Aus den Stuben ins Vergnügen

Sontheim lag sich bei Herz-Ass in den Armen

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Pure Präsenz am Gesang dank Stefan(zweiter von links) und gute Koordination dank dem musikalischen Kopf der Band Angelo(erster von links). Helmut(dritter von links) machte die Animation und AnsageGib eine Beschriftung ein

Seit Tagen hatten die fleißigen Musiker und Musikerinnen von Musikverein Sontheim schon gespült, gebacken, das Zelt hochgezogen und bestuhlt. Zum Neunzigsten Geburtstag hat der Verein, sein sonst am Samstag beginnendes Fest schon am Freitag beginnen lassen. “Herz-Ass” sieben pfundige Kerle, davon 5 Solo-Sänger und alle spielen sie mehrere Instrumente. Am Anfang hatten es die “Volksrock´n´Roller” durch wenige Gäste bedingt schwer. Aber Helmut das rotsockige Animationswunder  und seine Mannen aus Günzburg, holte nun den “gigageilen” Andreas Gabalier ins Zelt. Und wenn ein Volks´s Rock´n´Roller und ein Dorfkind sich auf Bierbänken treffen, dann ist “Was kann´s schönres schönres geben als auf dem Land zu leben?” nur noch eine rhetorische Frage. Durch die heißgeliebte Musik und den eisgekühlten Gerstensaft bildeten sich nun unter Spannung stehende Dirdl-  und Hästrägertrauben. Diese ersten Zellen der Ausgelassenheit waren allerdings noch eine durstige Weile lang unverbunden im Zelt verteilt. Das für alle etwas dabei ist und das Leute, die früher gehen wollten wegen der Gaudi bleiben ist der Anspruch von Herz Ass. Und bei Wolgang Petry´ heißkaltem Beziehungsdrama “Wahnsinn” und zahlreichen anderern Liedern sangen auch die Junggebliebenen  schon vor Mitternacht ausgelassen mit.

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Über fünf Stunden Livemusik

Nach der Pause spielten Herz-Ass gestärkt mit “Eye of the Tiger” auf, das sie in einem innovativen Mix in “Mein Tiroler Land” übergehen ließen. Dabei hatten die Jungen und auch so manche nicht ganz “krachledernen” Alten beim Mitsingen Probleme. Trotzdem war es hohe Luft, die da ins Zelt blies. Der Vielautofahrer Helmut überlegt sich seine spritzigen Einlagen und witzigen Zwischenbemerkungen auf der Fahrt. Und die Musiker  die nächstes Jahr 25. Jubiläum feien hatten jetzt Fahrt aufgenommen und das spürte man auch im Zelt, das sich jetzt gegen halb elf auch etwas füllte. Beim oftmaligen Prosit-Ritual krachten die Krüge und der Trompeter, als einiger Profimusiker in der Hobbykombo, besorgte es dem Publikum mit hochfahrenden und von Gipfelerlebnissen bewegten Soli. Die nächste Stufe der Partyrakete zündete aber wieder ein Liad von Gabalier. In  “I sing a Liad für di” geht es um den Moment in dem man sich in ein anmutiges Augenpaar verguckt und das uralte Spiel welches mutigen Falls dadurch in Gang gesetzt wird. Helmut meint Gabalier, sei nicht nur geil, er sei unbandig geil. Wie auch immer, der  gut gebaute Posaunen-Hüne Stefan  als Gabalierinterpret hatte auch seinen Charme.” “In die leuchtenden Augn”, verstand er eini zu schaun denn “Malle ist nur einmal im Jahr…”. Der rothaarige Trachtenträger Markus fällte als Ennabeurer ein Salomonisches Urteil über die Party: “In Sontheim ist es gut, in Ennabeuren ist es geil.”Josephine Zinn aus Sontheim und ihr Freund Florian Meixner fanden die Party super. Gut mitgemacht haben auch Tanja und Markus, sie fanden es gut und wollen morgen dazu beitragen, dass das Konzert zu einem Fest wird.

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Die Schönheit glänzte von den Bänken herab

 

Die Choreographie der Entgrenzung

Auch wenn ein ortsansässiger Bargänger für seine Generation meinte: “Die Sontheimer sind keine Feierochsen, sondern Stubenhocker, diese Lutherischen hindert es daran herzukommen das es Eintritt kostet.” Ausdauernd, enthusiastisch,einladend und konzertierend gab die Band alles. Helmut leitete  Körperchoreographien, die im Bobfahren in sieben Reihen auf dem Asphalt vor der Bühne mündeten. Weil soll das erst werden wenn morgen ab 18.30 Uhr das Römersteintreffen mit acht Kapellen anhebt, die Polizisten am Dorf hatten zumindest alle ein Bier in der Hand. Nach dem Bobfahren waren sich wieder Fremde näher gekommen. Und es war fast eins. Manche träumten vom Bett in Elisabeth, manche vom Bett im Kornfeld und manche vom Bett im Elternhaus. Dann aber, auch wenn man sich losreißen wollte, kam man als Volx-Rock ´n´Roller nicht mehr weg. Grund: Die rockige dritte Stufe der Partyrakete war von den “bösen Buben” auf der Bühne gezündet worden.Leider forderten die zu tiefen Blicke in so manche scheue Augenbläue jetzt ihren Tribut.”Was ich will bist du”, tönte es da animierend,nur wenige dachten dabei an Gott. Jetzt strömten die Leute auf die Tanzfläche, die Pärchen, haben sich gegenseitig in die Lüfte, Flaschen stürzten, Schuhe flogen, Leute posten vor der Kamera. Aus Bier wurde Sekt. Alle sangen und hüpften zum Liebenslied “Ich wollte dir nur mal wieder sagen, dass du das Größte für mich bist.” Nach eins ertönte auch für die beachtliche Anzahl dagebliebener Mütter “Verdammt ich lieb dich” von Matthias Reim. Und von den Alpen zog es die wachsende Sehnsucht an die Nordsee. Die besten Lieder hatten die Musiker, die sich  längst taff ins Herz des jubilierenden Sontheims gespielt hatten auch noch zu unwahrscheinlichen Zeiten im Köcher. Das “Hodi odi o di ho di e” von der Bühne, echote zum zweiten und dritten mal bald in einem Massenchor. “Happy hour mitten in der Nacht,sexy, alles tanz, alles lacht…” Heftige aber immer liebevolle Kabbeleien, “völlig losgelöst”,  oder völlig verbunden endet die lange Sommernacht glücklich: “Vierzig Grad am Dancefloor, Hulapalu, sagst du in mei Ohr….”.

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Beim Bobfahren nach links, rechts, nach vorne und hübfend kamen die Jungen auf ihre Kosten

 

Gisbert von Knyphausen: Das Licht der Welt

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Andächtig und aufgeweckt hörte das Publikum zu als Gisbert die “Neu-Geborenen” grüßte

Da Ulmer Zelt zu erleben, wenn einer der bemerkenswertesten deutschen Wort- und Klangkünstler wie der Weinstock die Trauben seine Anhänger versammelt, ist ein Vorrecht. Und dementsprechend vielschichtig ist auch das Publikum sowohl was Alter als auch was den äußeren Anschein betrifft. Der Sucher mit dem sperrigen Namen hat vor acht Jahren mit “Hurra! Hurra! So nicht”, seine letzte Platte gemacht und tourte zuletzt 2012 mit Nils Koppruch und der Band Kid Kopphausen und dem Album “I”. Koppruch, der ältere, milde Counterpart an  Gitarre und Gesang dessen letztes Dokument das Video von “Das Leichteste der Welt” im selber Jahr ist, starb unerwartet  nach dem Dreh an einem Herzstillstand. Berührend wurde Koppruch in den drei Liedern, die sein Freund von “Kid Kopphausen” spielte wieder wach. Die Band im Ulmer Zelt bestand aus Schlagzeuger Tim Lorenz, Bassist Florian Eilers, dem Keyboarder und Gittaristen Jean-Michel Tourette, Martin Wenk an Trompete und Gitarre und Michael Flury an der Posaune. “Niemand”  machte den edelmutigen Auftakt, hier zeigte zu Knyphausen was er mit “Das Licht der Welt meint”, nämlich das schiere Leuchten, welches dir den Weg weist, egal was und wer du bist und dem er einst in “Das Leichteste der Welt” das Ja-Wort gegeben hatte. Das helle “Niemand”, das die beliebte knyphausensche Konkretheit der Poesie für die Reinheit der Aussage weitgegehend aufzugeben sich traut, bezeichnet den Weg auf dem man lernt “ein Niemand” zu sein. Wer Knyphausen und seine Projekte wie beispielsweise das Independentlabel “Omaha” kennt, oder ihm nur einmal wach in die Augen schaut, weiß,er ist “saved by Rock´n Roll” und sein Licht scheint aus der Finsternis, sowie seine Sprache aus dem Fleisch stammt und aus kräftigen Beschäftigung mit seinem “Dickkopf” und seiner “dünnen Haut”.Und da sich im gisbertschen Universum “unter dem hellblauen Himmel” immer ein “warmer Asphalt” findet, geht er im gleichnamigen Lied in Ulm los wie eine Pistole. Das Konzert ist allgemein sehr rockig, vertieft und erhöht aber stets durch den Unterstrom  “dieses Lebens das mich lieben will, egal wer ich bin”(Das Leichteste der Welt).

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Hohe Intensität entfachte im Ulmerzelt der folkige, und rockige Gitarrenanschlag von Gisbert zu Knyphausen und seiner Band

Saved by Rock´n Roll Gisbert grinst genüsslich

“Hier bin ich”, das  auch zusammen mit Nils Koppruch entstanden ist, spiegelt die Liebe zum Rock´n Roll, die Selbstironie und leuchtende Freundschaft der beiden, sowohl wie das Licht, das immer nah bei der Welt aufscheint. “Ich bin gut gelaunt und mächtig, ich bin naiv und niederträchtig…, ich hab zwei Arme, ich hab zwei Beine, ich bin viele, ich bin alleine- Wer bin ich?”Mit dem Alter des Abends, waren die Lichtfluten der Musik und Sprache immer mehr in den Resonanzboden des Publikums übergegangen, alle bewegten sich umringt von der Musik wie ruhiger See und einzelne poetische Miniaturen fuhren dann und wann wie Blitze in den geneigten Publikumskörper und tonisierten ihn erneut. Wenn man es wusste merkte man nun in dieser paradiesischen Menschenmenge, das Gisbert Musiktherapeut gelernt hat. Wer das Licht nicht spürte, spürte die Wärme und wenn er nicht die des Plenums erfuhr, so mindetens die seiner Herde oder die Brillanz der Knyphausenschen Eindringlichkeit. Mädchen tanzten wie Fussballstars verschrängten Armen. Gisbert hat es besser ausgedrückt: “Wir fallen rein und treiben als wären wir Musik, gehen an und beichten, und werden heiß geliebt.” Nach dem offiziellen Schluss, gab es minutenlange Klatschorgien. Gisbert und Band machten es spannend, dann aber performten sie noch zwei Songs. “Hier fallen die Vögel nach oben” und der Sänger in die Arme der Geliebten, um verloren zu gehen, bis er sich in ihrem Lächeln wiederfindet. Zum Schluss sang der Wahlhamburger: “…dich zu lieben ist so einfach wie die Wellen am Horizont kommen und gehn.”Lieben, das zeigte das Konzert deutlich ist “das Leichteste der Welt”,  “das Licht der Welt” und vielleicht auch “Ende der Welt.” So schnell wie sich die Traube um den “Weinstock” versammelt hatte, so schnell löste sie sich wieder auf, ein paar Stimmen gab es gerade noch zu fassen. Ein 73 jähriger Mann kennt “Gisbert” von Kid Kopphausen und mag es vorallem, wenn Gisbert so richtig nach vorne geht, er ist heute auf seine Kosten gekommen.Julia hat die Karte zum Geburtstag bekommen. “Er hat uns gezeigt, dass Schmerz und Freude im Leben extrem nah beieinander sein können. Ich dachte er sei ein Melancholiker, heute habe ich ihn aber als Optimisten erlebt.” “Nevermind the darkness, you´ll be saved by Rock´n Roll.

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Ein tolle Show spielte  auch die Band von Gisbert zu Kynphausen

Links:

Das Leichteste der Welt:

 

Hier bin ich:

Postramadanisches Porridge

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Das Erste was viele Moslems nach den Fasten machen ist 3 Tage lang essen und Gott loben(Aid al Futur). Diese Kombination erscheint vielen Liebhabern des leiblichen Lebens besser zu schmecken als die entsagende Variante der Suche nach dem Innersten des Inneren. Ich habe Elemente  der Fastenerfahrung in meinen Ernährungsrhythmus übersetzt, beziehungsweise bin noch in der Evaluationsphase. Will heißen, ich esse morgens ein mit großem Aufwand und großer Widmung bereitetes Frühstück(selber pflücken, schneiden, segnen;-) und zusammenfügen), beispielsweise heute morgen das hier Gepostete. Ich trinke viel  wohlschmeckendes Wasser der Saison gerade mit Lindenblüten und esse dann gegen 17 Uhr zu Abend, so das noch ausreichend Zeit zur Verdauung während der Wachzeit ist. So habe ich mittags mehr Zeit zum kreativen Arbeiten und in mich gehen und abends nutzte ich die langen Abende zum erfüllten Sein ohne das mein Magen mir nach dem Essen signalisiert, ich habe es satt. Wie sagte die Hadith von Mohammed noch sinngemäß: Der Magen braucht ein Drittel Essen, ein Drittel Flüssigkeit und ein Drittel Leere um wohl zu sein. Bemerkenswerterweise habe ich diesen Spruch auch schon von einem Kundalinijogalehrer gehört. Von dem her gesehen muss meines Erachtens, und auch meine Erfahrung spricht dafür, was dran sein. In diesem Sinne:

 

Porridge mit Erdbeeren und Nüssen

 

Zutaten für 2 Portionen:

 

15 Erdbeeren

15 Pfefferminzblätter

10 Schnittlauchhalme

5 Zitronenmelissenblätter

1 Banane

7 Erdnüsse

3 Walnüsse

3 Löffel Joghurt 10 % Fett

3 Löffel Apfelmus

1 Löffel veganes Ghee

 

Gewürze:

3 Prisen Zimt

5 Prisen Kurkuma

5 Pfefferkörner

1 getrocknene Gewürznelke

Die Entstehungsgeschichte:

Den Herd auf höchster Stufe anstellen(ich vermisse meinen Gasherd). Ghee in Pfanne zerlassen. Danach nacheinander Pfefferkörner, Kurkuma,  Zimt und Nelke in der Pfanne rösten. Dann die in Scheiben geschnittenen Bananen anbraten, bis sie goldgelb sind. Herd auf halbe Kraft zurückdrehen um hernach die Erdnüsse und Walnüsse hinzuzugeben. Wenn diese etwas angebräunt sind gib Apfelmus und Joghurt dazu, denn die Pfanne braucht gerade eine Abkühlung. Ganz zum Schluss kommen die Erdbeeren und die Kräuter hinzu. Es hat sich bei mir bewährt, das Gericht während des Essens mit Sesampaste(Tahin) zu verfeinern.

 

 

Lyneste: Zigeuner der Volksmusik

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Verwurzeltsein verleiht Flügel: von links Peter Weigele, Kathy Dangels, Andy von Treuberg

Ein Ehepaar an Gesang und Gitarre, ein Arbeitskollege an der Queerflöte, das sind Lyneste. Andy von Treuberg ist Engländer und hat einen deutsch anmutenden Namen, Kathy Dangels ist Französin und hat einen englisch klingenden Namen.Peter Weigele ist aus der Augsburger Gegend, wo alle drei wohnen und ihre Sprachen, mit Eindrücken und Beobachtungen aus einem reisenden Leben zu Liedern zusammenballen, und das hört sich gut an. Sie haben schon einige Platten zusammen aufgenommen, die jetzige, die auch im Mittelpunkt des heutigen Abends steht, heißt Inspiration. Das erste Lied eröffnet auch die Platte und hier spürt man wie warm sich die beiden im Bund der Ehe geborgenen Musiker ineinander und ihrem gemeinsamen Geist wiegen. Gitans, Zigeuner, zeigt die dritte Kraft auf, welche die beiden ähnlich wie einen Bogenstrich zusammennimmt, die Reise. In “two sides of a coin” zeigt Andy in einem ernsthaften Song seinen Sinn für das Anfassen von Zerbrechlichem sowie seine Gabe, die Samthandschuhe an der Gitarre auszuziehen um richtig tief in die Saiten zu zupfen. Wenn Andys Tiefschürferei droht sich im Kreis der Gedanken zu drehen, dann gleicht Kathy die Waage wieder mit einem höchst französischen Lied, welches über alle Zweifel und Ängste hinwegstürmt aus. “Die Liebe kommt, die Liebe geht, aber das Leben geht weiter”, heißt es in “Ce´ n est rien”, in tänzerischer Manier von ihr vorgetragen. Man glaubt bei dieser schönen Harmonie zweier sich wechselseitig tonisierender Liebender auf dem Weg zum beiderseitigen Ziel der Freiheit kaum, dass die beiden vor 10 Jahren mit englischen Covers zum Mitsingen angefangen haben. Im Laufe des Abends wird man Ohrwürmer wie “Those were the Days” auf Französisch interpretiert aber noch liebgewinnen, denn hier war ist das ganze Nix ein einziger Chorraum.

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“On the wings of our songs, we are living a dream that comes true…”

Kommt der Wanderer auch mal zur Ruhe?

Die Frage Kathys in “Gitans war gewesen, ob man in dem ganzen reisen und wandern auch einmal zur Ruhe käme? Das Chanson “Rendez-vous” bot ein erstes Antwortangebot: In der wechselseitigen Liebe, in einem “rendez-vous sense lendemains”, einem Rendezvous ohne Morgen. Dieses Wechselgespräch zwischen Liebender und Liebendem, die gerade im Wohnmobil unterwegs sind, verströmte eine ruhige und warme Aura. Und aus dieser fahrenden Zigeunerlust heraus entsprang “Voyage” ein ganz unverstellter Sommergesang “It´s a life full of love and the blue sky´s high above”. Woher Andy der auch Science Fiction Autor ist, seine tiefschürfenden Qualitäten hat, offenbarte er als Ansage zu “Durham County Miner”, sein Großvater war nämlich Bergarbeiter in Northtumberland, an der englisch-schottischen Grenze. Als Antwort bot Kathy mit  “sentiers del la vie” eine zauberhaft gesungene versöhnliche Rückschau auf die Stolpersteine der Lebens. Die zweite Antwort, wie man im Fluss des Lebens zur Ruhe käme bließ  Peter Weigele in “Bach in der Wüste” gleich einem persischen Wüstenflötenspieler in den fast unbewegten Raum. Sein Spiel bot auch in den Pausen der beiden “Pole” eine dritte Position, gleich einer Insel der Ruhe und Reflexion.Nach dem Andy uns in dem Song “Northumberland” einen weiteren Ort der Inspiration und Ruhe mit Gitarre und stimme ausmalte, war man dankbar für das tolle mitsingende Publikum, das kurzweilige mäandern des Line-Ups zwischen Ernsthaftigkeit, Erzählung und Feierlaune und dafür, das Lyneste gegen Ende schon einen Ausblick auf ihre nächste CD geben wollten. Ein gescheiterter Gitarrist, trifft in einer Bar eine gescheiterte Sängerin und auch das scheitert. Ein wahrer Blues. Nicht einmal der Name des Stückes ist zweifelfrei überliefert: “Par rent trer”? Hoffen wir die Sache klärt sich seiner Zeit zum “Fröhlichen Nix”.

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Peter Weigele, der dritte Mann im Bunde machte den Klangkörper komplett

Links:

Lyneste.com

zumnix.de

 

The sad english art

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Links Jakob Haufler Gitarre, rechts Benjamin Hühne Bariton

 

Am Mittwoch 13.06 traten vor ca. 30 Leuten in der Nikolauskirche in Seißen Jakob Haufler und Benjamin Hühne mit ihrem diesjährigen Programm “The fine English art” auf. Jakob Haufler hat Gitarre studiert und Benjamin Haufler Komposition und Gesang.  Das Programm hätte genauso “the sad englisch art” heißen können, da an dem Abend überdurchschnittlich viel Melancholie musikalisch transportiert wurde. Dabei wurden Kunstlieder aus der Renaissance und der Moderne dargebracht die sich in ihrer emotionalen Gestimmheit die “Hände” gaben.

John Dowland ist der wichtigste Renaissancekomponist Englands; seine Themen sind , laut Hühne, Liebe und Politik und er bleibt,  “gefangen im Kampf zwischen Licht und Dunkelheit.” Zuerst bekam man in dem Gitarrensolo “Sir John Smith his Almaine” einen ersten Geschmack von der kunstvollen Ordnung des Lautenliedes in der Renaissance. Danach bekam, wer in der Lage war,  sich die folgenden Oden an die Trauer im Geiste aufzuschließen, ein musikalisches Exerzitium eines völlig anderen Bewusstseins vorgeführt als es heute den Hauptstrom des Musikgeschmacks prägt. In theatralischer der historischen Auffühungspraxis angemessener Weise dargebracht, folgten nun vier bemerkenswerte Lieder.

Die Renaissance der Traurigkeit

Das letzte “Flow my tears” deute ich kurz stellvertretend an. Das große O, von “Flow my tears” lässt Hühne wie einen Kreis erklingen, in dessen Mikrokosmos sich die abgründigste Trauer gebannt hat um allem schmerzlichen Licht der Welt zu wehren. Ganz hineingenommen in dieses Gefühl offenbaren die Oden, die heute kaum mehr denkbare Mode der melancholischen Musik, in der elisabethischen Zeit, welche die Engländer noch heute als “golden age of england” bezeichnen. Eine moderne Bagatelle von William Walton(1902-1983) machte gespannt darauf wie sich die englische Gitarrenmusik mehr als 300 Jahre später entwickelt hatte. Der Aufsehen erregende Beginn mit schwierigen Stellen, der dann in einen spanisch anmutenden Temperamentsausbruch ausläuft, der sich zu leisen verspielten Höhen aufschwingt und dann zum Schluss wieder blutvoll zu werden… bot ein genussreifes Gitarrenstück, welches Haufler souverän interpretierte. Dann wob sich Benjamin Britten(1913-1976), der als moderner Komponist 61 englische Volkslieder bearbeitete in die Textur des Abends ein.Das Lied “Oliver Cromwell”, setzte nun einen ironisch, vielfarbigen Kontrapunkt zu der ganz in der unironischen Situation der Eishölle der Trauer, als Trutzburg gegen die unerträgliche Hitze der Liebeswelt beheimateten Musik Dowlands. Dank den Ansagen des Baritons Hühne, bekam man einen Eindruck von der Dimension der Sprache in Brittens Liedern. Allein das Cromwell ein berühmter englischer General war, genügte aber vorerst um das Stück zu feiern.

The inifinte english Sadness

Als der Name Henry Purcell, einer der großen englischen Komponisten ein Jahrhundert später als Dowland mit seinem Lied “O Solitude” zur Aufführung kam fühlte man sich zurückversetzt in den dowlandschen Mikrokosmos des Dunkelheit: “Oh Solitute, my sweatest choise, place devoted to the nigh…” schallte es da in formvollendem Pathos und musikalischer Formkraft; eine englische Ode an die Einsamkeit. Der zweite Part von Britten zeigte in “The trees they grow so high” eine tiefe selbstreflektierte Poesie, in der sich die Verse des Liedes sich über den Rhythmus von Leben und Tod- wie die Gräser sich über dem Grab des Geliebten erheben hinausdehnen. Dowland wünschte sich darauf wieder in Dunkelheit zu verweilen, zum Beispiel im totenstill schönen: “In darkness let me dwell.”Man wünschte sich bei der grundstürzenden Musik, so sehr das man sie bald besser verstehen möge, den Englisch kann auch entgegen der alltagsgespeisten Vermutung, auch ein hohes Ausdrucksmittel sein. Zum Schluss heiterte die Gestimmtheit und die mit ihr verbundene Befindlichkeit dank der letzen  heißen Bagatelle Nr.3 “Alle Cubana und mehr noch dank der ironischen Songs von Britten auf.In “The Foggy Foggy Dew ging es um einen Liebhaber der ob der kommenden Kinder erwachsen wird. In “The shooting of his dear” um einen Liebhaber, auf der auf nächtlichen Vogeljagt aus Versehen seine Geliebte erschießt. Nach dem wohlverdienten Applaus kamen die beiden noch einmal zu einer Zugabe raus und Hühne durchbrach mit einem spanischen Volkslied den kunstvollen Bann der tiefen, tiefen Traurigkeit.

 

Eine Blütenlese zum Ende des Ramadan

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Die Mischung von Nüchternheit,Meditation und Koranlese hat mir die Tore zu einer Welt etwas weiter geöffnet

 

Dieser Ramadan(der Heiße), hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Einige meiner Schüler haben wegen Kopfschmerzen aufgehört, viele die hart Arbeiten mussten, haben es nicht geschafft bei der Hitze auch noch zu fasten. Heute am letzten Tag halte ich Rückschau. Die ersten Tage waren für mich noch geprägt vom Einpendeln des neuen Rhythmus, von Nahrungsmitteln, Kompromissen mit dem vorigen Rhythmus und einer Fremdheit gegenüber dem Koran, dem Buch was mich und so viele andere, durch den Ramadan begleitet hat. Heute morgen habe ich bemerkt, dass mit dem Bewusstwerden des baldigen Wegfallens, des den Tag stützenden Ramadanrituales, der Kreis neu geöffnet wird und jetzt fragt sich was tritt an die Stelle der Rituale, wie gestalte ich den Übergang, wird die Fußballweltmeisterschaft mein neuer Taktgeber und wie rette ich etwas von der Achtsamkeit und Besinnlichkeit des Ramadan in die neue Tagesstruktur?

 

Koranlesen will gelernt sein

Eines ist klar, mein erster praktizierter Ramadan war für mich ein Monat der Einkehr, der Kontemplation und des interreligiösen Diskurses und auch der Überforderung in der Verständigung mit dem Koran. Trotzdem konnte ich die einzelnen Suren nur subjektiv betrachten und zu verstehen suchen. Was Mahmut Demir der seit einigen Semestern muslimische Theologie studiert mir sagte, hat sich bestätigt. Um den Koran anständig zu interpretieren, muss wissen wann die Suren herabgesandt wurden und wo und zu dem muss man den Koran schon einige Male durchgelesen haben um die Querverbindungen auf der Ebene der einzelnen Verse entdecken und bewerten zu können. Das konnte und kann ich nicht leisten und ich habe auch gemerkt, dass ich die Ferne des richtenden und strafenden Gottes des Koran oft nicht mehr ausgehalten habe.Dann habe ich etwa in der Bibel gelesen oder habe über einen Gesangsverein berichtet. Ich spüre etwas kraftvolles und unergründliches im Tauhid, der Allah als den Alleinigen, den Beständigen, der nicht geboren hat und nicht geboren worden ist, ausweist.Aber auch etwas kaltes unzugängliches, zutiefst autoritäres und undemokratisches.Der Mann steht der Frau vor und fertig. Macht es sich der Koran da nicht ein bisschen zu einfach, fragte ich mich.Ich habe Jesus als Menschensohn in der Konfrontation mit Allah nochmals schätzen gelernt. Mir ist aber auch klar geworden, dass der ferne Gott sich, wenn er durch Worte zur Sprache kommt auf ebenso innige Weise offenbaren kann. Jesus sagt ja auch ich und der Vater sind eins, oder niemand kommt zum Vater den durch mich. Was für den Koran natürlich ein Sakrileg ist, denn Gott hat nicht geboren, noch ist er erschaffen.Ein Hinweis des fernenn Gottes führt zu einem mir einsichtigen Anteil des Schöpfers.

So ist es mir in der „Nacht der Bestimmung“ gegangen, wo ich bis 3 im Koran gelesen habe und morgens der Psalm 91 zu mir kam. Auch die Zahlensymbolik hat mir als Überbrückung zu der Welt des Koran geholfen und Leute wie der Imam Israfil, Husaifa oder Mahmut Demir.

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“Die Sonne, der Mond, die Erde und alle Himmelskörper unterwerfen sich unter den Schöpfer und Erhalter des Universums, sind daher Muslime” Abu.l-A´la Maududi:Weltanschauung und Leben im Islam, S.17

Kafir oder Iman?

Als ich mit Muslimen betete merkte ich aber Widerstände, dagegen nachzubeten was ich nicht verstehe und auch Vorbehalte die ich noch nicht verstehe. Ich bin einfach ein Denker.Die Bestimmtheit der Religion fasziniert mich, und auch die Abhebung von den „Göttern der Welt“ empfinde ich als etwas wahres und heilsames und entlarvendes. Trotzdem weiß ich von mir und anderen, das man im Orient viel lügt und Missstände mit Süßholzgeraspel unter den Teppich zu kehren versucht.

Zweifel, Hochmut und Vielgötterei weißt der Koran, denen zu die von der wahren Religion abgewichen sind. Und auch ich bin davon nicht frei. Zeitweilig glaubte ich daran, das wer klug ist eben Zweifel hat, weil er sich es auch anders und noch anders vorstellen kann.Bei Aussagen die ich verstanden habe, habe ich wenig Zweifel gehabt, weil ein klarer Rahmen da war den ich durchschauen konnte. Der Islam verweist den Zweifler in das Reich Gannahans(die Sphäre der Hölle). Und auch denjenigen, die versuchen die Zeichen des Islam zu entkräften droht er die Hölle an. Der Islam sagt in mir fast als naiv anmutender Bestimmtheit, alle die Atome, die Zellen, die Tiere und Galaxien seien Gotterergebene, oder mit anderen Worten Muslime, nur der Mensch sei anfällig für Verirrungen. Die ungläubigen Menschen zumindest. Die Menschen seien schwach geboren und auf die Hilfe Allahs angewiesen. Islam sei Frieden heißt es, das bedeutet das man wirklichen Frieden nur durch Unterwerfung und Gehorsam gegenüber Allah finden könne(Weltanschauung und Leben im Islam S.16).Der Mensch werde erst durch Gott zu etwas Besonderem, nicht durch sein eigenes Zutun.Es gibt nur zwei Richtungen im Koran: Erstens die Rechtleitung, den Glauben(Iman) und zweitens Ungläubigkeit(Kafir).Kafir heißt auf Arabisch so viel wie Verberger, derjenige der Gott verleugnet.

Strafen für Spötter und Hochmütige

Jede Widerrede wird wiederholter Maßen als schwer sträflich dargestellt, ich denke anhand meiner Bibelkenntnis kann ich sagen, dass ist ein Unterschied zur Bibel. Der Koran weist weiter daraufhin, dass in der Art wie Allah Himmel und Erde gemacht haben „Zeichen für Denkende“(Sure 45, Vers 13) seien. Das spricht mich an, da denke ich an die Demut die einem nächtlich wachend beim Koranlesen die Sterne und das Firmament bereitet haben.Einige arabische Christen meinen der Islam sei lebensfeindlich, definieren was Leben ist können sie allerdings nicht.Eine Bekannte meinte als ich auf Reisen am Chiemsee war die Verschleierung der Frau, sei eine selbstherrliche Faulheit der Männer um sich vor ihren eigenen Begierden zu beschützen. Sie hat ein pfundiges Wort, denn sie ist Biologiestudentin. Sozusagen die Stimme der Evolution: Schön, verwirrend, anziehend und gefährlich.In der langen und reichhaltigen Sure Al Baqara, die von vielen als Koran im Koran gelesen wird, stehen viele mich ansprechende Dinge.Aber auch bestimmte wie „Und die Verführung ist schwerwiegender als Töten.“(Al Baqara, Vers 217). In der Ansicht der Bekannten verharrend, könnte man den Koran als Legitimationsschrift für Männerherrschaft dekonstruieren. Es stehen aber auch wieder Dinge Dinge im Koran, die zum Beispiels in Bezug auf die Flüchtlingskrise aufhorchen lassen: „Wahrlich, jene, die glauben und ausgewandert sind und sich auf dem Weg Allahs mit aller Kraft einsetzen, die sind es, die auf die Barmherzigkeit Allahs hoffen.“Das hört sich doch an wie biblische die Seligpreisung „Selig die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich(Mätthäus 5,8). Nur eine Seligpreisung im Koran die wie in der Bibel die Friedfertigen anspricht habe ich bisher noch nicht gefunden. Aber der Hauptgrund, warum ich das Fasten und Lesen begonnen habe, Geduld zu lernen, der ist erfüllt worden. Die Propheten sind auch dort ein Thema, sie dienen immer als leuchtende Beispiele des Glaubens, Phasen der Anfechtung und des Hin und Hergezogenseins, habe ich weder bei Abraham, noch bei Jajah(Johannes der Täufer) und bei Jesus, dessen Geschichte in der Sure Al-Baqara erzählt wird, gelesen. Die Propheten werden als makellose Heilige ohne Entwicklungsgeschichte dargestellt, auch fehlt in den Stellen die ich bisher gelesen habe nie die Erwähnung, dass sie das fünfmalige Gebet verrichtet und die Armensteuer entrichtet hätten.

Der Kampf ist im Islam wichtig

„Wer nun gegen euch gewalttätig handelt, gegen den handelt im gleichen Maße gewalttätig, wie er gegen euch gewalttätig war, und fürchtet Allah und wisst, dass Allah mit den Gottesfürchtigen ist“(Al Baqara,Vers 194). Kriegsdienstverweigerer haben es in einem Land das von einer regulären muslimischen Regierung geführt wird schwer. Den die Bereitschaft zum Kampf für den Glauben wird im Koran immer wieder als Hauptkriterium für den Glauben überhaupt angesehen. Da aber der Koran herabgesandt wurde als Bestätigung des Vorigen(Juden,Christen) aber auch als Rechtleitung legt der Koran mit seinem eigenen Duktus der Allerhabenheit den anderen Selbstverständnissen und Kulturen der abrahamitischen Religionen eine schwere Hürde auf um im Frieden mit ihm leben zu können.

Bass überrascht liest man dann tolerante Sätze wie: „Es gibt keinen Zwang im Glauben.“Der richtige Weg ist nur klar erkennbar geworden gegenüber dem unrichtigen“(ebd. Vers 256).

Hier leuchtet ein bisschen Freiheit, Spielraum, Unbestimmheit auf, nach der man im Koranlesen teils mehr verlangt hat wie im Fasten nach Wasser und Brot. Auch sagt Mohammed hier Weises zum Spenden. Das was man an Gutem spendet für einen selber sei. Und auch Hartes Inspirierendes: „Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders dastehen wie einer der vom Satan erfasst und zum Wahnsinn getrieben wird“(ebd. Vers 275). Nach Karmalehre riechen die Sätze zum Schluss der großen Sure: „Allah fordert von keiner Seele etwas über das hinaus, was sie zu leisten vermag. Ihr wird zuteil, was sie erworben hat, und über sie kommt, was sie sich zuschulden kommen lässt.“(ebd. Vers 285). Es erschließt sich mir aber nicht als richtig was Hamed Abdel-Samad in seiner Abrechnung mit Mohammed über die Aufteilung der Suren meint. Er sagt, die mekkanischen Suren seien eher ethisch-moralisch, die medinischen eher kriegstreibend und hart. Die Sure Al-Baqara endet beispielsweise trotz ihrer weisen Passagen mit: „So hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen.“

Die Frauen im Islam

Wie der Koran zu den Frauen steht, steht vorwiegend in der vierten Sure(An-Nisa) des Koran.Das und das der Mann der Frau in Verantwortung vorsteht, weil Allah die Männer vor den anderen ausgezeichnet hat(An-Nisa Vers 34) Aber in dem Buch steht auch viel über konkrete Anteile von wem beim Erben. Grundsätzlich gilt der Mann erbt das Doppelte als die Frau. Das die Frau also vom Mann geführt wird ist im Koran unzweifelhaft. Auch in der Bibel gibt es Stellen die in diese Richtung deuten. Der modernen kämpferischen Identität der Geschlechter entspricht das nicht und auch nicht dem Feminismus und manchen modernen Gerechtigkeitstheorien und -Empfindungen. Trotzdem kann man sich ja einmal von diesem fremden Vorschlag des fernen Gottes ansprechen lassen. Als Mann ist das natürlich blöd, weil man dann Gefahr läuft zu den positionslosen überzähligen muslimischen 2-4.Söhnen zu gehören, welche durch Schriften wie den Koran ihren Heilige Männerkrieg um Anerkennung und Positionen im westlichen System rechtfertigen.

In diesem Zusammenhang muss ich ein Zitate des linkskonservativen deutschen Philosophen Peter Sloterdijk zu den Grenzen des institutionalisierten Islamismus anführen:

„Sosehr es also zutrifft, das die islamistische Theokratie auf dem formal und materiell totalitären Anspruch beruht, alle Lebensvollzüge in einer virtuell islamisierten Weltgesellschaft nach koranischem Recht zu ordnen, so wenig wäre sie imstande, den ökonomischen, politischen, technischen und künstlerischen Tatsachen des gegenwärtigen Zeitalters zu begegnen.“(Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, S.348)

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Der Mondkalender hat 10 Tage weniger, deshalb wird der Ramadan bald früher und deshalb vermutlich und hoffentlich auf kühler sein

Islam: Ein Rückschritt von Fortschritt als Fortschritt

Da geht es jetzt um die Länder die vom Koran regiert werden. Ich habe sogar zwischen arabischen und türkischen Muslimen einen Unterschied was die Offenheit für die moderne Leistungsgesellschaft betrifft gespürt, möchte da aber nichts über einen Kamm scheren.Man kann nicht einmal unbedingt sagen der Koran sei an sich wissenschaftsfeindlich.So kriegsfreundlich wie er ist, hätte er eigentlich die besten technischen Errungenschaften aus der Rüstungsindustrie heraus bringen müssen, so wie die christlichen Gesellschaften. Das Haus des Islams ist nun auch nur durch Mohammed Auswanderung aus Mekka und seine Bündnispolitik in Medina und den Bruderkrieg mit seiner Heimatstadt Mekka entstanden. Deswegen sind vermutlich auch die Kämpfenden in der Sache Allahs von Koran als Ranghöchste gewürdigt(Sure An-Nisa Vers 94).Vom Koran kann aber eine Gesellschaft die strukturell und gewissensmäßig im Pflegenotstand ist sich fragen lassen ob sie den langfristig richtigen Wertekanon auf Tableau gehoben hat. Sowohl in der Bibel als im Koran steht man soll Vater und Mutter ehren. Im Koran ungleich ausführlicher und auch bestimmter. Die islamischen Gesellschaften leben diesen Wert, die Christlichen spüren hier erste Auswirkungen der in der breite machbaren Selbstverwirklichungsbiographie.Was mir zum Schluss in einem zufälligen Gespräch zu denken gegeben hat ein Mann meinte vor hundert Jahren waren die Alten in Mehrgenerationenhaushalten in der Landwirtschaft auch noch bis zum Ende integriert. „Schau dir mal die islamischen Gesellschaften in 100 Jahren an, da werden die auch Altenheime haben“, meinte der ältere Mann.Angela Merkel, meinte einmal sinngemäß jetzt wo wir so viele gläubige Muslime hier in Deutschland haben, müssen wir auch wieder mal unsere Bibeln in die Hand nehmen. In diesem Sinne

Was tun wenn es nicht mehr aufhört zu regnen?

DSC01641Zur Zeit gewittert es oft und wenn man es nicht schlecht gelaunten Menschen in die Schuhe schiebt, oder gar nicht darüber nachdenkt, kann man sich fragen ob das mit dem Kommen des Endes der Tage, welches sowohl im Koran als auch in der Bibel beschrieben ist, zu tun haben könnte.

Zum Abschluss einer „Woche der besonderen Tätigkeit“ fragte sich der Kreisaufseher Bankin Dalal in seiner Ansprache im Königreichssaal in Laichingen, wie man jenes Ende der Welt überstehen könne.Nach einer Aufzählung von Katastrophen und Kriegen sagt Jesus da:

„Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen.Und weil die Ungerechtigkeit überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.Wer aber beharrt, bis ans Ende, der wird selig werden…“(Matthäus 11-13)

Mohammed sagt in einem Hadith der von Al Hakim überliefert ist:

„Zu den Zeichen der Stunde gehört die Überfülle des Reichtums, die Vermehrung der Unwissenheit, zahllose Versuchungen und weit verbreiteter Handel und Geschäfte.“

Im Petrusbrief wird im auf die Sintflut zu Noahs Zeiten verwiesen und gesagt, das auch in der Gegenwart ein Gericht für die gottlosen Menschen kommen werde,(2.Petrus 3, Vers 6+7).

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Mit Noah durch das Ende der Tage

Wie komme man nun durch die Ereignisse der letzten Tage. Zunächst machte der Inder dessen Vater Hindu und dessen Mutter Christin ist anhand von Bibelstellen klar, dass nur die Gottlosen bestraft würden.Im Mose 6,9 steht:

„Noah war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten, er wandelte mit Gott.“

Trotzdem war der Mann, der Gottes Wort gehorchend ein Schiff baute um die Kreaturen Gottes darin vor der anhebenden Sintflut zu bewahren, laut Dalal ein Aussenseiter. „Was baut der da und wozu, der muss verrückt sein“, hätten sich die Leute damals bestimmt zugeflüstert.

Trotzdem sei Noahs Untadeligkeit und seine Enge Beziehung zu Gott ein Vorbild, auch im Koran wird Noah deswegen als Prophet verehrt. Ähnlich wie im Koran bezeugen die Zeugen Jehovas, dass er der allmächtige Schöpfer und Souverän des Universums ist(1.Chronik,11).

Deshalb sei Freiheit auch nicht tun und lassen zu können, was immer man wolle, sondern in Gottes Wort zu bleiben. Nach dem Vortrag fragte ich Dalal, was denn der Unterschied zwischen Christentum und Islam sei. Er verwies mich auf die Stelle in Matthäus 28,16, besser bekannt als Missionsbefehl:

„Aber die 11 Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen:

„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Koranlesetagebuch im Ramadan Tag 28

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                            Leichter werden mit Gott

Sura 94, As-Sarh, das Weiten,Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des Barmherzigen

1
Haben Wir dir nicht deine Brust aufgetan
2
und dir deine Last abgenommen,
3
die deinen Rücken niederdrückte,
4
und dir dein Ansehen erhöht?
5
Also gewiß, mit der Erschwernis ist Erleichterung,
6
gewiß, mit der Erschwernis ist Erleichterung.
7
Wenn du nun fertig bist, dann strenge dich an
8
und nach deinem Herrn richte dein Begehren aus.

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Bild: “Aufwärts” von Martin Ramsauer

Der Ramadan stärkte meine Empfänglichkeit für das Geistige

Heute ist der 28. Ramadan. Noch zwei Tage dann beginnt das dreitägige Ramadanfest, welches im Westen auch als Zuckerfest bekannt ist.Gestern hat es geschüttet was das Zeug hielt und heute morgen ist es auch bedeckt. Ich habe nach dem arbeitssamen Tag gestern bis 8 geschlafen. Ich fühle mich seit der ersten Hälfte des Ramadan morgens quicklebendig, was sich von vorher leider nicht berichten kann. Ich empfinde eine starke Empfänglichkeit für das Geistige und das Licht und mein Körper strahlt. Ich überlege ob ich in irgend einer Weise weiter fasten soll, ich merke eine gewisse Anhaftung an den jetzigen Zustand. Gehe ich von der koranischen Lehre aus so sind essen und trinken erlaubte Dinge, die man einen Monat im Jahr einschränkt um Mitgefühl mit Hungernden und Geduld mit den eigenen Trieben und Neigungen zu entwickeln. Was der Ramadan, auch in der Form des Berichterstattens über das Koranlesen gezeigt hat ist, dass Anstrengung sich lohnt und das diese Anstrengung besser angelegt ist im „Streben auf dem Wege Allahs“ als im Labyrinth der Welt, wo es natürlich Überschneidungen gibt. Einige Aussagen den Koran haben mich nach der Begegnung in „Nacht der Herabsendung“ ,die Zeit danach, immer wieder zu sich gezogen.Erstens eine Aussage aus der Sure 48, Al-Fath, der Sieg, dort heißt es: „Er ist es der die Ruhe in die Herzen der Gläubigen niedersandte, damit sie ihrem Glauben Glauben hinzufügen- und Allahs sind die Heerscharen der Himmel und der Erde, und Allah ist Allwissend, Allweise“(Vers 4).Dann aber auch die kurze Sure As-Sarh(Das Weiten), die dem Eintrag für heute vorangestellt ist.

Er ist es der die Ruhe in die Herzen brachte

Dort heißt es: „Haben wir dir nicht die Brust geweitet und dir deine Last abgenommen, die schwer auf deinem Rücken lastete, und deinen Namen erhöht?“(Vers 1-4) Die tiefe Beschäftigung mit geistigen Dingen und die rechte Lebenshaltung dazu und die Erkenntnisse die daraus erblühen haben mir die Brust geweitet. „Und, wahrlich der Drangsal geht Erleichterung einher“, verkündet die Sure. Als Christ sich zu konfrontieren mit einer Schrift und Glaubensgemeinschaft, die das zentrale Glaubensdogma der meinigen „die Göttlichkeit Jesu Christi“ vehement ablehnt und historisch auch noch nach der christlichen Offenbarung entstanden ist, ist mit Drangsal verbunden. Und der Koran wiederholt die Aussage sogar nochmals. Und meine Angst davor aus der Mitte des Fastens in einem heftigen Pendelschlag auf die andere Seite ins Fressen beim Zuckerfest zu verfallen mildern die letzten beiden Verse. „Und, wenn du (mit etwas) fertig bist, dann bemühe dich (auch weiterhin) und begehre die Nähe des Herrn(Vers 6-8). Und wenn ich zweifle welches nun der eine Gott ist und zu dem neige was mir Nahe ist, dann fragt mich Gott in der Bibel wieder: „Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der Herr, oder nicht auch ein Gott von ferne her“(Jeremia 23,23) Und dann gehe ich vielleicht auf ein Fest, am besten lese ich dort im Koran, damit sich etwas Fremdes begegnen kann.