upcoming:Gottesdienstformen Das Freitagsgebet im Islam

DSC00704Von einer christlichen Begegnung inspiriert verschlug es mich zu einer Moschee! Oft hatte auf der Heimfahrt von Ulm in Gerhausen das Schild mit der türkischen Flagge und der Aufschrift DITIB schon meinen Blick gebannt..Jetzt wollte ich es wissen…

Interview: Warum müssen Christen in Deutschland andere missionieren?

DSC00685
Egal ob man daran glaubt das es eine objektive Wahrheit gibt die Christus ist oder nicht, ist folgendes Zitat aus der Bibel interessant wenn man meint das Christentum sei eine nachgiebigere Religion als beispielsweise der Islam: “Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert. Wer sein Leben findet, der wird´s verlieren; und wer sein Leben verliert, um meinetwillen, der wird´s finden(Matth.10,38+39)

Gernot Elsner mein Interviewpartner ist einst mit 19 zu Gott gekommen unter der Bedingung, dass er all das was die Apostel erlebt haben auch erleben könne. Denn seine größte Furcht war damals ein langweiliges Leben zu bekommen. Er war dann 3 Jahre lang auf den Philippinen auf der Bibelschule und ging danach zum Theologiestudium in die USA. Heute ist der Karlsruher verheiratet und hat Kinder.2006 gründete er das Missionswerk Gospeltribe. Er gibt wie am Wochenende im Haus der Hoffnung Workshops zum Thema lebensverändernd Predigen und ist Pastor in seiner eigenen Gemeinde.

Der weise Rabe:

Gernot wir leben in einem christlich geprägten Land, dein Missionswerk hat dieses Jahr schon Evangelisationsprojekte in Deutschland gemacht, Warum?

Gernot Elsner:

Die Frage ob wir ein christliches Land sind, erschließt sich aus der Perspektive woher man kommt.Hier auf der Schwäbischen Alb stimmt das wohl aufgrund des Erbes des Pietismus. Vor einigen Jahren stand aber in der Zeitung die Welt, das Ostdeutschland das Land auf der Erde sei, indem die höchste Konzentration nicht gläubiger Menschen wohne. Deshalb haben wir in Arnstadt in Thüringen Ende März 2018 eine Evangelisation durchgeführt. Außerdem machen wir ja keine Christianisierung sondern eine Evangelisation. Evangelion ist ein griechisches Wort, dass nichts anderes als Frohe Botschaft bedeutet. Es existierte im Griechischen auch getrennt vom Christentum. Römer 1,16 beschreibt unser Bestreben: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

Der weise Rabe:

Der Kabarettist Jess Jochimsen sagt in seinem neuen Programm, „solange in Deutschland Klassenarbeiten in Religion geschrieben werden müssen, braucht man über die Scharia nicht zu hetzen“, was antwortest du ihm darauf?

Gernot Elsner:

Ich glaube so eine Aussage rührt aus einem postmodernen postaufklärerischen Denken, welches annimmt es gäbe keine objektive Wahrheit. Ob nun ein Kabarettist oder die Ringparabel des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing[dort wird behauptet, dass die drei abrahamitischen Religionen wie Ringe seien, bei denen man nicht herausfinden kann, welches der Wahre ist, deswegen müsse man alle respektieren], ich beuge mich solch einem Geist nicht. Für mich ist laut Johannes 1,14 das fleischgewordene Wort die höchste und objektive Wahrheit.

Der weise Rabe:

Einer deiner Werte ist radikale Jüngerschaft, was bedeutet das für dich?

Gernot Elsner:

Naja, der Wortstamm von radikal kommt von Wurzel. Oder verwurzelt sein, ich bin verwurzelt in Jesus Christus. Und da ist das Christentum wirklich intolerant. In Johannes 14,6 spricht Jesus zu dem ungläubigen Thomas: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben,niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Das ist die eine Seite, die andere ist, dass Jesus aus Liebe zu Menschen die nicht zu ihm gehörten bereit war zu sterben. Ich bin mit dem Gospeltribe in über vierzig Ländern gewesen und ich weiß wie intolerant gerade solche Länder die auf dem Atheismus basieren,wie heute vielleicht noch Kuba oder Nordkorea sind. Jesus praktizierte die Feindesliebe, er lud alle Menschen ein durch seine Wahrheit heil zu werden.

 

Kabarett: Jess Jochimsen Warum denken wenn man auch schunkeln kann?

DSC00658
Songs mit Ziehharmonika, Gitarre und immer wieder “die Ode an die Freude” mit dem kleinen Metallophon lockerten das Programm des Freiburger Kneipenliebhabers auf

Mit seiner freiburger Freundlichkeit fragte Jess Jochimsen sein Publikum im Rössle in Laichingen  beim Essen ob er sie schon stören dürfe. Dann machte er ein Kompliment an die Schwaben. In Blaubeuren habe er einmal in einem Hotel mit Sauna gewohnt, als er diese nutzen wollte, hieß es die Sauna sei wegen einer Goldenen Hochzeit besetzt, seither wisse er das die Schwaben feiern könnten. Dem zum Trotz frage er sich trotzdem warum in den Nachrichten immer von syrischen Islamisten oder Deutsch-Türken die Rede sei nie aber von unterfränkischen Protestanten mit österreichischem Migrationshintergrund. Seine Liebe zu goldenen Worten zog sich durch das ganze Programm. Hatte er aber 2015 an gleicher Stelle noch gesungen”manche Dinge hät ich gerne nicht gewusst”, sagte er heute “Ich bring dann mal den Müll hoch.” Dabei heißt sein Programm doch “Heute wegen Gestern geschlossen.” Und ein anderer goldener Satz in Richtung “Dicht machen!” war: “Es ist Glück mit Menschen mit denen man nichts zu tun haben will auch tatsächlich nichts zu tun zu haben”.Wenn man Jochimsen festnageln möchte, dann verfehlt man das Thema und damit den Spaß. Er ist jemand der gerne mit den Worten spielt und sich nur auf recht allgemeinen Plätzen fest macht.So beendet er die komische und teilweise entlarvende Gratwanderung zwischen Müll hochbringen und postpolitischem Hedonismus bei dem es nur noch um die Sexualfantasien der Selbstmordattentäter geht mit einer Perspektive. Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann muss morgen wegen heute geöffnet sein.

 

Zuviel Kultur, zuviel Fußball zuviel Sonntagskrimi

Der anachistisch angehauchte Kabarettist fragte provozierende ins Publikum “Ohne Regierung ist es doch ganz gut gelaufen?” Trotzdem gäbe es ihm zu viel Kultur, zu viel Fussball und zu viel Fernsehen.Kultur sei schon etwas ausgefeiltes für alle Übergriffe habe sie Institutionen geschaffen: Fußballstadien, Krimis und Schützenfeste nur gegen die Taten in Köln an Silvester sei kein Kraut gewachsen. Der linkskonservative Philosoph Peter Sloterdijk habe daraufhin im Cicero, einem der neuen konservativen Hochglanzpolitblätter geschrieben: “Wir schaffen das nicht.”Und weiter das die Flüchtlinge uns fluten würden. Dann rechnete Jochimsen vor, wir haben 1 Million Flüchtlinge bekommen, hier im Rössle sind etwa 80 Leute, dann wäre eine Person etwa die Flüchtlingswelle, wie solle die nun den Saal fluten?Fussballspiele seien schon wegen Anschlägen abgesagt worden, Schlagersendungen allerdings nicht. Und dann kam die wohl etwas falsch adressierte Frage: Was wenn die Recht haben und “Herzilein, du musst nicht traurig sein”, die wahre Antwort auf alle drängenden Fragen sei. “Warum denken wenn man auch schunklen kann”?DSC00660

Katharsis: Runter zum niedrigen Denken

Jetzt gebe es ja das Wort Bio-Deutsche, er warte jetzt nur noch auf die Einsetzung eines Heimatministers für Inneres und Sport. Das man in der Schule gelehrt bekomme, dass man nur die 3.Strophe der Nationalhymne singe sei eine Einladung für höchstes Interesse für die anderen Strophen, er habe damals seinen Opa gefragt, die Jugendlichen fragten Google. Seine Witz Biathlon sei ein deutscher Sport, erst schießen und dann wegrennen, traf möglicherweise ins Herz der markigen Mitläufers. Bush sei schon mies gewesen, aber heute sei “das niedrige Denken ganz bei sich angekommen.” Es nur von oben herab anzuschauen reiche nicht, er forderte das Publikum auf da runter zu gehen. Bei seiner ersten Frage begann schon das Problem. Als er fragte wer sich kritischer und intellektueller fühle wie die anderen, meldete sich keiner. Ich war gerade beim Mitschreiben. Dann ging er eben alleine runter, denn auch beim Nachspielen des Wahlverhaltens bei der Bundestagswahl machte keiner mit. Mit einem schweizer Militäthistoriker als Gewährsmann dekonstruierte er nun die Rede von den feigen Selbstmordattentätern. Attentäter seien vieles, aber alles andere als feige, Drohnenangriffe seien feige. Der Schweizer argumentierte weit über den Raum des öffentlich ungeschoren Sagbaren hinaus, wir bräuchten selber Selbsmordattentäter. Die Gratwanderung gerade noch vor dem Absturz rettend lenkte Jochimsen das Thema ins unpolitisch Sarkastische um. Man hätte zumindest genügend depressive Menschen, die Selbstmordraten in Deutschland seien wesentlich höher als in Syrien.

 

 

DSC00677
 Ein gutes Auge und Sinn für das Skurile im Alltag bewiesen die selbstgemachten Bilder Jess Jochimsens Bild: Sammlung Jess Jochimson

Wider die Herrschaft der alten Männer:

 

Um dem niedrigen Denken näher zu kommen müsse man den überheblichen Altmännerhumor hinter sich lassen. Diese Aufforderung beantwortete er mit einem melancholischen Lied auf der Gitarre. Hier ging es um zwei Brüder, die zusammen eine Frau hatten. Eine Absage an die Männerherrschaft.Auf die 13 % der AFD bei der Bundestagswahl zur Sprache kommend, erinnerte er sich an seinen Geschichtslehrer der ihm etwas über die Weimarer Republik gesagt hatte, was er erst jetzt verstanden habe. “Die Weimarer-Republik ist nicht gescheitert, weil sie zu viele Feinde hatte, sondern weil sie zu wenige Freunde hatte.”Sätze wie: “Ich bin kein Rassist aber…” brächten ihn zur Weißglut, es sei als wenn man im Wald einen Mann treffe, der einen Stelle und sage: “Ich bin kein Triebtäter aber…”Die deutschen seien ein Volk von Romantikern, dass sehe er an den Liebesschlössern, welche seit einiger Zeit, die Namen der Partner eingraviert, an Brücken hängen. Ein Statiker würde sagen: “Die Belastungsgrenze ist erreicht.” Er sei aber überzeugt, der Islam gehöre erst zu Deutschland wenn auch Muslime solche Schlösser an den Brücken anbringen, wenn auch für jede Frau eines, lachte er.Ein ehrbarer Professor aus Freiburg habe jetzt auch ein Problem mit dem niedrigen Denken, seine 18 jährige Tochter sei jetzt mit Hassan Abdi einem somalischen Muslim zusammen. Als er sie gefragt hat was gegen Michael spricht, sagte sie es ihm unverblümt: “Papa, der vögelt einfach besser.” Erneut erinnerte Jochimsen “die alten Männer sind unser Problem. Es gibt auch Frauen die alte Männer sind, die wollens wie es früher war. Angst vor Veränderung macht uns zu alten Männern. Alte Männer sagen: “Zukunft, dass ist so wie heute nur mit Rente.” In seinem Russland-Lied in dem leider er ähnlich aktuell wie schon 2015 das massenmedial vermittelte Zerrbild Russlands zwischen nackt jagendem Putin und farbigem Gorbatschow darstellte exerzierte er vor, was er zum Ende hin vorschlug. Die 87% die nicht die AFD wählen, sollten nicht aufhören Fragen zu stellen und dem alten Mann empfohl er sich auszuruhen, ein Fest zu feiern und mal wieder was zu träumen. Das konnten die fast ausschließlich Deutschen Gäste in dem Volkslied “Guten Abend und gute Nacht” lediglich gestört durch eine äufklärerische Frage an Gott. Warum denken wenn man auch schunkeln kann? Weil man so den Ruhetag verstehen kann, denn: Heute war wegen Gestern geschlossen.Wenn heute wegen Gestern geschlossen war, dann kann morgen wegen heute wieder geöffnet sein.

Lesung: Kindersorgen

 

dsc00602.jpg
Neben seinem Erstlingswert Burnout-Kids hat Michael Schulte-Markwort auch noch das Buch Superkids Warum der Erziehungsehrgeiz unsere Familien unglücklich macht geschrieben

Eine vorbildliche Kooperation der beiden großen christlichen Kirchen  sowie der Volkshochschule Laichingen-Blaubeuren-Schelklingen machte den hochkarätigen Vortrag eines bekannten hamburger Kinderpsychologen im Johannes Montinihaus in Blaubeuren möglich. Frau Rösch Both von der Volkshochschule gab in ihrer Einführung  in die Vita von Martin Schulte Markwort einen Eindruck von dem vielfältigen Engagement des heute, als Autor des Buches “Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können” , daraus lesenden Mannes.

 

Der schlacksige Mitsechziger ist neben seiner Tätigkeit als Kinderpsychologe auch Ausbilder für Psychologen und Manager, die Angabe von Rösch Both er hielte 400 Vorträge im Jahr dementierte er allerdings. Vielmehr spreche er täglich mit Kindern und habe in den letzten 25 Jahren schon 30000 Kinder gesehen, das mache ihn gelassen. Gelassenheit in der Erziehung  war die erste Botschaft des einem größeren Publikum über sein erstes Buch “Burn-Out-Kids Wie das Prinzip Leistung  unsere Kinder überfordert” bekannt gewordenen Autors. Er hätte damals schon gezögert ein Buch mit einem derart populistischen Titel zu veröffentlichen, hätte sich dann aber vom Knaur-Verlag überreden lassen. Aus schlechtem Gewissen habe er später das Buch “Superkids” geschrieben, dieses sei sein Ladenhüter, da die Leute etwas negatives lieber lesen wollen als ein positives Buch. Allgemein fasste er seine Erfahrungen als Kindertherapeut trotzdem folgendermaßen zusammen: “Ich finde die Kinder sind immer besser geworden, die Gespräche von heute konnte ich vor 25 Jahren nicht führen”. Seine Erfahrung mit den  Eltern in den letzten Jahren sei: “Viele Kinder wollen selber nicht mehr über ihre Kindheit berichten”. Seine Aufgabe, so seine letzte Vorbemerkungm bevor er in die einstündige Lesung aus “Kindersorgen”  einstieg sei, zwischen Kindern und Eltern zu dolmetschen, so dass beide sich besser zu verstehen lernten.

Whatsapp-Therapie statt defizitorientierte Kulturkritik 

Smartphones seien das Reizthema Nummer eins bei Familien mit Kindern über 10 Jahren. Lea sei von ihren Eltern zu ihm geschickt worden. Sie erzählte, dass alle ihre Freundinnen auf  Facebook und Snapchat seien und es heutzutage eh das Schlimmste sei abgeschlossen zu sein und nichts mitzukriegen. Ihre Mutter macht sich sorgen, weil es bei Lea keine Sekunde ohne Handy gebe und dass Lea mediensüchtig sei. Lea so berichtet Schulte-Markwort, lächelte triumphierend, als er ihr bescheinigte körperlich und psychisch vollkommen gesund zu sein. Er stelle sich ganz vehement gegen die smartphonefeindlichen Meinungen seiner Kollegen Thomasius und Spitzer. Wenn vor drei Wochen durch die Zeitungen ging das 300000 Kinder in Deutschland medienabhängig sind, so verschwiegen diese Meldungen, dass 96,5 Prozent der Kinder nicht medienabhängig seien. Er wolle die Kinder da abholen wo sie sind und mache selber Therapien mit Kindern per Whatsapp. Es werde an der Uni in Hamburg gerade eine App namens “Mysoul”, wo psychisch kranke Kinder ihre Befindlichheiten eingeben könnten, wenn ein Kind beispielsweise in den “Depressionsthermometer” rein schreibe es wolle nicht mehr leben, dann werde die die Uniklinik in Hamburg Eppendorf, wo er arbeite, informiert.

 

DSC00596
Michael Schulte-Markwort war bei seiner Lesung anzumerken, dass er sich gut in Situation und Sprache seiner kleinen wie großen Klienten einzufühlen weiß. Er ist tiefenpsychologischer Psychotherapeut und arbeitet auch mit der Technik des Psychodrama, seine Frau ist Psychoanalytikerin

 

Pubertät als Zeit der Entwicklung von Autonomie im Kind

Beim Thema Pubertät erzählt er die Geschichte von Rubi deren Eltern, wie viele Eltern in dieser Phase berichteten ihre Tochter käme nicht mehr zum Essen, würde immer aggressiver und käme erst in der Frühe nach Hause. Rubi hingegen sagt: “Meine Eltern sind Kontrolleties bis zum abwinken, ihr Verhalten ätzt mich an.” Viele Eltern sähen in ihren pubertierenden Schützlingen immer noch das kleine Kind, eröffnete Schulte- Markwort. Dabei sei Loslassen notwendig , damit sich im Kind Autonomie entwickeln könne. Sprüche wie “ihr seit peinlich” seien da um Abstand zu gewinnen. ” Man solle die Kinder solange weggehen lassen, wie der Spaß anhält. Dann verlören die Kinder ihren Grund übermäßig lange weg zu bleiben. Die Eltern sollten sich selbst einmal fragen ob ihre Eltern in der Pubertät alles über sie gewusst hätten. Eltern sollten sich in Vertrauen üben, da Machtkämpfe mit Kindern immer nach hinten losgingen. Man müsse eine gute Beziehung zu ihnen haben, ziehen bringe nichts.  Die Fallbeispiele ließen deutlich durchblicken, dass Schulte-Markwort die Sprache der Kinder sehr gut beherrscht.

Trennung

Als Kindertherapeut sei die Frage nach den drei Wünschen an die Kinder eine zentrale Frage, so Schulte-Markwort. Corinnas erster Wunsch war, dass Mama und Papa wieder zusammenkommen. Weitere Wünsche hätte sie nicht. Im Gespräch meinte Corinnas Mutter: “Ich habe das Gefühl mein Leben geopfert zu haben um jetzt gegen eine Jüngere ausgetauscht zu werden.” Corinnas Vater hingegen äußerte er wäre mit der Neuen “so glücklich wie noch nie.” Als Schulte-Markwort beide an einen Tisch brachte sei die Atmosphäre schneidend und hasserfüllt gewesen, auch für den erfahrenen Therapeuten kaum auszuhalten. Der Frau riet er aus ihrer Liebe nicht einen Rachedämon werden zu lassen, im Interesse Corinnas, denn sonst sähe sie Corinna bald mit ihrem Vater und der Jüngeren in den Urlaub fahren. Beim Sorgerecht müssten die Väter einfach mehr zurückstecken, so seine Überzeugung. Corinna habe ihm eine Friedenstaube geschenkt.

Selbstverletzungen

Lara(13) zeigt Schulte-Markwort bei der ersten Sitzung triumphierend ihre Narben, sie war voher 1 1/2 Jahre in der Kinderpsychiatrie, wo sie aus Verzweiflung der Therapeuten entlassen wurde.Lara trägt eine schwarze verschlissene Hose, ein Oberteil mit einem Totenkopf darauf, sie hat ein Nasenpiercing und strahlt auch ohne etwa zu sagen eine unheimliche Aggression aus. Sie ist unverschämt und unverschämt schlagfertig. An dem Gespräch mit ihr zeigt der Kinderpsychotherapeut wie er arbeitet. Er bleibt erst einmal defensiv. Als er sie nur anschaut meint sie: “Schaun sie mich bloß nicht so salbungsvoll an.” Danach erzählt sie wie scheiße die Therapeuten gewesen wären und auch über ihre Mutter. Schulte-Markwort übersetzt, dass was seiner Meinung nach die Seele Lara´s eigentlich sagen wollte: ” Ich habe ein tiefes Bedürfnis nach Liebe, aber dafür ist meine Mutter die Falsche.” Durch das Zuhören ohne maßzuregeln, erklärt er, hat er nach und nach eine Eintrittskarte in Laras Seele bekommen. Sie maile ihm regelmäßig um vier Uhr nachts stoned vom Kiez, so könne sie Abstand zu der Situation gewinnen um sich da selber rauszuziehen. Solche Vertrauensverhältnisse seien gold wert, auch wenn Lara die mittlerweile 20 sei bestimmt noch fünf Jahre zu ihm kommen müsse. “Man muss sich an die seelische Form der Kinder anschmiegen”, meint er. Zum Abschluss rief er die Eltern dazu auf sich ein Bild von sich selbst zu machen um ihren Kindern  die Zukunft vorleben zu können. Man dürfe sich nich abschrecken lassen von defizitorientierten Kinderbildern,sondern müsse den Kindern in Freiheit, Toleranz und gegenseitiger Neugier begegnen. Die Seelenlandschaften der Kinder seien voller Reichtum, wenn man sich an die eigene Kindheit erinnerne, lerne man ihnen zu begegnen, dann gebe es kein Defizit. Das Buch “Kindersorgen”, sei als”psychiatisches Lehrbuch” für Eltern verfasst so der engagierte Kindertherapeut. Es macht in seiner “Anschmiegsamkeit an Kinder- und Elternseelen und in seinem Anschauungsunterricht für das Dolmetschen zwischen den Parteien Lust gelesen zu werden.

Das Buch Kindersorgen Was unsere Kinder belastet und wie wir ihnen helfen können ist für 20 Euro bei Droemer zu haben

Ab 02.05 erscheint ebenfalls eine Taschenbuchausgabe für 9,99 Euro

 

 

 

 

 

Nie wieder Krieg? – Rezension: Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt

dsc004901.jpg
Über 30 Jahre nach seinem ersten Versuch die krankende Sowjetunion durch Perestroika(Umgestaltung)  zu retten, ruft  er nun  unter dem gleichen Schlagwort zu einer Demilitarisierung der Weltpolitik und einer Bindung des Völkerrechts an universelle Menschheitswerte auf

 

Von der Nachricht Ende Februar 2018 erschüttert, dass Deutschland den Standort Ulm für ein neues Hauptqaurtier der NATO als Teil einer Antwort auf die “als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands” erwäge, habe ich nach Jahren wieder einmal zum Thema Weltpolitik recherchiert. Auf der Suche nach einer kurzen Schrift, welche eine Diskussionsbasis zur Meinungsbildung sein könnte wurde ich fündig. Der Journalist und Buchautor Franz Alt hat 2017 einen Interviewband mit dem russischen Politiker und Buchautor Michail Gorbatschow herausgebracht. In dem Interview über die Entwicklung der globalisierten Welt zu Beginn des 21.Jahrhundert sagt Michail Gorbatschow: „Diejenigen, die den „Sieg des Westens im Kalten Krieg“ erklärten und sich weigerten, ein neues, gleichberechtigtes Sicherheitssystem aufzubauen, tragen einen großen Teil der Verantwortung für die heutige Lage.Siegesrausch ist ein schlechter Ratgeber und in internationalen Angelegenheiten erst recht.“Ein anderes Problem der Welt nach dem „Kalten Krieg“ sei, dass sich die Politiker vor lauter Tagesgeschäft noch gar nicht mit der neuen Situation auseinandergesetzt hätten. Anders beispielsweise als die „Urheber undurchsichtiger Finanzstrukturen“, die sich schnell an die globalisierte Lage angepasst hätten und von ihr profitierten.Auch Waffenhändler, Schleuserbanden und Cyber-Kriminelle sowie Terroristen fühlten sich in der neuen globalisierten Welt wohl.Wettrüsten, Umweltkrise, und die Kluft zwischen armen und reichen Ländern würden immer größer und die Schere zwischen Arm und Reich innerhalb der Länder öffne sich zusehens. Die UN-Organisationen und leider auch die noch nicht allzu alten G-20 würden den Problemen hinterher rennen.All das seien Aspekte einer umfassenden Krise politischer Führung. Die Berufspolitiker seien voll und ganz mit „Löscharbeiten“, dem Tagesgeschäft aktueller Krisen und Konflikte beschäftigt.

Neuer Nationalismus und/oder Neues Denken?

Der neue Nationalismus blühe, doch ohne den globalen Kontext zu kennen sei es nicht möglich Mittel und Wege zur Lösung von internationalen Konflikten zu finden.Gorbatschow, der eine Stiftung gegründet hat und Anteile an der unabhängige Zeitung „Nowaja Gaseta“ hält hat sowohl als Praktiker am Steuer der kriselnden Sowjetunion als auch als Theoretiker in vielen Büchern bewiesen, dass er die politische Welt verstanden hat. Sein 1987 als Gesprächsangebot der Sowjetunion an die Bürger der Welt erschienenes Buch „Perestroika“ Die zweite russische Revolution Eine neue Politik für Europa und die Welt“ ist wohl das wirkmächtigste Beispiel.Hier zeichnet er bereits sein „Neues Denken“ und Ansätze zu einer Agenda, die sich existentieller Probleme der Weltgemeinschaft stellt vor.

DSC09461
Ist eine Demilitarsierung der Weltpolitik nicht ein frommer Wunsch und ganz gegen die Natur des Menschen? Wäre eine Armee von Staatsbürgern in Uniform nicht genug. Ist eine Berufsarmee der richtige Rahmen für eine bürgernahe Armee? Dem Werbeslogan an einer deutschen Kaserne nach verteidigt die Bundeswehr die Grundsätze der Aufklärung.

Beendete die Perestroika den Kalten Krieg?

Im Anhang des Buches kann man auch Widerstände der Perestroika wie Eigeninteressen von Funktionären und die morsche Arbeitsmoral in der Vollbeschäftigung garantierenden Misswirtschaft der UdSSR die der Parteitag 1987 berichtete nachlesen. Auch der Begriff das „gemeinsame Haus Europa“, taucht in dieser Deklaration schon auf. Sie ist noch heute mit Gewinn zu lesen und zeigt auf 400 Seiten auf was Glasnost(Transparenz und Meinungsfreiheit) und Perestroika(Umgestaltung) genau bedeuten. Dieses umfangreichere und mit den Stagnationserfahrungen der Sowjetunion seit Mitte der 70er Jahre angereicherte Buch ist deshalb so ertragreich,weil Gorbatschow heute eine globale Perestroika und eine erneute Abrüstungspolitik fordert.

EU- und NATO-Osterweiterungen als Provokation für Russland

DSC00380
Aus christlicher Perspektive bieten das Gebot der Nächstenliebe und die Bergpredigtethik der Feindesliebe gut Argumente für ein “Politik der Gewaltfreiheit”

Das Russell-Einstein-Manifest, Olaf Palmes Idee der Gemeinsamen Sicherheit, John Kennedys Rede über „Frieden für alle“, sind, so Gorbatschow theoretische Versatzstücke des neuen Denkens, welche aus der Erfahrung der atomaren Bedrohung im Kalten Krieg entstanden seien. Praktische Versatzstücke seien die gemeinsame Genfer Erklärung der UdSSR und der USA von 1985 und das spätere START-Abkommen in dem USA und SU die Einstellung des atomaren Wettrüstens sowie die Vernichtung aller Atomwaffen beschlossen haben. Ein beeindruckendes Ergebnis „Dank der START-Abkommens und den Taten die auf es folgten sind bis zum heutigen Tag über 80 Prozent der damaligen Atomwaffenbestände vernichtet worden.“ Trotzdem ist Gorbatschow das noch zu wenig, er sagt klipp und klar:„Solange es Atomwaffen gibt, bleibt die Gefahr bestehen,dass sie zum Einsatz kommen.“ (…)Deshalb müssen wir das Ziel, die Atomwaffen zu verbieten und zu vernichten, mit Nachdruck weiterverfolgen.Das ist unsere Pflicht.“ Nach dem 1987 in Washington unterzeichneten Vertrag zur Abrüstung aller Atomwaffen, setzt Gorbatschow mit der Ankündigung des Abzugs russischer Truppen aus Afghanistan ein weiteres Zeichen des Neuen Denkens. Das der neue internationale Terrorismus ebenfalls in Afghanistan seinen Ursprung fand scheint kein Zufall zu sein. Das die NATO ,als westliches Verteidigungsbündnis, sich nach dem Niedergang der UdSSR 1991 nicht aufgelöst hat und sich gegen die Zusagen des amerikanischen Außenministers James Baker an Gorbatschow bald genau wie die EU nach Osten zu den Ex-Sowjetrepubliken ausweitete sei ein Problem, welches jetzt in der Ukrainekrise ausufere.

Für eine Ächtung von Gewalt als Mittel politischer Konflikte

Gorbatschow appelliert heute wie gestern an die Vernunft der Politiker. Seit der Atombombe und Tschernobyl sei die Ächtung der Atomkraft vorangeschritten, heute da man seit 50 Jahren um die Vernichtungskraft der Atombombe wisse, müssten die Leute auch die Militarisierung der Gesellschaft und der Gewalt als Lösung für Konflikte ächten. Dazu gehöre auch jegliche Möglichkeit für Staaten zu unterbinden Bewegungen, extremistische Gruppierungen und Terroristen aus einem nationalistischen Interesse heraus zu unterstützen. Es müsse geächtet werden auf diese Art und Weise legitime politische Regime zu stürzen. Gorbatschow versteht es hier Dinge gerade so allgemein zu formulieren, dass doch klar wird, wen er konkret meint, aber auch das diese Regel Teil eines umfassenden Neuen Denkens ist in dem Politik und Ethik, Kooperation und Aushandlungsprozesse miteinander verschmelzen. Er fordert Filterblasendenken, Feindbilder und Emotionen hinter sich zu lassen und behauptet, dass es die starke Stimme der Friedensbewegung in den 80ern war, die sich in der Kooperation in der Abrüstungspolitik der beiden Blöcke niederschlug. Heute in einer Welt wo die bipolare Ordnung längst zu einer multipolaren geworden ist und auch alte Positionierungsbegriffe wie links und rechts immer weniger trennscharf sind hat es die Friedensbewegung schwer. Weiter appelliert der 85-Jährige wie schon 1987 an die Werte von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wieder werden seine Forderungen wohl auf den Widerstand von Profiteuren der heutigen Ordnung, wie auch auf die eingeschliffenen Gewohnheiten der Menschen prallen.

DSC00491
Die “Zeit” schrieb 1987 über das Werk des damaligen Generalsekretärs der KPDSU “In jedem Fall öffnet Gorbatschow in diesem Buch…politische Perspektiven, auf die der Westen eingehen sollte.”

Schlechte Zeiten, Gute Zeiten für Umgestaltung?

Russland steckt gerade wieder in einer wirtschaftlichen Stagnation, die Bürgerrechte werden eingeschränkt, man setzt auf starke Männer anstatt auf Kooperation.Die Europäische Union ist durch die Schuldenkrise und den deutschen Alleingang der unkontrollierten Grenzöffnungen für Flüchtlinge geschwächt, sowohl was den Zusammenhalt betrifft als auch die Legitimation von Regierungshandeln betrifft. 1996 fünf Jahre nach dem Putsch reformfeindlicher Kräfte mit Hilfe des KGB erhält Gorbatschow nur noch 0,5 % der Stimmen bei der russischen Präsidentschaftswahl, andererseits erhält er im gleichen Jahr den „Preis für planetarisches Bewusstsein“ des „Club of Rome.“„Der Versuch, den Segen der Demokratie mit Waffengewalt aufzuzwingen, löste und löst eine abstoßende Reaktion aus“, kommentiert er Gewalt auch aus der vermeintlich progressiven Antrieben.Es gebe für das 21.Jahrhundert zwei Szenarien, sagt er wieder bipolar: „Das 21. Jahrhundert wird entweder ein Jahrhundert der totalen Zuspitzung einer todbringenden Krise oder ein Jahrhundert der moralischen Reinigung und der geistigen Genesung der Menschheit, ihrer allumfassenden Renaissance.“Viele Deutsche meinen die Integration von 1,3 Millionen Flüchtlingen sei ein Teil der Renaissanceder Menschheit, welche die Solidarität mit Menschen in Notlagen über die durch Landesgrenzen und Ausweise markierten nationalen Verteidigungswälle stellt. Andere Deutsche fürchten sich aber vor einer Überlastung der Sozialsysteme und haben Angst vor dem patriarchal dominierten Islam. Der Golfkrieg 2003 wurde von einer Mehrheit der Deutschen abgelehnt. Die Perestroika war eine von Oben angeordnete Demokratisierung und Ökonomisierung der sowjetischen Planwirtschaft, sie scheiterte am Willen derer, die ihre Macht von ihr bedroht sahen und derer die den größten Teil des zerfallenden Riesen Sowjetunion für sich haben wollten. Wie Glasnost und Perestroika in Deutschland aussehen könnten vermag Gorbatschow in dem Interview nicht zu umreißen.Wie damals in der Sowjetunion war es aber die Krise, welche es dem Land bescherte, seine Grundsätze und Werte neu zu bestimmen und besser zu verstehen.DSC00347

 

Wer die Folgen der Perestroika auch gerne im heutigen Russland aufspüren will dem sei folgendes Buch empfohlen:

Gorbatschow, Michail: Das neue Russland. Der Umbruch und das System Putin

Quellen:

Alt, Franz(2017): Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt Kommt endlich zur Vernunft- NIE WIEDER KRIEG

Gorbatschow,Michail(1987): Perestroika Die zweite Russische Revolution Eine neue Politik für Europa und die Welt

Vom Mahlstrom der Gedanken zur Quelle der Stille

DSC00332Die Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes e.V in Ulm eröffnet die Einführungskurse in ihren Weg und ihre Lehre immer mit einem öffentlichen Vortrag. Gestern ging es in dem auffällig sauber und hell erscheinenden Vortragsraum in der Karlstraße um „Die Kraft der Stille.“

Die Gastrednerin Frau Martin-Miocic aus Freiburg eröffnete den Vortrag mit einem Gedicht des Meisters der empfindsamen Dichtung Rainer Maria Rilke „Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.“Dieses Gedicht, welches ferner vom „Geräusch der Sinne“ als Hinderungsgrund für das Still- Werden spricht umreiße die Bedingungen der Stille, so Miocic. Nämlich erstens, dass der „unaufhörliche Mahlstrom der Gedanken in uns seinen zwingenden Einfluss“ verliere. Und zweitens, dass sich in dieser Gedankenstille ein Raum öffne um die Wirklichkeit so zu sehen wie sie sei. Frei nämlich von Anhaftungen an Emotionen, Gedanken an Schönes. Auf der anderen Seite aber auch frei von Abneigungen gegen Schlechtes gegenüber negativen Emotionen und Hässlichem.Die Herausforderung sei im praktischen Leben, dass sich die Stille nicht von selbst erschließe sondern „ertastet“ und „erarbeitet“ werden wolle, so Martin-Miocic. Äußere Stille sei zwar zunächst und zumeist die Bedingung für innere Stille, die innere Stille stelle sich aber nicht gleich beim Ausschalten der Stereoanlage ein. Vielmehr, so verdeutlichte die Vortragende in gewählten und deutlichen Worten, sei die „Stille ein Raum, eine Instanz, eine Dimension“, welche die voreingenommene Weltanschauung als Ganzes erneuere. Sie zeigte dann anhand von Zitaten auf, dass die Stille in früheren Weisheitsschulen, und das Rosenkreuz sieht sich als aktuelle Weisheitsschule, als Pforte zur Einweihung galt. So heiße es etwa bei dem Sufimeister Rumi: „Ganz im Geheimen sprachen der Weise und ich. Ich bat ihn: Nenne mir die Geheimnisse der Welt. Er sprach: Schweig… und lass dir von der Stille die Geheimnisse der Welt erzählen.“„…wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen“ deutet Rilke im vierten Vers seines Stille-Gedichtes, das Hindernis auf dem Weg zur Stille an: es ist die eigene Wahrnehmungs- Denkungs- und Empfindungsweise.

DSC00333

Die Stille als Sehnsuchtsort der Gottessucher

Die Stille sei eine „geistige Energie, ein Licht, ein Klang“, so Miocic weiter und diese geistige Kraft suche Kontakt zum Inneren des Menschen. Dabei gehe es um die Fähigkeit mit dieser Frequenz zu schwingen. Resonare bedeute zurücktönen, zurückschwingen, antworten.Die Methode dazu sei es leeren Raum zu schaffen in dem der Urklang dann erklingen kann. Wenn man dieses Räsonieren vermöge spüre man immer deutlicher das das innerste Wesen nicht zur Welt gehöre, sondern zum Absoluten, zum Ozean des Seins. Dann sei die Stille des Herzens zur Brücke des Ewigen geworden. Und das ewige, unerschütterliche und über allem ruhende Prinzip, sei die Quelle nach der es den Gottesucher dürste. Hier endete der Vortrag.

Es geht darum alles lieb zu haben

Im nachfolgenden Stuhlkreis fasste ein Diskutant den Inhalt des Vortrages noch einmal zusammen. Stille heiße Neutralität, in stiller Beobachtung hafte man nicht mehr am Schönen an und lehne das Hässliche nicht mehr ab, vielmehr lasse man beides sein und könne so beides als Teile eines tieferliegenden stillen Ganzen liebhaben.Viele schöne Beispiele aus den reichen Erfahrungsschätzen der Anwesenden wurden nun auf bereichernde Weise ausgetauscht. In dem Roman „Momo“ gebe es zum Beispiel eine Stelle wo Momo erst weiter komme als sie aufhöre den Strom steuern zu wollen, sie sich ihm also ganz hingebe. Auch sei die Stille wie ein leeres Blatt, welches einem jeden Morgen bei Erwachen geschenkt werde. Eine unberührte Reinheit, die zugleich ein Geburtenschoß für alle möglichen Manifestationen sei. Die Stille sei ebenso die Warte in der Selbstanalyse möglich werde, man könne in ihr ohne Wertungen neben sich treten und ansehen was sei.Ein Mann im roten Pulli sagte Stille könne man nur in Abgeschiedenheit erfahren, weil einen in der Welt zu viele Reize davon abzögen. Ein anderer Zuhörer knüpfte daran an. „Die Stille habe früher sicher viel mit Rückzug zu tun gehabt, heute dürften wir aber selbstbestimmt handeln. Die Stille sei in allen Tönen der Hintergrund, er übersetze sie gerne als Frieden, deshalb könne und solle man der Stille gerade auch im Getöse der Welt eine Stimme verleihen. Aber, und das sei grundlegend, so argumentierte er mit einem Zitat einer Großmeisterin der Rosenkreuzer: „Man kann kein Rosenwasser in eine Heringsdose füllen.“ Ähnlich wie beim achtfachen Pfad des Buddha bedürfe es auch auf dem rosenkreuzerischen Pfad einer umfassenden Reinigung von Gedanken, Gefühls- und Willensleben, welche eine Lebensaufgabe sei.

DSC09594

Wer mehr über Lehre und Weg der Rosenkreuzer im Raum Ulm erfahren will hat in nächster Zeit zwei Möglichkeiten:

Am Dienstag 10.04.2018 beginnt im Vortragsraum in Ulm in der Karlstraße 37 um 20 Uhr der vierwöchige Einführungskurs: Die ewige Weisheitslehre Der Weg der Rosenkreuzer heute

Am Mittwoch 18.04.2018 um 20 Uhr gibt es an selber Stelle ein weiteren rosenkreuzerischen Vortrag zum Thema: Das Ulmer Lilienfries- sein Geheimnis- seine Botschaft

Bei Kurs wie Vortrag ist der Eintritt frei, Parkplätze sind vorhanden

Ein Vorbild spricht

DSC00347„Wir leben auf einem Planeten, und wir sind eine Menschheit.Es gibt zwei Wege zu dieser Einsicht zu gelangen und entsprechend zu handeln- entweder durch Vernunft oder durch die Angst vor einer unvermeidlichen Katastrophe, wenn die Menschheit tatsächlich am Abgrund steht. Geht man den zweiten Weg, so läuft man Gefahr, es im allerletzten Moment doch nicht mehr zu schaffen, zurückzutreten. Ich glaube fest daran, dass meine Mitbewohner des Planeten Erde genug Kraft aufbringen werden, sich für den ersten Weg zu entscheiden.”

Michael Gorbatschow in “Ein Appell von Michael Gorbatschow an die Welt

Kommt endlich zur Vernunft – NIE WIEDER KRIEG”  –   Rezension folgt

Gottesdienstformen: Osternachtsgottesdienst in der Klosterkirche zu Blaubeuren

DSC00410

Es ist 4.55 Uhr, durch den Eingang des Klosters in Blaubeuren bin ich dessen Kreuzgang gelangt, neben mir tut sich ein düsterer Eingang auf, nach hundert Metern ein weiter, wo muss ich hin? Ich folge einem Mann, plötzlich biegt dieser in den nächsten dunklen Eingang ein. Ich höre denn starken Hall des Raumes, nach und nach zeichnen sich Silhouetten von Menschen ab, die in aufwändig geschnitzten thronartigen Stühlen sitzen. Es ist kalt, und ich spüre die Kälte, als ich mich setze langsam meinen Körper durchsuchen. Während ich versuche rauszufinden, wo die roten Decken sind, die meine Gegenüber sich um den Unterleib gewickelt haben hebt eine Stimme an, deren Licht es etwas heller macht :

“Wir kommen aus der Nacht. Es ist die Nacht, in der Jesus verraten wurde, gefangen genommen, verhöhnt, gefoltert, verspottet. Es ist die Finsternis, die hereinbrach in der Todesstunde Jesu, als er am Kreuz hing und schrie: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Als ich merke, dass es keine freien Decken mehr gibt entscheide ich mich meine Jacke auszuziehen um wenigstens einen warmen Hintern zu haben. ” Es ist die Nacht der Verzweiflung.Frauen und Männer, die Jesus nahestanden, mussten ihn zu Grabe tragen.Es ist die Nacht, in der alle Hoffnungen begraben sind, lähmendes Entsetzen sich breit macht. Es ist die Dunkelheit, in der uns das Angesicht Gottes verhüllt erscheint. Und niemand ist da, der uns tröstet.Es ist die Nacht, die uns den Lebensmut nimmt, die Nacht in der wir gewahr werden, dass wir sterben müssen.”

Dann kehrt wieder Stille ein. Obwohl das evangelische Jugendwerk und die Kantorei Blaubeuren die Liturgie seit 25 Jahren zelebrieren, spürt man keine Differenz zwischen dem uralten Klosterchorgestühl und dem Geist den die langsam entzündeten Lichter, die Texte und die kontemplativen “Besitzer” des Chorgestühls in die sich gemessen erhellende Dunkelheit verströmen.Nun beginnt die “Lichtfeier” die selbe Männerstimme erinnert nun an die erste Schöpfung auftsteigend aus dem “Dunkel des Grabes.”

Dann zitiert eine Frauenstimme die ersten Worte der Bibel, den Schöpfungsbericht aus 1.Mose 1. Der Schlüsselsatz nach der Beschreibung der schier unerträglichen Gottesferne durch die männliche Stimme war: “Und Gott sprach es werde Licht.” Nach dem Gott Finsternis von Licht geschieden hatte, sangen die mit einen Textblatt versorgten Beigwohnenden das den Herrn heiligende “Kyrie Eleison”. Nach abermaliger Stille verlaß eine Frauenstimme nun das Gebet eines zwischen Finsternis und Licht befindlichen, nämlich des Kirchenvaters Augustinus. Seine inniges Gebet an die Wahrheit kulminierte einem Beschluss und einer Bitte: “Nicht ich will mein Leben sein; böse habe ich gelebt aus mir und bin mir selbst zum Tode geworden.Nun aber lebe ich auf in dir. Sprich zu mir, rede du zu mir.” Nach dieser Entscheidung schien das Mysterion des Osterlichtes schon etwas stärker in den kalten alten hohen Saal.

DSC00419

“Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages.

Die Mitte der Not ist der Anfang des Lichtes.”

So verlautete es in den ersten Versen in  hoffnungsfroher Kongruenz mit der äußeren Situation.

“Dies ist die Nacht in der Christus von den Toten erstand.

In dieser Nacht wandte er unser Geschick.”

So stellten die letzten Verse die weltheilsgeschichtliche Dimension dieser Geistgesetzlichkeit verbunden mit dem Licht Jesu Christi heraus.

Auf diese vom demütigen Menschen im Hier und Heute ausagierte Wende der Weltgeschichte folgte ein österlicher Lobgesang.

In der ausgeklügelten Liturgie wurde nun durch die Lesung im zweiten Mose, die Verbindung zwischen dem Volk Israel und seiner Befreiung aus der Gefangenschaft der Ägypter, welche die Israeliten mit dem Passah-Fest feierten mit der Erlösung durch Jesu Selbstopfer, gefeiert durch das Abendmahl angedeutet.

Mit dem  historischen Dokument, dem gemeinsamen Gesang von “Laudate omnes gentes”, den Osterlichtern und dem enthusiastischen Lobpreis des Psalmes 30 waren der geistige, der seelische und der körperliche Boden für die Osterbotschaft gelegt.DSC00415

Glanzvoll erhob sich nun Gebet und Lied für den Auferstandenen. “Dein neues Leben, Christ strahle über uns wie die Sonne am Morgen.(…)Mach die Finsternis unserer Herzen hell! Schaffe uns zu deinem Ebenbild! In deinem Licht sehen wir das Licht! Amen.”

Auf diese Huldigung folgte nun der die biblische Erzählung vom Emmausgang(Luk 24, 25-35), auf dem seine Jünger den auferstandenen Jesus zunächst nicht erkannten und Jesus erst durch das Brechen des Brotes am nächsten Tag durch seine Jünger erkannt wurde. Im Kapitesaal, wo einst die Benediktinermönche sich mit einem Kapitel aus ihrer Ordensregel beginnend versammelten fand man sich zum singenden Pilgerschritt. Jeder fasste den Vordermann an der rechten Schulter und dann erfuhr man rhythmische Gemeinschaft im Takt von drei Schritt vor und einen zurück.

Um ein  Kreuz aus lichtern herum saß man nun, noch immer nicht an die Kälte gewohnt und hörte den wundervollen alles nocheinmal rekapitulierenden Segen eines unvergesslichen Ostermorgenrituals:

Der Gott der Hoffnung erfülle uns mit Freude und Frieden,

die Liebe des Gekreuzigten,

die Macht des Auferstandenen

und die Gegenwart des lebendigen Herren

sei mit uns allezeit

Amen

DSC00418

 

 

 

 

 

Gottesdienstformen: Das unangetastete Abendmahl

DSC00392Rund 120 “Zeugen Jehovas” und Gäste versammelten sich am Samstag den 31.03.2018 zur alljährlichen “Feier des Todes Jesu” im Königreichssaal in Laichingen. Auf der ganzen Welt, so eröffnete der Sprecher, seien heute in 120000 Versammlungen 12000000 Millionen Menschen in Königreichssälen zu dieser Feierlichkeit versammelt. Die zwei Publikumsmikrofone von gestern waren nun 5 Weingläsern und  5 Tellern mit Broten gewichen. Und alle “Unwissenden” waren gespannt auf das besondere Abendmahlritual der Zeugen Jehovas. Eines hatte sich nicht verändert, alle “Zeugen” hatten in irgendeiner Form ihre Bibeln dabei und wurden bei jedem der zahlreichen Bibelzitate zum Mitlesen aufgefordert. Das erste Gebet, ein Dankesgebet, hob sich durch den Fokus auf Jehovas Leiden bei der Opferung Jesu ab, anstatt des üblichen Fokus auf den Dank für das Leiden, welches Jesus in der Karwoche auf sich genommen hatte. Dann begann Bruder Florian Schwanzara das Abendmahlsritual mit der Bibel herzuleiten. Erst las er Lukas 22,19 und 20 wo Jesus die zwölf Jünger auffordert Wein und Brot zu seinem Gedächtnis zu essen, nach dem Beispiel dieses letzten Abendmahles.DSC00397 Dann belegte er mit Römer 5,12, dass “durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist” und mit Römer 5,19, dass durch “die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen[sei], die zum Leben führt.” Jesus sei aber mit Hebräer 2.9 “durch die Leiden des Todes “gekrönt mit Preis und Ehre.” ” Ruhig und einfühlsam, wie einer der das Leid das er beschreibt nachgefühlt hat betonte Schwanzara “Jehova zahlte den Höchstpreis seines Sohnes, weil er die Menschen liebt.” Dann wurde er wieder bibelwissenschaftlich und wieß auf die 144000 hin, von denen wohl die meisten die “Zeugen Jehovas” kennen. Offenbarung 14,1 berichte von der Vision des Propheten Johannes, in der er Einblick in den Himmel bekommen habe. Die 144000, so berichtet der Vers, standen mit dem “Lamm” auf dem “Berg Zion” und “hatten seinen Namen und den Namen seines Vaters geschrieben auf ihrer Stirn.” Daraus leitete er ohne weiter Bibelbelege ab, dass die 144000 eine besondere Beziehung zu Gott hätten, nur sie hätten eine himmlische Hoffnung. Und nur sie seien befugt vom Brot und vom Wein zu nehmen. Die 144000 spürten intuitiv, dass sie dazugehörten.

Irdische und himmlische Paradieseshoffnung

Gott habe aber nicht nur die himmlische Paradieseshoffnung verkündet, sondern auch eine Irdische. Man solle sich beispielsweise vorstellenwie es wäre, wenn Jesaja 65, 25 einträte: nämlich das alle wilden Tiere gezähmt wären,  oder Jesaya 23, dass niemand mehr von Arbeitgebern ausgebeutet würde. Die genaue Stelle wo steht, dass dies Aussichten auf den Himmel auf Erden sind lieferte er nicht. Jesaja 65,17, spricht zumindest von einem neuen Himmel und einer neuen Erde. Der Vater des Prediger,Heinrich Schwanzara,  sprach nun zum Beginn des Rituales das Gebet für das Brot.

DSC00404
Die “Zeugen Jehovas” verwenden unverschnittenen ungewürzten Wein und ungesäuertes Brot für ihre “Gedenkfeier an den Tod Jesu”. Sie lehnen die magische Transsubstantion der “Symbole” ab. Wie das Wort schon sagt sehen sie die Speisen nur als Symbole um sich an Jesu und Jehovas Opfer zu erinnern.Sie lehnen auch den heilsamen Charakter des Abendmahles ab, da nur der Glaube an Jesu nicht aber Rituale heilsam seien.

Währenddessen, reichten “Schüler” wie Gäste das ungesäuerte Brot umher, ohne es anzutasten. Florian Schwanzara hatte schon angedeutet, dass unter den Anwesenden vielleicht gar keiner aus der “kleinen Herde” der 144000 sein würde. Ein kleines schrie laut und lang und auch meine Hand zuckte etwas bei dem Anblick des knusprigen Brotes. Und mein Geist schwankte zwischen “Unser tägliches Brot gib uns heute.” und  “(…)führe uns nicht in Versuchung(…). Als das Brot von den nicht jungfräulichen unangestastet zurück zur Stelle wo sonst die Mikrofone liegen gewandert war, stimmte Manuel Melone das demütige Gebet für den Wein an.Darin bittete er für die “Gesalbten”, dass sie “treu” bleiben sollten. Und nun wanderte der Wein durch die Gemeinde und auch der Versuchung sich mit diesem “Lieblingsgetränk Jesu?” zu stärken widerstanden alle. Zum Abschluss wurde wieder mit der Bibel belegt, dass man sich im Namen Gottes regelmäßig versammeln solle, alle, insbesondere die Gäste seien dazu herzlich eingeladen. Auch gebe es kostenlose Bibelkurse von den “eifrigen Bibelforschen.”

Wer diesem Angebot nachkommen will kann jeden Sonntag um 9.30 Uhr zu der Zusammenkunft der “Zeugen” im Königreichssaal in der Gartenstraße 22 dazustoßen.Wenn ihr wo anders wohnt gibt es Infos zum nächsten Königreichssaal in eurer Nähe unter JW.org