Na.Ba.Da.Ba.Doo

Königin Semiramis,
die als Kinnd erzogen worden
Von den Vögeln, und gar manche
Vögeltümlichkeit bewahrte,

Wollte nicht auf platter Erde
Promenieren wie wir andern
Säugetiere, und sie pflanzte
Einen Garten in die Luft-

Hoch auf kolossalen Säulen
Prangten Palmen und Zypressen,
Goldorangen, Blumenbeete,
Marmorbilder, auch Springbrunnen,

Alles klug und fest verbunden
Durch unzählge Hängebrücken,
Die wie Schlingpflanzen aussahn
Und worauf sich Vögel wiegten-

(Heinrich Heine, Jehuda Ben Halevy, Strophe 23-26)

Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur
jene auf sich nehmen, die sich im Ungeborgenen geborgen
wissen, die in die Ungewissheit, in die Führerlosigkeit
geführt werden, die sich vom Ziele ziehen lassen und
nicht- menschlich beschränkt und eingeengt- das Ziel
bestimmen.

(Pablo Picasso, Finden, Strophe 2)

Absperr-Zaun vom LiederKranz Friedrichsau. Bild: Baz
Tanztruppe am Martim-Hotel.Bild:Baz

Ulm baute einen schwimmenden Garten auf den Wassern

Tausende und Abertausende, verstärkt auch aus dem Stuttgarter Umland haben sich am Schwörmontag als Zuschauer, oder Nabader, oder auch als mitgerissene Zuschauer an und in die Wasser der Ulmer Donau begeben. Nach der traditionellen Schwörrede um 11 Uhr, mit dem symbolträchtigen Schwur des Oberbürgermeisters Gunter Czisch, eingeläutet vom Klang der Schwörglocke am Schwörhaus im Ulmer Weinhof, sah man den politischen Wasserkarneval der Themenboote ab 16 Uhr, bei die Reise gemächlich machender Strömung, von den zahlreichen Donaubuchten der Stadt aus – in See stechen.Im weitesten Sinne um Soziale Gerechtigkeit, Verantwortung und Sozialen Frieden kreisten die liebevoll erdachten und gemachten Boote. konkret packte beispielsweise eines Scholz,Putin, Esso und Shel, Uniper lässt hochaktuell grüßen, in eine dichte Installation mit fetter Unterschrift “Tankeschön.” Um die harte Kritik an den Konsequenzen des Festen, die aber leider bitter nötig ist, hinter uns zu bringen: Der Buddha lehrte zwar man solle seine Lehre, wie ein Boot zurücklassen, wenn man am anderen Ufer angekommen sei, damit meinte er aber nicht, man solle sein zur Last gewordenes Billi-Bot Marke Seahawk nach einem Mal Hardcore-Einsatz im “Flußgarten der Lüste.”

Armin aus Ulm, trainiert im Top Fit. Bild: Baz


am Donau-Ufer zurücklassen. Diese kleine Sünde führte in Summa laut Südwestpresse zu 25 Tonnen Plastikmüll. Viele Nabader waren omit dem Neun-Euro-Ticket ,dass noch ein 69er zu werden das Potential hat, angereist und trotz Verkehrserleichterung der Bahn als designierte Zuschauer des Wasserspektakels, in einer neuerlichen spontanen Mobilitätswende von erfahrenen Ulmer Nabadern ins Boot geholt worden. Alex aus Egna, der urigen Bezeichnung für Ehingen, treffe ich auf Höhe des Metzgerturms, er hat sogar als Nicht-Schwimmer schon mitgemacht und ist heute einer der wegen der hohen Temperaturen vielbeschäftigten Sanitäter. Während ich mich mit einem Ukrainisch-Stämmigen unterhalte, packt mich die innere Hitze, er passt auf mein Equipment auf und ich erfahre das die Donau echt ziemlich niedrig ist. Als ich erfrischt auftauche. Höre ich die garstigen Worte, von einem jungen Mann nebenan: Hoch du au scho pisst. Naja, jetzt wo ich in die verborgenen Fallstricke der Seichtwassermatrosenschaft aufmerksam geworden bin, verpisse ich mich dem freundlichen Herren dankend in Richtung Maritim-Hotel. Da spielt eine Live-Band und eine Horde junger Mädchen und der Schlager “Griechischer Wein” animiert mich zum Tanzen. Ich erinnere mich an den Obelisken in Kassel. Ich war ein Fremder und ihr habt mich beherbergt. Kaum ist der Gedanke verklungen, sind auch die Mädels weg. Der AC/DC Song “Highway to hell” hört sich von einer Frauenstimme intoniert für mich irgendwie doof an. Go with the flow, hat meine liebe Hippie-Freundin immer gesagt, es zieht mich schon von anfang an Richtung Neu-Ulm.

Eine Ulmer Psychologie-Studentin praktiziert die “Kunst” mit heilem Boot am anderen Ufer zu chillen.Bild:Baz

Vom Deifel ind Donau nei gefiert

Vom Schwal aus, einer befestigten Halb-Insel, zieht mich das Ziel guten Sounds. Doch schon von weitem sieht man sich die Körper aneinander drängen doch unterhalb der Donau-Promenade liegt, mit dem Hindernis einer recht steilen Böschung, eine einsame Sandbucht. Gestern schon war ich an einem Sandstrand nahe des Donaubades zur Ruhe gekommen. Ich nutze Wanderstöcke und Älbler-Mut und steige zu dem ersehnten Platz hinab.Jetzt stärke ich mich aus der warmen Kühlbox mit der Aufschrift “Good vibes only” als gefühlt einziger Eigenbrötler mit
Maiswaffeln mit Ovomaltine. Wieder eins mit mir und der Umgebung, sehe ich ein gelocktes Mädel und ihre zwei Kumpels zu mir hinabsteigen. David der Musiker ist schon angetrunken und stürzt ein bisschen, lässt sich aber später nichts mehr anmerken.Es stellt sich raus, dass die drei auch Teil der Neun-Euro-Gemeinde sind. Ich schneide uns Honigmelonen-Spalten und wir kommen ins Gespräch. Die drei sind auch physisch in den 20ern und aus dem Raum Esslingen. “Dicherisch wohnet der Mensch” und auch wenn Jannick, das Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen, der Wohnstatt des schwäbischen Revolutions-Dichters abfuckte, erzählt er mir doch mit heller Begeisterung von dem neuen Cover der Toten Hosen, die er unlängst live gesehen hat. Hernach hören wir “Einsamkeit” von Hermann Hesse,das die Hosen kleinodisch vertont haben. Nina, die Immobilienmaklerin von der Landesbausparkasse dachte, die Bilder mit den vielen Booten seien übertrieben, jetzt ist sie geflasht und beschließt zum nächsten Nabada auch in so eine schwimmende Immobilie einzusteigen. Wir beide versuchen noch vergeblich den Erlkönig ganz auf die Kette zu kriegen und dann singen sie lieber “John Maynard war der Steuermann” zu gehen von Dannen.

vl: Jannick, David, Nina aus dem Raum Esslingen auf der Bucht vor der Neu-Ulmer Schwal

Das Konzert auf der Schwal von der Bucht betrachtet.Bild Baz
Wie hieß die Band noch BB.? Bild und Aussetzer:Baz

Auf der Schwal:Verlassen in den Sand geschrieben

Nachdem ich noch lange verdaue und lese, gehe ich schon zur Abend-Dämmerung weiter zur nur einen “Wildkatzensprung” weit entfernten Schwal. Die Halb-Insel mutet mir an wie ein Schiff, dass
vom Bug aus betrachtet links der Gänstorbrücke und dem glänzenden Maritim entgegenläuft. 10 märchenhafte Kastanien umgeben die Bühne wie sanfte Wächter. Ein bisschen hin und hergerissen zwischen Stimmung und Musik und Gespräch treffe ich Jakob, den slowenisch-Stämmigen Mann mit seiner Frau. Er erzählt mir im angesicht des recht neu zum Stadtbild hinzugekommenen Berblinger Turms die tragische Geschichte des armen Flugpioniers, der wohlwissend um die Gesetze der Thermik an anderer Stelle übte mit seinem Flugapparat erfolgreich übte die Barriere der Donau zwischen Ulm und Neu-Ulm zu überwinden und der nun vom behäbigen König zu dem Platz am Donau-Ufer zitiert, wo der Turm sich jetzt in den Himmel windet, scheiterte.
Daraus resultierte das geflügelte Ulmer Wort: “ Dr Berblingen hots fliaga probiert, do hot en dr Deifel ind Donau nei gfriert.” Auf den heutigen Tag adaptiert könnte man abwandeln: “Dr Leichtmatros hots Nabada probiert, do hot en dr Aldi ins Millboot verfiert.” Wir unterhalten uns lange über seine slovenische Sicht auf die Geschichte. Triest habe vor dem Ersten Weltkrieg für die Italisch-Stämmigen auch schon Triest geheißen, der offizielle Name war aber Tirrst,also Slowenisch. Ebenso hieß Klagenfurt Celowez. Ich wusste auch nicht das Jugoslawien nach dem ersten Weltkrieg als Königreich gegründet wurde. Wunderbar, ich fühle mich total international, gerade wo ich das Donaufest leider, leider verpasst habe. Auch meinte Kärnten in Österreich, wäre nur halb so groß, wenn sich der slowenisch-stämmige Bevölkerungsteil nicht zum Unmut ihrer Landleute nach dem Ersten Welt Weltkrieg für Österreich entschieden habe. Deshalb stehe er den Nationalismus alla Josef Hayder in Österreich nicht, ebenso im italienischen Südtirol, wo die österreichische Bevölkerung Sonderrechte genieße, die sie in Österreich nicht hätte.

Berblinger bye night.Bild:Baz

Ind Au na

Ordnungsgemäß zum Trocknen gelegte Boote auf dem Weg in die Donau-Aua

Als Josef mir einen kruden Witz erzählt der auf der Diana-Wiese auf der Friedrichsau spielt, der bayrische Jäger formuliert ja spaßeshalber.Di a na. Also zu Hochdeutsch, die kriegen wir auch noch rum. Wir sprechen über den Skandal um Laila und er meint der Skandal um Rosi, oder das Sauflied:
“Einst ging ich am Ufer der Donau entlang”, dass bei nüchternem Auge von einem männlichen Übergriff auf eine schlafende Frau handeld, hätten auch keinen Skandal ausgelöst. Und unter vorgehaltener Hand, sagt der über 60 Jährige, so manche Frau würde sich sogar freuen, wenn sie ein Mann in solcher Weise nähme. Da kann ich nicht mitgehen, verstehe aber, was er meint. Binäre Sexualität ist nicht gleich Sexismus.Viel mehr läd das zarte Pflänzchen der freien Begegnung der Geschlechter zu einer Steigerung der männlichen wie weiblichen Empathie, Kommunikationsfähigkeit und Resonanzfähigkeit ein. Der Sänger sing Robby Williams: “I sit and wait: Does an angel contemplate my fate? Zum Abschied wiederholt er mir noch seinen letzten Witz: “Fragt ein Freund seinen Kumpel: Wie ist den deine Frau im Bett? Sagt er: Naja, die einen sagen so, die anderen sagen so. Wie drei verabscheiden uns warmherzig.Ich solle doch mal nachschauen nach dem etwas verrückten Flugpionier aus dem Münsinger Raum , irgenwas mit August*. Die Cover-Band ist gut,umschifft zusammen mit dem pfundigen Publikum einige technische Schwierigkeiten. Als um die halb elf aber Rammstein’s “Du hasst” mit dem Schlager du hast mich tausendmal belogen verpanscht wird habe ich die geistlosen Besoffskifaxen dicke und mach mich in di Au na. Als ich durch die Stadt geloffen bin vor die 16 Uhr hatte ich schon die 90er Party beim Wilden Mann und das Mallorca-Thema gestreift, Ibiza, wo ja auch der Mastermind der Böhsen Onkelz wohnt, welches musikalisch neben dem Rauschen des Waldes, die entgleisten Indauaner unter dem von jungen Kräutern unterwanderten Holzhirsch tanzen lässt, lässt mich erneut verweilen. Und im Kindergarten, erzählt mir nach dem Live-Konzert, ganz im Wasserthema ein alter Ulmer von den drei Flüssen Ulms Donau, Iller und Blau und das die Blau der mystischste der dreien sei, weil durch diese die Lau vom Nixenkönig im Schwarzmeer nach Blaubeuren verbannt wurde um das Lachen zu lernen. Ich bin müde, was für ein geiler Tag und er endet mit einem Verweis auf meine Geburtsstadt Blaubeuren. Wo mein Neun-Euro-Netz-Lückenfüller-Mobil am Bahnhof steht. Jetzt aber erst mal Pennen neben einem unbekannten Bruder im Schutze der Kastanien und mit Proviant von der Insel in dem fernen Spanierland.To be continued.

Daniel Baz,22.07.22

Vom Ziel ziehen lassen, meines heißt: Zukunftsmusik

Author: farounfirewater

Ich bin der Falke im Sturm der den König sucht. "Ich lebe mein Leben in sich weitenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn, Den letzten, ich weiß nicht ob ich ihn Vollbringe, aber versuchen will ich ihn Ich kreise um Gott um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang und ich weiß nicht, bin ich eine Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang" (Rilke)

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