Abschieds-Schwörgottesdienst 22

Oder Ulmer Münster als Bischofssitz?

Aus rituellen und technischen Gründen liegen keine Bilder des   Schwörgottesdienstes am 17.07.22 vor   

Schwörgottestdienst verabschiedet Dekan Gohl

nach 16 gedeihlichen Jahren ?

Bild:Baz

Auf die Lichterserenade auf der Donau und das Schwörkonzert im Ulmer Münster freitags folgt am Schwörwochenende traditionell am Sonntag der Schwörgottesdienst. Das Ulmer Münster, dessen Grundstein 1377,von vermögenden und frommen Bürgern gelegt wurde, ist wie Dekan Ernst Wilhelm Gohl nicht ohne Stolz, in seiner Predigt im Münster erwähnte, dass Symbol einer langen guten Beziehung zwischen Kirche und Stadtgesellschaft in der römischen Gründung. Tags davor durften die glücklichen Kartenbesitzer beim Schwörkonzert im “Bürgermünster” mit Ballett staunend schauen, was ein weltoffener Dekan und die Seinen auf diesem fruchtbaren Boden an relevanter Kirche zu bauen vermochten.

Vivat, crescat, floreat – Ecclesia res publica

Bild:Baz

Etwas ungewohnt war es ja schon, dass vor dem Chor eine riesige Bühne stand, wusste man aber um die anmutigen und hinreißenden Kreise, welche Tänzer gestern auf dieser zu hohen Musiken zogen, so zauberte es einem ein ferudiges Lächeln auf das Gesicht. Eine halbe Stunde zu früh, kann man ihn wieder sehen, die er leibt und lebt, alle Leute begrüßt “der Dekan der Begegnung” dessen
geselliger Abschied im gleichnamigen Haus im Grünen Hof stattfinden wird. Anette Schavan ist da, die Vertreter aller Bezirksgemeinden, der charismatische Ex-Bürgermeister Ivo Gönner und natürlich der aktuelle Amtsinhaber Czisch und last but not least Gohls Frau Gabriele und seine reizende Tochter Katharina. Durch die persönlichen Begrüßung des “Münster-Predigers” und mehr noch die persönlichen Geschichten, der Weggefährtenschaft generiert sich ein wahres Wärmefeld als er mit den Bibel-Worten: “Aus Gnade seit ihr gerettet”alle ins Evangelium hineinnimmt, die meinen aus sich selbst und eigenen Verdiensten heraus leben zu können.
Hernach erinnert Prälatin Gabriele Wulz, an die Kontinuität des “offenen, erwartungsfrohen Blickes” wie er 2006 zum ersten Mal “verstockte Herzen” im seiner Meinung nach nicht “heiligen”, im Sinne von unantastbaren, sondern stillen und hörenden Raum des Münsters”im Verein mit der “Macht des Wortes “ zu öffnen sich anhob. Seine “Charmeoffensive” als “Führer über den Dächern des Münsters” oder “als Prediger auch in den umliegenden Gemeinden” habe ihn zu dem Dekan gemacht, der am meisten Nähe zu Menschen von Allen bisher Dagewesenen praktiziert habe. Nun habe er sich nach 16 guten Jahren in Ulm “aufgemacht um Landesbischof zu werden” und fehlen würden ihm am meisten die Menschen. Mit seinen zahlreichen Neuerungen und seinem Wandel des Stils habe er maßgeblich dazu beigetragen den die “großen Transformationen” in die uns die Zeit stellt zu gestalten. Vielleicht war es da auch ein gutes Omen, dass Olaf Scholz seinen Wahlkampf im Süden anno 2021 in der Ulmer Münsterbauhütte beginnen lies.

Stadtmarketing auf neuen Wegen,Bild:Baz

Mit Abrahams Segen: Vertraut den neuen Wegen

In seiner letzten von manigfaltigen Predigten im Münster war 1.Mose 12 die Geschichte vom Aufbuch Abrahams die biblische Grundlage. Abraham Geschichte des “auf sich gestellten Gehen-Müssens” deute die Radikalisierung des “ent-scheidenden und unter-scheidenden” Weges die bei Jesus noch radikalisiert würde vor. Die Ursprungs-Beziehungen wie Vaterland und Heimat, ja Familie, sind sekundär. Es gehe um einen Aufbruch in ein Land, so Gohl, ohne “Landkarte” und “Wegweiser”. Über diesem Scheideweg stehe Gottes Verheißung aus dem Bezugstext “Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dir einen großen Namen machen , dich segnen.”
Auf seine Arbeit in Ulm heruntergebrochen, sei die Gründung des “Rates der Religionen vor 10 Jahren in Ulm eine Entwicklung die der gute Boden Abrahams ermöglicht hätte, die Spaltungen die durch nationalistische Zugänge damit verbunden sind, biblisch universell dementierend. Dieser Segen von Gott wirke wie Saatkörner, die Zukunft eröffenen.Gerade so wie das Gottvertrauen der Grundstein-Leger des Münsters 1377, einer Kirche von der sie wussten, dass sie in ihr zu Lebzeiten noch keinen Gottesdienst feiern konnten im Jahre 1898, wie als unvorstellbare Brücke des Glauben Mittelalter und Moderne in der Fertigstellung des Münsters in einem Bau vereinigt, als höchster Kirche der Welt vollendete. Das die Moderne in ihrer Vielfalt und Selbstironie, Lügen als alternative Fakten darstelle mache ihm aber Sorge. Denn das schaffe eine Erosion des Vertrauens. Nach dem zweiteiligen Motto Hauptsache eine Erklärung und Hauptsache ein Schuldiger.

Verhasster Versöhner: Bild aus einem Vortrag an der VHS Ulm über die Ermordung des Unterzeichners des Friedensvertrages zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg Mathias Erzberger


Der Meister des hörenden Miteinander-Redens warb, weil Gottesliebe zu Menschenliebe führe, für
eine Erneuerung der Kultur des Vertrauens in die guten Absichten der politischen Verantwortungsträger.Dies machte er mit den Worten klar: “Es braucht Vertrauen, kein blindes aber ein Grundvertrauen, dass Politiker ihre Arbeit im besten Wissen und Gewissen machen.” Abschließend sprach er Ihnen als “Hüter der langen Brücke” seinen Segen zu, den schon Gott einst Abraham zugesprochen hatte “Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.”
Als Bürgermeister Czisch die Ehre hatte Gohl eine Abschiedsbotschaft mitzugeben betonte er den “den Menschen zugewandten Prediger” und “Mann der Mitte” der “meint was er sagt und dann auch tut was er sagt. Das tiefe Gottvertrauen in dem sein Handeln wurzele sei Czisch selbst bemerkenswert. Damit habe er “Spuren” hinterlassen und “Maßstäbe” gesetzt. Der moderne Bürgermeister bereicherte das gesellige Beisammensein durch seine scherzhafte Idee, Ulm doch zum Bischofssitz zu machen, damit der scheidende Prediger nichts verliere und Ulm etwas gewinne. Der katholische Prediger Michael Kloos, der acht Jahre, zur Hälfte der Gohlschen Amtszeit weggefährte war, betonte das ökomuneische Projekt der gemeinsamen Seelsorge von katholischer und evangelischer Confessio und überreichte zugleich anspornend die Festschrift “Freude an Gott”von Kardinal Koch während er sich gern an die gemeinsame Teilnahme a Ulmmarathon 2017 erinnerte.
Zum Schluss des Grußwortmarathons verabschiedete sich Gohl in mitfühlender Demut, auf von seiner Frau Gabriele angefertigten Fenstermosaike im Münster verweisend in dem er daran erinnerte: “Dekane kommen und Mosaike bleiben.” Da Gohl im Gespräch der Idee des Mannes in sich weitenden Kreisen zugeneigt war, bleibt der politisch ironische Wunsch nach weiteren solch fulminanten Schwörkonzerten in einem Münster als Sitz des Landesbischofs.

(Daniel Baz, 21.07.22)

Author: farounfirewater

Ich bin der Falke im Sturm der den König sucht. "Ich lebe mein Leben in sich weitenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn, Den letzten, ich weiß nicht ob ich ihn Vollbringe, aber versuchen will ich ihn Ich kreise um Gott um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang und ich weiß nicht, bin ich eine Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang" (Rilke)

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