wie ich es gestern noch zu planen ersuchte, fuhr ich jetzt in Ermangelung von Zeit und ohne Vorankündigung bei der Festivalleitung los. Ohne über die Kategorien Camping und Massenparkplatz nachzudenken, verschlug es mich neben den Eingang des Albaufsteigstunnels des S 21-Bahnprojektes.Um auf den tocotronischen Schluss vorzugreifen: „Ich bin von Anfang an zu weit gegangen, doch es zieht mich zu dir hin.“ Vor mir steigt eine Mami aus und richtet den Kinderwagen.Links eine liebäugelnde Blondine, rechts ein Schießstand gehe ich sicherheitshalber in Richtung Musik; als mir ein regenbogenfarbener Sonnenschirm entgegenrollt. Bald ist es so weit und ich begegnete einem festivalhistorisch interessanten Duo. Jürgen und Daniel, aus Neu-Ulm und München kommen schon seit 14 Jahren her. Das Bier sei wieder teurer geworden, mittlerweile sei es auf der Wies´n in München billiger, lachen sie und bieten ein Bier an. Aber das OBW ist noch älter, sein Geburtsjahr ist 1990(ich zitiere nicht gläsern klare Quellen) Früher sei es im Juli an dem Wochenende vor dem Schwörmontag in Ulm gewesen, der Termin jetzt sei besser da sei man am Schwörmontag fit, lacht Daniel.

Warten auf den Wandalismus im Ghetto der Glückseligen

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Vorposten:Sascha aus Biberach hatte von seinem umgebauten Krankenwagen für 17 Betten einen ausgezeichneten Blick auf die Festivalbühne

Spätestens zu Tocotronic um 00.05 Uhr wollen die gmiatlichn Dudes auch zur Bühne kommen, kneifen sie die Augen zu. Die Band die Sauna hat unlängst noch Tocotronic in Wien supportet. Als ich die für die „Sauna“ eingeplante Zeit für die ersten Camperverbrüderungen aufgewendet habe, weiß ich das noch nicht. Die Band hat in meinen Ohren aber eine große Zukunft. Endlich auf dem Festivalgelände angekommen, sehe ich es gibt eine Garderobe, ich hätte meinen Laptop also schon gestern verwahren können. Gute Organisation ist das Rückgrat für Spontis, danke ihr 350 Freiwilligen, die auch dieses Jahr wieder, dieses kleine Utopia möglich gemacht haben. Nur noch ein letzten Mal für heute marschiert die Vergangenheit in mein Hier und Heute ein. Die Securities fangen meine Kamera ab als Gegenstand der draußen bleiben muss. Zum Glück verstehen die Garderobendamen, auch Ihnen sei gedankt, ich war zu geizig für Sekt, auch Frust, und nicht nur den österreichischen Charme. So bekomme ich nach einer halben Stunde Wartens in der Sonne ein Ok, mein liebes Arbeitsmittel mit rein nehmen zu dürfen. Mein Unwille jetzt nochmals Sachen den weiten Weg von der Wüste der beräderten Stahlgestelle zum Camping zu tragen und mein Geiz zehn Euro für die Campinggemeinschaft zu zahlen, führen dazu, dass ich euch keine Eindrücke von dem „Ghetto der Glückseligen“ weitergeben kann.

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Samstag ca. 17.45: Dives aus Wien in Aktion

The futures female und Buchstabentanz: Dives und Goldroger

Zwanzig nach fünf bildete sich langsam eine sitzende Traube um die Hauptbühne. Eine weibliche Band aus Wien mit einer bemerkenswert steilen Karriere, erst vor 2 ½ Jahren gegründet ist angekündigt Dives.Die drei schwarz gekleideten Mädchen aus Wien versammelten dann während ihres ersten Stückes immer mehr Leute um die Bühne. Die Schlagzeugerin, liebt es eine der „Gitarren“ zu fixieren und sie ganz in ihren eingängigen Rhythmus hineinzunehmen. Sie ist das äußerst bewegliche Rückgrat der Performance, abgesehen von den schönen, etwas antipathisch zurückgenommen bleibenden Sängerinnen. Punk-Attitüde. Die es aber emotional hochgeschlossen umso spannender verstanden mit den Schlüsselreizen zu spielen.Punk-Ego. Das super schwingungsfähige Publikum zeigte sich erstmals als eine Saite riss und dann tönte auch noch die Notgitarre miss. Ein vermeintliche Miss, entpuppte sich bei den effektvollen Tempowechseln der Band aber als eine musikalische Rhetorik um lebensweltliche Kakophonien und Aufgebrachtheiten zu vertonen. Indie-Underground-Vibes eine neue Facette des wabernden Wiens.

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Goldroger: Ein Springbrunnen dichterischer Kreativität jenseits jedes Hip Hop Klischees voll von noch ungehobenen Schätzen

Goldi – Ein Poet  der aus der Zukunft scheint

Und nun war es Zeit das erste Mal das blau-rote OWF-Zelt zu erkunden und zwar in der Atmosphäre den die drei Jungs „Goldroger“ aus Köln mit ihrem Hip Hop zu erschaffen vermögen würden. Vielseitig, wie es der vorzügliche OWF-Band-Guide ankündigte „mal zurückgelehnt, mal in die Fresse und mal verträumt und melancholisch“ kamen die drei Herren daher. Die erste Ballade meines Tages „Harry Haller“ geht gleich tief rein, tief in die kulturelle Referenz, in das Nicht-Leben-Können mit ihr und das Nicht-Sein-Können ohne sie, das steppenwölfische des H.H, des Hermann Hesse. Der Rapper aus Dortmund schürft tief als er auf das Geländer steigt in den Rhein sieht und dann rein pisst und denkt es wäre so leicht.Ein wunderbar inszeniertes Selbstmordszenario.Er wolle lieber mehrere Facetten abbilden als nur der „Womanizer“ oder „Staatsfeind“ zu sein und das schafft er. Er entfaltet ein erstaunlich vielfältiges Feuerwerk der Sprache umspielt von vertrippter Gitarre und DJ-Klangflächen. Leider sind die meisten Texte nicht zu verstehen aber man kann es an den Publikumsreaktionen ablesen dieser „Goldie“ ,wie ihn seine Freunde liebevoll nennen, ist bereit die Liebe im Arm zu halten während sie schläft. Er reiht sich ein in den Kreis der Nachtwächter, von dem die Älteren vor der Inspirationsinfusion dieses Festivals, nur noch in Tocotronic die Funzel halten sahen. Ein Bombenkonzert. Goldroger- eine Band die aus der Zukunft scheint. Übervoll mit Fragmenten, die nach Vervollständigung schreien geht es raus, wo ich wie von Elfenblinken an die Quelle der ästhetischen Blumenkränze, die mir schon die ganz Zeit einleuchteten geführt werde.

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Granada:Die Band hat Schmäh und Selbstbewusstsein, das Akkordeon gibt ihr das gewisse etwas

Hinds und Granada: Hirschkühe und Hosenkavaliere

Desiree Berg, die sich treffend Blickfanggestalterin nennt, knüpft hier ihre letzten Kränze. Sie sei ausverkauft, 50 Kränze seien heute rausgegangen und sie sei voll beglückt so vielen Mädels und Jungs behilflich gewesen sein zu können. Was ästhetische und kulinarische Anreize betrifft findet der gelassene Geist hier die rechte Fülle zu seiner Leerheit. Im Zelt wird es jetzt mit Häxxan, gesprochen Chasan, aus Israel, noch einen Kanten tanzbarer.Das die Jungs aus Tel-Aviv sich nach einer leichtentzündlichen chemischen Flüssigkeit benannt haben ist Programm. Ästhetik, Leidenschaft und ursprüngliche Dreckigkeit machen die Band zu einem der zwei Tanzteilchenbeschleuniger im Zelt am Samstag. Auf der Hauptbühne haben Granada die anregende Zeit der Abenddämmerung ergattert. Die fünf Jungs aus Graz haben Schmäh, man fühlt sich an Wanda erinnert die 2015 hier die Frauenherzen mit “A Mann für Amore“ zum schmelzen brachten.Das Akkordeon, also urwienerisches Instrument und Wien als alte Hauptstadt von Österreich-Ungarn, alles das klingt in dem Konzert, oberflächlich betrachtet an. Der Wille zum Weib witzig verpackt. Zwischen schön und obszön.Saunatalk: „Hör mir zua, hör mir zua, viva la Körperkultur, das schreit nach mehr Temperatur.“Viel Lust und leichte Lebensart trugen die feisten Österreicher in das Körperkollektiv ein. I wül nimma danzn. Sing der Frontmann Thomas Petritsch zum Schluss ins Mikrofon. „Komm bring mi jetzt ham.“ Bei den Hinds, dieser Girlgang aus Madrid, habe ich ein bisschen mein Ohr verschlossen. Weil sie mir zu gööörlisch waren und ich fragte meine Nebenfrau Gabi, die meinte auch „die piepsen mir zu sehr.“ Mittlerweile ist es Nacht. Im Zelt feuert die letzte österreichische Garde mit Gudrun von Laxenberg aus zwei Turntables intensiven Elekropunk. Darüber fliegt eine sexy Frauenstimme, eine spektakuläre futuristische Show von Austronauten in den Kostümen von Astronauten. Das Zelt bebte und Hände und Füße flogen durcheinander.Der zweite Tanzteilchenbeschleuniger des Samstags.

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Tocotronic: 25 Jahre,Kuscheltiere, E-Gitarre, Regenbogen und  Faust hoch gereckt

Tocotronic: Electric Guitar

Tocotronicsänger Dirk von Lowtzow grüßt das Obstwiesenfestival: „Nach 10 Jahren wieder mal“, freut er sich. Die Band ist gealtert.25 Jahre, fast so alt wie das Obstwiesenfestival. Das Genie der Combo zeigt sich beispielhaft in „Electric Guitar“ das als Video vor dem 2018 er Album „Unendlichkeit“ rauskam. Manic Depression im Elternhaus“ bezeichnet den Aspekt der bandbiographischen „Coming of Age Hymne“ Electric Guitar ist ein Geburtstagssong für die 100 Jahre alt gewordene E-Gitarre.Poetisch und groß denkend wird sie dort als Sternbild dargestellt. Auch Leute aus England, die die Texte nicht verstehen, finden den Sound geil, tanzen darauf. Electric Guitar. „Ich erzähle dir alles und alles ist war“, singt er in seiner großartigen diktierenden Art „Electric guitar“, das ist etwas was jeder der Rockmusik liebt nachvollziehen kann, selbst wenn er es sich noch nie getraute ein so mächtiges Ding wie eine E-Gitarre in die Hand zu nehmen. Man kann ihr alles erzählen der Musik. Und vieles erzählt auch die Liedliste von Tocotronic. „Kapitulation“ zum Beispiel fordert sie alle zum Aufgeben auf „Die Stars in der Manege“ ebenso wie die „Wölfe im Gehege.“Diese Songs stehen immer noch da wie uneingelöste politische Manifeste. Die ganze schreckliche Spannung des Erwachsenwerdens verdichten diese beiden Zeilen von „Electric guitar“, „Ich zieh mir den Pulli vor dem Spiegel aus, Teenage riot im Reihenhaus“ und „du ziehst mir den Pulli vor dem Spiegel aus sex and drugs im Reihenhaus.“ „Alles hat ein Ende nur der Diskurs hat zwei“, meint Lowtzow, nach dem er das affengeile Publikum gelobt hat.

Das Obstwiesenfestival 2018 endet mit einer Botschaft: Electric-Guitar.

Bodo Ramelow: Von Freistaat zu Freistaat

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Der erste Ministerpräsident der Partei die Linke zu Gast in Neu-Ulm

Bodo Ramelow, der seit 2014 Ministerpräsident des Freistaats Thüringen ist, kommt am 17.08.18 zu Besuch in die Brauerei Schlössle(Schlösslestraße 3) nach Neu-Ulm. Dabei wird er der Frage nachgehen “Was bringt rot-rot-grün den Menschen in Thüringen?” Die Beantwortung und  Diskussion dieser Frage ist gerade im Hinblick auf die kommende Landtagswahl in Bayern am 14. Oktober spannend.  Es werden auch der örtliche Bezirksrat Frederick Hintermayr und  die örtlichen Kandidatinnen der Partei die Linke in Orts- und Bezirksrat anwesend sein

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Spieltrieb?

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Wie sehe ich mit Mami´s Ohren? Wie Mami mit meinen Augen?

Das Kindermuseum Neu-Ulm bietet auf zwei Stockwerken Begegnung mit Ohr und Auge

Nach dem das Museum Neu-Ulm bis zum Februar 2018 umgebaut wurde, verspricht es jetzt bei jedem Wetter eine wohltemperierte Museumserkundung. Seit Ende Februar hat auch die neue Ausstellung Hör mal wer da guckt, eine Mitmachausstellung zum Hören, Sehen und Staunen ihre Pforten geöffnet. Das Kindermuseum, das seit seiner Eröffnung 2009 Ausstellungen in Kooperation mit anderen Museen macht, ist dieses Jahr eine Kooperation mit dem Kindermuseum ZOOM in Wien eingegangen. Wien hat die naturwissenschaftlichen Aspekte von Ohr und Auge in Stationen dargestellt. Die Mitarbeiter des Kindermuseums Neu-Ulm haben den Aspekt der Emotionen, die mit den zwei Sinnen verbunden sind abgedeckt. Das gerade die Stationen welche Neu-Ulm beigesteuert hat, den eigentlichen Charme, aber auch den pädagogischen Wert der Ausstellung besonders vergrößern wird in der folgenden Museumserkundung deutlich werden.An einem Dienstag Mittag in den Schulferien ist die Ausstellung gut besucht. Konfrontiert mit einem begehbar großen aufgerollten Schlauch mit einem roten Buzzer neben dem Schlauchende fühlt man sich auch nach dem Betätigen des Buzzernirgendwie doof. Gut das es da ein Erklärschild gibt. Da steht der Schall bewege sich mit einer Geschwindigkeit von 343 Meter durch die Luft; oder auch durch ein Rohr? Erst als ich die nette Dame im roten T-Shirt frage und ich die anderen Kinder, mit Aha-Erlebnis-Gesicht etwa eine Sekunde nach dem Buzzern sehe ,wird es mir klar. Der Schlauch ist 343 Meter lang ungefähr so lang wie der Schlauch auf dem ich gestanden habe, bevor mir die freundliche Dame, sie heißt Kristin da runter geholfen hat. Das war also die erste von 12 Stationen auf diesem Stockwerk, die sich noch etwas nach Schikane angefühlt hat. Die Ausstellung ist ja empfohlen für Kinder von 5-12 und möglicherweise zu einfach für komplizierte Geisteswissenschaftlerhirne.

Neben fachlichen Aspekten schulen die Stationen auch emotionale Intelligenz

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Gefühlsdetektive ist eine vom Kindermuseum Neu-Ulm selbst erstellte Station und schult sowohl Kognition wie Mitgefühl

 

Die zweite Station sieht ganz einfach aus, allerdings muss man hier zu zweit sein. Da der Eintritt für Kinder bis 17 Jahre frei ist und Erwachsene allein und Erwachsene mit drei Kindern beide 5 Euro zahlen, dürfte dieses Problem nicht sehr wahrscheinlich auftreten.Ich nehme Zuflucht zu Kristin, die sich bereitwillig zu einem Gesichts-Mix hergibt. Spiegel und Schlitze, die sich abwechseln führen zu der witzigen Situation, dass man auf einmal die Nase des Gegenübers hat und der nicht auszudenken, ob das wohl eine Verbesserung ist? Wie die Station vorher wo eine gerade Linie durch verschieden geformte mit Wasser gefüllte Gläser gebogen wird, sieht man hier, Licht besteht aus Wellen, und Objekte können seine Richtung ändern, was uns wechselweise komisch oder ästhetisch vorkommt. Just in diesem emotionalen Moment kommt die Ausstellungsleiterin Birgit Höppl und steckt mir, dass ihr die Ausstellung vom ZOOM in Wien zu naturwissenschaftlich war. Deshalb habe sie die Station „Hör mal wer da fühlt“ in Auftrag gegeben, ebenso den Weltempfänger, die Gefühlsdetektive, und im dritten Stock das Geräusche-Kino und die Klangwerkstatt. Ohr und Auge seien eben auch mit Emotionen verbunden und so könne das Kind bei der Station „Hör mal wer da fühlt“per Knopfdruck 15 verschiedene Familien, welche mit bestimmten Emotionen verbunden seien, anrufen. Da höre man dann einen traurige Mann, nach dem Anruf bei Dennis Depri, danach müsse man unten die richtige Emotion angeben.

Gefühlsdetektive?

Nach weiter geht es bei den „Gefühlsdetektiven“ hier muss man aus einer Wolke von glücklichen Kindern, die wenigen traurigen raus finden. Danach gibt einem der Bildschirm zwei Möglichkeiten, die eine ist ihnen zu helfen, die andere ist sie zu hänseln. Ein lachendes Gesicht erntet wer sich in das Kind einzufühlen vermochte, ohne es wegen seiner unbequemen Emotion abzulehnen. Beide Stationen werden gut angenommen. Witzig ist auch der Weltempfänger wo man Internet-Radios aus zehn verschiedenen Ländern anhören kann. Emotionen seien nicht an kognitives Verständnis gebunden, meint die Pädagogin. Sprachen, auch wenn man sie nicht verstehe, transportierten eine gewisse Gestimmtheit. Gesagt, probiert. Chinesisch: Hörte sich eher hart und distanziert an. Spanisch hingegen offen und attraktiv. Bei der Kamera Obscura zeigte sich das ausgewogene Verhältnis zwischen Sprache, Bildern und Versuchsanordnungen. Dem Auge auf der Spur so ich hier wieder das Bild wo ein Turm durch ein kleines Loch in eine Kammer mit Spiegel gespiegelt wird und auf einmal in dem Spiegel Kopf steht. Kamera Obscura heiße dunkler Raum, das Prinzip sei zuerst in der Lochkamera eingesetzt worden. Dadurch erhalte ich zumindest eine Idee von dem Zusammenhang und durch die Plastikfernrohre erspäht wird aus den unleserlichenBuchstaben, ein Esel. Das macht mich glücklich, weitestgehend dumm zwar aber glücklich.Wenn man etwas körperlich erfährt und der Freund hat es verstanden, dann weckt das einen gewissen Ehrgeiz. Auch wenn ich nicht verstanden hatte warum ein Fischauge, oder ein Brillenglas diesen oder jenen Effekt auf das Bild haben, so hatte ich es zumindest erfahren und kann jetzt auch dieser Basis meinen Brillenschleifer fragen, oder meinen Photohändler. Sehr beliebt war auch die Schreikabine, wo man so laut man konnte schreien durfte, sofern man sie Schallschutztür zugemacht hatte. 111, 4 Dezibel, Elfkommavier Dezibel lauter wie ein Wau-Wau, dass ist doch ein Zwischenerfolg. Auch Kristina meint sozusagen als pädagogischen Abschluss der 2. Stocks:„Bei Gefühlsstationen nehmen die Kinder am meisten mit.“ Adieu liebe Kristina, willkommen lieber 3. Stock!

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Anschaulich, interaktiv und kreativ, das Modell des Ohres vom Kindermuseum ZOOM in Wien

Der 3.Stock Vom Klanganleiter zum Klangwerker

Miloš Tomić war unter anderem im Filmeraum zu sehen, wie er allen möglichen und unmöglichen Alltagsgegenständen Töne entlockte. Er war mit seiner Konventionen durchtönenden Kreativität Klanganleiter für diesen Stock. Bevor man dazu kam wie das Hören eigentlich funktioniert konnte man durch das Trichterophon mit einem Gramphontrichter als Hörteil, und einem Plastikrohr als Sprechanlage, erfahren das es funktioniert. Und zwar durch den ganzen großen Raum des 3. Stockes. Wenn man wie ich falsch verbunden war, half aber alle Geräuschqualität nichts, man musste an Mami abgeben. Als der Spaß vorbei war, fand man sich vor dem Riesenohr, an dem alle Teile des Ohren vom Trommelfell bis zum Gehirn auf ansprechende Weise dargestellt waren.

Ein Bonuspunkt für Liebe zum Detail geht hier nach Wien. Das Gehirn ist in dem Modell dargestellt als Walnuss, die mit einer Lupe gesucht wird. Auch die versteckten Klappen wussten einen zu verblüffen, mal durch Worte die aus Emotionen entstanden sind wie Augenstern, mal durch auf der Ausstellung zu erwerbende verblüffende Informationen. Beim Zusammenklang der Sinne konnte man mit ganz viel Papier zu Musik malen. Witzig war auch der Monitor der einem Begriffe gestikulierende zeigte. In der Silent Disco konnte man mit verschiedenen Musiken auf dem Kopfhörer einander abschauen wie Musik Gestik, Bewegung und Mimik zu beeinflussen vermag.

Zum Schluss gab es noch ein Highlight, die pädagogische Helferin vom 3.Stock drosch mit einem Gummihammer auf ein umgedrehte Glocke, die mit Wasser gefüllt war. Und dann konnten wir ihn sehen, den geruchslosen unsichtbaren Kameraden, der so oft unsere Ohren füllt, denn Schall. Und dann als wir unser Finger eintauchten spürten wir ihn vibrieren. Den, den wir so gern verstanden hätten. Emil und Ben aus Mühlhausen die beide ihren Spieltrieb, der eine unverloren, der andere wiedergefunden, ausleben konnten, sahen ganz zufrieden aus.

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In der Klangwerkstatt hat man jede Menge mehr oder weniger geräuchvolle Materialen um kreativ loszulegen. Ben und Emil bauten zum Beispiel aus Korken und Eisstäbchen Schlegel für ihre kleinen Trommeln
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Am Ende war der Klang, das könnte ein Anfang sein

Wissenswertes für Besucher:

 

Vereinbarung begleiteter Ausstellungsbesuche etc.

kindermuseum@neu-ulm.de

Adresse:

Edwin Scharff Museum

Petrusplatz 4, 89231 Neu-Ulm, Tel.0731/70502555, esm@neu-ulm.de

http://www.edwinscharffmuseum.de

 

Öffnungszeiten

Mo geschlossen

Di, Mi 13 bis 17 Uhr

Do, Fr 13 bis 18 Uhr

Sa, So 10 bis 18 Uhr

Wer Angst hat das die Ausstellung bald ausläuft, sie geht

noch bis zum 15. September 2019

Reservierungen für Gruppen auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich!

 

So erreichen Sie uns Zu Fuß

15 min vom Ulmer Hbf

12 min vom Münsterplatz

5 min vom Bhf Neu-Ulm

 

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Linie 5 bis Petrusplatz

Linie 7 bis Schützenstraße

 

Mit dem Auto

Der Beschilderung folgen: „Museen am Petrusplatz“ oder „Tiefgarage am Petrusplatz“, Parkmöglichkeit direkt unter dem Museum

Barrierefreiheit

Unser Haus ist barrierefrei

 

Eintrittspreise

Kinder bis 17 Jahre frei

5 Euro regulär, 1 x Erwachsene oder 1 x Erwachsene mit max. 3 Kindern

4 Euro ermäßigt

9 Euro zwei Erwachsene mit max. 6 Kindern

Partner

Die aktuelle Ausstellung im Kindermuseum des Edwin Scharff Museums wird unterstützt von der AOK Bayern, Möbel Inhofer und Interni by Inhofer, der Privaten Montessori-Volksschule Neu-Ulm, der Sparda-Bank und den Wieland-Werken

Kugelrund und google-bun

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Ein sprachakrobatischer Schauspieler mit Werten: Ein Gewinn für das Kabarett

Rene´ von Sydow über Handel, Krieg und totale Überwachung

Kultur im Museumshof in Neu-Ulm. Fünf Minuten vor Beginn des Kabarett-Abends mit dem Namen „Die Bürde des weisen Mannes“ unterhalten sich die Leute noch angeregt über den Genuß des Faßgeruches von Whisky und über das Ur-FKK das ihre Nachbarn damals in Kroatien gemacht haben. Dann kommt der Schaupieler und Regisseur von Sydow auf die Bühne. Energiegeladen und dramatisch ruft er den ersten Vers des Johannes-Evangliums aus. „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und das Wort war Aufschwung.“ Die erste Blasphemie, der im Laufe des Abends noch einige beigestellt werden sollten. Aufschwung das sei das wo wir alle nicht dabei seien, aber es fühle sich gut an meint der in Duisburg Wohnende zur Erklärung. Die Gotteslästerung rechtfertigt er damit das er in den 80er und 90er Jahren, in der Spaßgesellschaft aufgewachsen sei.„Da war Religion was für Alte, Kranke und Spinner.“ Heute hingegen seien die klaren Regeln der Religion wieder hoch im Kurs. In Zeiten der Finanzkrise 2008, hätten die Evangelikalen in den USA einen Aufschwung gehabt. Klar: Wenn Objekte, wie Immobilien an Wert verlören , dann stiegen immaterielle Werte wieder im Kurs. Vielen Gläubigen sei das nun vielleicht zu viel Blasphemie auf der Bühne, reflektierte er. Dann parierte er aber seine Bedenken mit einem unmissverständlichen Stendhalzitat: „Die einzige Entschuldigung Gottes ist, dass er nicht existiert.Er wolle also dem Pfaffen keinen Zucker geben und Vatikan, dass heiße für ihn Vati kann.So wenig er von dem Konzept Gott hielt, so hoch lobte er die deutsche Kultur, darin vor allem die Humboldtsche Bildung. Einer Politik aber die von Vollbeschäftigung rede in einer Zeit wo tausende mit einer Berufsausbildung bei der Tafel Schlange stünden, halte er nichts. Auch an Industrie 4.0, Internet der Dinge und Digitalisierung lies er kein gutes Haar. Ein Mensch verdiene per Gesetz 8,84 Euro Mindestlohn in der Stunde. Der Betrieb eines Roboters koste heute schon nur 4,50 Euro. Darüber hinaus steigere ein Roboter seine Produktivität jedes Jahr um 5%, was man von Angestellten wohl nicht annehmen könne. Es gebe heute schon Wallstreet-Unternehmen Algorithmen statt Arbeitern ein. Es war sogar schon ein Algorithmus im Aufsichtsrat, der wurde dann aber gelöscht, weil er ein Verhältnis mit der Frau des Chefs angefangen hat, witzelte preisgekrönte Kabarettist.

Es gibt mehr Internetzugänge wie Klo´s auf der Welt

Sein Talent Konkretes und Abstraktes in der Sprache entlarvend zusammenzufassen spielte er gekonnt aber wohldosiert aus. Es gebe auf der Welt mehr Internetzugänge wie Klos: „Da muss man sich eben entscheiden W-Lan oder Stuhlgang.“ Auch Geschichte und Gegenwart bezog er gekonnt aufeinander. Im Mittelalter seien Dorftrottel mit Rotz gemartert worden, heute begämen sie Sendezeit im TV.Das solche B-Promis Schirmherren für die Stiftung Lesen seien, das sei wie wenn man Udo Lindenberg bitten würde: „Pass doch mal auf meinen Schnaps auf.“Und dieses ständige: „Wir müssen die Leute da abholen wo sie sind“, müsse man scharf ablehnen.Ein Museumsbesuch, ein gelesenes Buch, das sind alles Dinge die einen erst einmal überfordern. So sei es auch in der Bildung. „Ja es gibt die Schwarmintelligenz aber es gibt verdammt nochmal auch die Dummheit der Masse“, plädierte er an Vernunft der Zuhörer. Youtuber wie Bianca Heinicke und Felix Kjellberg, seien kaum der deutschen Sprache mächtig. Ihre Fans hätten im Allgemeinen nur noch zwei Fähigkeiten: 1. Nahrung verdauen, 2. Vermehrung. Kjellberg mache 34 Millionen im Jahr damit, dass er Videospielsequenzen live kommentiere. Sie jungen Leute verlören ihre Sprache während sie mit Youtube-Videos zugequasselt würden. Was macht man gegen diese verblödeten Glotzbrocken? Von Sydow empfiehlt den Eltern: Statt jeder Pille 20 Minuten Fussball-Spielen. Aus einem Zwiegespräch zwischen Ihm und seinem Klingelton verkaufenden Nachbarn, dessen Hunde Proxy und Server heißen, ergab sich einiges.

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Mit Wortverdrehern, klarer Sprache, heftigen Beispielen glänzte der man der in Duisburg lebt

Entscheidungsszwang in einer Welt aus Nullen und Einsen

Zum Beispiel das von Sydow gar keinen Kühlschrank will, der sich bei erhöhtem Kolesterinwert selbst verschließt. Und auch kein Auto, welches durch Sensoren im Internet der Dinge in der Lage ist seiner Krankenkasse zu melden wieoft er letzen Monat beim Mc Donalds war. Vielmehr brachten diese Ausflüge in die mögliche Zukunft Sydow zu einem sozialwissenschaftlichen Deutungsmodell. Jeremy Bentham, der englische Philosoph konzipierte im 18. Jahrhundert Gebäude die durch ihren runden Bau und ihre Wachposten möglich machten, dass viele Insassen von Gefängnissen oder Fabriken durch wenige überwacht werden konnten. Er nannte diese Gebäude Panopticon. „Bentham nannte es Panopticon, wir nennen es Google“, meinte von Sydow düster.Der Transhumanist und Google-Chef-Ingenieur Ray Kurzweil meint ab 2021, die ersten Sicherungskopien von Menschen machen zu können.In einer schauspielerisch hochwertigen Schlussansprache des transhumanistischen Nachbarn hieß es: „Die Lehre von Ikarus ist nicht nicht zu nah an die Sonne zu fliegen, nein, er lehrt uns besserte Flügel zu machen.Freizeit ist die Arbeitszeit an der Persönlichkeit. Die Zukunft besteht nur aus Nullen und Einsen, du musst sich eben entscheiden, was du bist.“ Nach der Pause ging es genausoheftig weiter. 75 % der Insekten seien in den letzten 10 Jahren ausgestorben. Da könne man spontan sagen, schön, dann ist meine Scheibe nicht mehr so dreckig. Doch nach dem Insektensterben komme das Vogelsterben, es gebe jetzt schon 15 % weniger Singvögel wie vor 10 Jahren. Und in letzter Konsequenz kämen dann die Säugetiere Nur das das klar sei, die IT-Branche stoße genau soviel CO2 aus wie die Flugbranche.

 

Durch unsere Adern fließt Strom

„Durch unsere Adern fließt kein Blut mehr, durch unsere Adern, fließt Strom“, sagte er es poetisch. „Nicht die Zeit rennt, wir rennen.“ Und packt man es nicht mehr nennt man es „Burn-Out“ nicht Erschöpfung, damit es sich männlich anhört. Unser Gotteshaus sei die Shoppingmall, unser Katechismus Google und unser Angebetetes das Kleid für 3 Euro. Warum der Abend „die Bürde des weisen Mannes“, hieß wusste man noch nicht. Nur das es eine Anlehnung an das Gedicht „Die Bürde des weißen Mannes“ von dem weißen Mann Rudyard Kipling über den Imperialismus war. Bildung so Wilhelm von Humboldt sei die: „….“Anregung aller Kräfte eines Menschen, die in ihrer Einzigartigkeit andere Menschen bereichern.“ Da ganz zum Schluss der Vorstellung mein Handy sich dank einer vergessenen Weckzeit schellend meldete, weiß ich nicht ob von Sydow noch etwas zur Bürde des weisen Mannes gesagt hat. Kipling hat  jedenfalls damals 1899 die imperialen Kriege der USA unterstützt und von Sydow hat den Faust 2 von Goethe zitiert: “Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen.” Auch wenn wir es heute Friedenseinsatz statt Krieg nennen, sind diese drei auch im globalen System nicht wegzudenken. Kiplings äußerst lesenswertes Gedicht plädiert für den Krieg des weißen Mannes. Das Humboldtsche Bildungsideal plädiert für die Emanzipation der Menschheit. Vielleicht ist es des weisen Mannes Bürde, dass er damit ein Rufer in der Wüste der Berufs-Kompetenzen ist, in der Leistung, Effizienz und Geschwindigkeit, eine Erziehung zu Leidenschaft und Selbstbestimmung verdrängt haben.