Das Grundgesetz als Wahlheimat?


Auszug aus einem Bericht eines Gesprächs von Thea Dorn in der Ulmer Stadtbibliothek mit der Dramaturgin Nilufar K. Münzing


©Daniel Baz, 2019

Was den Begriff Heimat betrifft, so möge sie den Begriff Wahlheimat. Wenn es um Heimat gehe, sagten 80% etwas über Essen, dann folgten Gerüche und Lieder, bei denen das Gefühl von Heimat aufkäme. Sie sei in der Jugend 10 Jahre lang immer mit ihren Eltern in die Brittanie gefahren, der Begriff Heimat habe also auch eine Schicksalskomponente. Heimat habe etwas mit Sicherheit und Geborgenheit zu tun. Herder habe gesagt: „Heimat ist dort wo ich mich nicht erklären muss.“Hier müsse man sich nicht dafür entschuldigen wie man ist. Deshalb möchten, so viele Berlin als Wahlheimat. Weil man hier anders als manchmal im Herkunftsort, sich nicht dauernd rechtfertigen müsse.Wenn Heimat so etwas wäre, wie eine verlorene wahre Kindheit, was wäre dann ein Heimatministerium, etwa ein Ministerium für die wahre Kindheit? Alle lachten. Vielleicht brachte das dornsche Gespäch mit Marc Jongen, ein philosophischer Schüler Peter Sloterdijk´s und kulurpolitischer Sprecher der AFD im Bundestag, welchey im Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde, dahingehend mehr Aufklärungspotential? Wenn Deutschland politisch originell wird, dann geht immer viel zu Bruch, meint die Publizistin, die sich nach dem Mitbegründer der Kritischen Theorie Theodor Wiesengrund Adorno benannt hat. Kulturpatriotismus und das habe sie auch in dem Gespräch mit Jongen erfahren, diene oft zunächst als Grundlage für die Ausgrenzung Anderer. Als sie eine Dokumentation über einen Syrer der Förster wird, ganz ohne die Waldmetapher in der deutschen Literatur, gesehen habe, habe sie das berührt. Wer sage, da stimme etwas nicht, sei kein Patriot sondern ein Rassist. Im herderschen Sinne, sei das Deutsche Grundgesetz eine Heimat, angeleitet von einer Leitzivilität, die als Konsequenz der Hybris einzelner Nationen als auserwählter Völker entstanden sei. An ihre äußerst anregende kurze Lesung aus „Deutsch nicht dumpf“ wo sie einen Europafreund und einen Europagegner disputieren lässt schließt sie philosophische Erwägungen an. Am Grunde der Europäischen Geschichte stünden Sätze wie die des dunklen Heraklit: „Der Gott ist Tag und Nacht, Winter und Sommer, Krieg und Frieden, Überfluss und Mangel.“ Oder „Der Krieg ist Vater von Allen, König von Allen.“ Auch stünden zwei widerstrebende Pole der vom „Vordenker“ und Feuerräuber Prometheus und der des gottergebenen Märtyrers Jesus am Ursprung der europäischen Zivilisation. Die östliche Kultur fände in ihrem Jin-Jang-Symbol einen höheren ausgleichenden Pol. Europa ob Individualisierung, ob gewaltsame Inbesitznahme der Welt, halte den Widerstreit aus.

Die europäische Kultur:
Grundlage Freiheiten zu teilen


In China sehe man gerade wo westliche Datentechnologien ohne den Geist der Aufklärung und kritische Individuen hinführten. Was Big Data betreffe gehe es nicht, dass Künstliche Intelligenzen Schlüsse zögen,die Menschen aufgrund von unermesslichen Datenmengen als Grundlage nicht mehr nachvollziehen können. Bildung sei wichtiger denn je. Denn heute drohen die Menschen durch die Annäherung an Algorithmen mehr und mehr technikgetrieben zu werden.Der europäische Kerngedanke sei jedoch, dass man durch Bildung zu einem verantwortungsfähigen Menschen werden könne. Identitätspolitische Gemeinschaften neigten zur Homogenisierung. Der deutsche Kräutergarten und seine Zerrissenheit in Ähnlichkeit,sei ein gutes Beispiel. Wie man von der Gemeinschaft wieder zur Gesellschaft kommen könne? Wanderstiefel und der Besuch kleiner Käfer mit kulturell Verbindendem im Gepäck seien dabei das dornsche Mittel. Kulturkenntnis und Kulturschutz seien dabei zwei verschiedene Paar Stiefel. Denn wie sagte laut Dorn schön Friedrich Hölderlin: „Man muss das Eigene so gut lernen wie das Fremde.“


Auszug aus einem Bericht eines Gesprächs von Thea Dorn in der Ulmer Stadtbibliothek mit der Dramaturgin Nilufar K. Münzing


©Daniel Baz, 2019

Author: farounfirewater

Ich bin der Falke im Sturm der den König sucht. "Ich lebe mein Leben in sich weitenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn, Den letzten, ich weiß nicht ob ich ihn Vollbringe, aber versuchen will ich ihn Ich kreise um Gott um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang und ich weiß nicht, bin ich eine Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang" (Rilke)

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