Freiheit, Gleichheit, Volksabstimmung

  

Joseph Beuys und Kunst der sozialen Umgestaltung

Beuys, dass ist ein Name den man kennt und der polarisiert. Jetzt wo er am 12.Mai diesen Jahres  100 geworden wäre gab es mindestens Ausstellungen in Wien, Ulm und Stuttgart.Themenschwerpunkt der Ulmer Exposition:Beuys und der deutsche Süden; was man in Ulm erfahren konnte in Stuttgart hat Lothar Späth- der unternehmerischste der bisherigen Ministerpräsidenten in Baden Württemberg-Beuys´  Kunst einen Dauerplatz in der Staatsgalerie verpasst.-Jeder Mensch ist ein Unternehmer-, so steht es ja auch in dem “Aufruf zur Alternative”, den Beuys zusammen mit Wilfried Heidt in Achberg bei Lindau 1978 entwickelte. Immerhin gilt das Dokument als Gründungsdokument der Partei Die Grünen. Und auch der heutige Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist in dem Bildband zur Ausstellung, dokumentierter Weise, auch zu Schulungszwecken im schönen Achberg am Bodensee  gewesen.Der Verleger Rainer Rappmann hat dem politischen Weggefährten Beuys, den er 1971 erstmals im internationalen Kulturzentrum in Achberg(INKA) traf, nun eine Ausstellung gewidmet. Die nach großem Erfolg im Ulmer Museum ab 24.07 in der Sammlung Vogelmann in Heilbronn zu sehen sein wird. Ihr Titel: Ein Woodstock der Ideen. Joseph Beuys und der deutsche Süden.In die ersten Regierungsjahre Helmut Kohl´s fällt eine in Ulm durchaus denkwürdige Diskussion.

1984 trafen auf einem Podium in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirche drei Ökonomen unter anderem Hans Binswanger und der Bildhauer Beuys zusammen. Seine These im Sinne seines erweiterten Kunstbegriffs: Die Kunst sei das Kapital und Geld habe die wahren Wirtschaftswerte nur zu begleiten, führte zu Missliebigkeiten und Unverständnis aber auch zu Beifall. Solange die Gesellschaft von einem Rechtstitel wie dem Geld versklavt werde, so Beuys auch in vielen seiner Aktionen auf verschiedenen Dokumenta-Weltausstellungen in Kassel können die vom Menschen für seine Freiheit benötigten Werte Freiheit, Gleichheit und Demokratie nicht erreicht werden. Wahl-Freiheit sei nicht gleich Freiheit, ebenso sei Freizeit nicht Freiheit, das seien alles Formen der ausbeuterischen Wirtschaftsgesellschaft aus dem Privatleben noch einmal Profit zu machen.

Der Dritte Weg vor der Wende

Den deutschen Süden inspirierte auch ein öffentliche Debatte mit dem zweiten großenprägsamen Schüler der Lehre Rudolph Steiners im Nachklang der 68er Zeit, dem Schriftsteller Michael Ende.1985 organisierte Rainer Rappmann in der Waldorfschule Wangen im Allgäu eine sechsstündige Mammutbefassung über den Kunstbegriff unter dem Titel: Kunst und Politik zwischen den beiden Geistesgrößen. An diesem Gespräch zeigt sich beispielhaft das der Ausdruck bei Beuys, nicht nur Ausdruck ist, sondern, dass der Düsseldorfer sich wie eine Zeitzeugin in Ulm bestätigte immer ganz gab. Er als Zeitgenosse des Nationalsozialismus und ausgesprochener Tatmensch rang in seinen “Umschmelzungsprozessen von Begriffen” um einen Dritten Weg, der die falschen Alternativen von sozialistischem Staats-Kapitalismus und liberalem Marktkapitalismus zu überwinden in der Lage sei.  Hintergrund dafür sei, dass die Naturwissenschaften die Menschheit auf Gedeih und Verderb als realen Zusammenhang hervorgebracht hätten. Die das biologische und bio-chemische betreffende objektive Krise durch Corona hat dies erneut zu Bewusstsein gebracht. Ende hingegen sah im erweiterten Kunstbegriff einen Fehlgriff, der drohe den klassischen Künstler zu Gunsten eines “Jeder kann tun was er will” aufzulösen. Heute erscheinen die Abschottung ins Private und die Blüten die der  Wille sich unabhängig fühlender Menschen  Effekte zu haben, welche die Ungerechtigkeit unter den Menschen und die Ausbeutung von Tier und Natur verschlimmern.Das meinte Beuys nicht mit einer Menschheit als sozialem Organismus. Beuys erweiterter Kunstbegriff ist für ihn geradezu ein durch die technisch herbeigeführte Menschheitstatsache und ihre soziale Desintegration in den vorherrschenden Systemen diktierter Evolutionssprung der Kunst.Alle Menschen seien denkende und damit aus dem Unbedingten neues schöpfende und gestaltende Wesen und deshalb seien jenseits der Herrschaft von Lohn, Eigentum und Profit alle Menschen Künstler. So trat Beuys in den von der gewaltsamen RAF geprägten 70er Jahren auf der Dokumenta 5 unter dem Thema “Gewalt der Einsicht” mit der Frage wie man durch kreative Aktionen die Welt verändern konnte an die Kasseler und Kasselaner heran.

Der an Rudolph Steiners Lehre orientierte Michael Ende hätte geantwortet.Der Künstler sei einst derjenige gewesen, der durch seine Werke das Ganze, das Heile, aber in der Moderne  auch das Schöne im Schrecklichen herausstellen konnte. Als Künstler machte er utopische oder dystopische Vorschläge wie ein nicht rein dem materiellen Fortschritt verhafteter Mensch sein könnte, etwa wie in seinem Buch Momo, was daraus wurde lag jedoch nicht in seiner Hand. Der Mensch als Schöpfer mit Ganzheitsbewusstsein, gestalte seine Welt nach dem Grade seiner Selbst- und Welterkenntnis nach mit, das Neue der sozialen Kunst, sei aber das die Gesellschaft selbst als Ganzes zum Gegenstand der Kunst werde. Die Gesellschaft sei in ihren Strukturen voller Gewalt, deshalb sei die neue Kunst keine schöne sondern eine schwere Kunst, weil in ihr die eigene uns letztendlich die gesamte gesellschaftliche Existenz transformiert werde. Deshalb sei direkte Demokratie die Methode zur Dreigliederung.  Der Mensch sei mehr als eine Struktur, oder ein Teil der Gesellschaft, das mache seine Würde gerade aus. Denken sei auch schon handeln und solche Eindrücke aus der Literatur müssten- Innen wie Außen- auch in sozialen Umgestaltungen Ausdruck finden. Die Moderne habe mit ihrer Wirtschaftsgesellschaft jede einheitliche Lebensgebärde verunmöglicht. Die Kunst müsse ein neues Kind gebären die soziale Skulptur bestehend aus Ökologie, Demokratie,Ökonomie und Pädagogik. Seit 1789 in Paris waren Freiheit, Gleichheit, Demokratie die drei Glieder der revolutionären Bewegung, die mit Beuys bis heute nicht beendet ist, einer Bewegung hin zu einer “neuen sozialen Architektur” der Menschheit. Deshalb goß der Aktionskünstler 1982 auch aus einer nachgestellten Zarenkrone einen Hasen. Der Souverän müsse sich verändern. Der Hase stünde so Rappmann bei Beuys für Beweglichkeit, Vermehrung und Intelligenz. Rudolph Steiner schrieb die begriffliche Dreiheit nach 200 Jahren  verbunden mit der selbst erlangten Erkenntnis über das rechte Verhältnis von Individuum und Form auf  Schultafeln in Deutschland. In der Kunst müsse Freiheit herrschen, vor allem Freiheit von äußeren Autoritären und wirtschaftlichen Zwängen. In der Wirtschaft Brüderlichkeit, die Dinge sollten gerecht verteilt werden. In der Rechtssphäre walte Gleichheit vor, vor dem von allen sich selbst gegebenen Gesetz. Die Dreigliederung als gesellschaftliche Praxis ist gerade Rappmann sehr wichtig und sie war es auch Beuys der 1986 in Düsseldorf verstirbt. Wärme entsteht durch Bewegung und Austausch.

Es geht ums Ganze-Kunst als Befreiungspraxis

Unter der Überschrift “Die Notwendigkeit eines Ganzheitsbewusstseins” heißt es im Aufruf an Alle:

“Der vollzogene Evolutionsschritt ist eine Tat des menschlichen Bewusstseins.Dieses Bewußtsein hat aber seine eigenen Produktionen nur dort erfasst, wo es Veränderungen in Teilbereichen bewirkt.

Inzwischen jedoch sind wir menschheitsgeschichtlich an dem Punkt angekommen wo das noch nicht erworbene Ganzheitsbewusstsein sich als der entscheidende Mangel in der heutigen Weltlage erweist.Daraus allein erklärt sich DAS GROßE LEIDEN, das heute wahrnimmt, wer auf den gehetzten, nach Macht und Prestige jagenden, zwischen die Schraubstöcke der Ideologien gespannten, von Krankheiten geplagten und in Kriegen sich zerfleischenden Menschen und auf die Plünderung und Zerstörung der hilflos ausgelieferten Natur hinblickt”

(Beuys et. Al(1978): Aufruf an Alle, zitiert nach der Version in der Ausstellung: Ein Woodstock der Ideen) Als ich am Ende der Führung Rainer Rappmann frage was uns Joseph Beuys heute noch lehren kann sagt er: “Miteinander reden, das was, man erfahren hat mitteilen, auf eine künstlerische Weise, der Omnibus für direkte Demokratie ist seit 1987 fast ununterbrochen unterwegs, 1990 glaubten wir auf unseren Fahrten in Ostdeutschland an einen dritten Weg, nur es sollte nicht so kommen.” Was passiert wenn nur von Oben, aufgrund von durch lange Zeiträume sich hinziehender Untätigkeit radikale Reformen durchgeführt werden spürt man gerade in den Protestbewegungen.Laut Beuys und seine Capri-Zitrone, mag dafür ein Sinnbild sein, muss jede Veränderung, die gewaltfrei bleibt sowohl von Innen aus auch aus einem breiten Gespräch kommen. Deshalbsei direkte Demokratie die Herangehensweise der Überwindung der versklavten Gesellschaftdenn Kunst die etwas bewegen wolle, müsse sich davon lösen, die falschen Systeme für Geld zu dekorieren.

Aufruf an Alle(1978): Auszüge[Später erschienen als Aufruf zur Alternative:

S.15

“Was den Konsumbereich betrifft, stellt sich die Konsequenz der Sache so dar, daß sich die Produktion nach dem Bedarf der Konsumenten richten wird. Kein Profit- und Eigentumsinteresse stehen diesem einzig sachgemäßen Wirtschaftsziel hemmend oder ablenkend im Wege.Die mit dem integralen System schon elementar verwirklichte Brüderlichkeit- [geschwärzt, im Folgenden g]” Arbeit ist prinzipiell zur Arbeit für andere geworden”- kann ungehindert zur Entfaltung kommen.

[Abschnitt ganz gestrichen]

Auch auf die so brennend gewordene ökologische Frage fällt[g] von dem gewandelten Geldbegriff her ein neues Licht. Das von Ökologen oft gebrauchte Schlagwort “Ökologie vor Ökonomie” ist unsinnig. Denn Ökologie an sich ist ohne Bedeutung für den Menschen. Das Problem besteht ausschließlich darin, daß unser Wirtschaften, das immer in der Transformation von Natur besteht, die ökologischen Verhältnisse achtet und nicht misachtet.Solange auf der Grundlage der alten anachronistischen Begriffe – Lohn, Eigentum, Profit – , also in den Rahmenbedingungen des Kapitalismus gewirtschaftet wird ist eine ökon[sic]konforme Ökonomie weder durch Gesetze noch durch Gebete zu bewirken.

Freiheit

Einerseits ist Freiheit individueller Impuls, das Handeln aus selbstbestimmten Motiven zu vollbringen.Andererseits ist selbstbestimmtes Handeln nur dann frei,wenn es seine Richtung empfängt aus der Einsicht in die Lebensbedingungen des Ganzen.(Rudolph Steiner)

links:

www.museumulm.de

fiu-verlag.com

Literatur:

Ausstellungskatalog Museum Ulm und Kunsthalle Vogelmann Karsruhe(Hrsg.)

Ein Woodstock der Ideen-Joseph Beuys, Achberg und der deutsche Süden

Joseph Beuys, Johann Phillip von Bethmann, Hans Binswanger, Werner Ehrlicher, Rainer Willert, Ulrich Rösch, Was ist Geld?  Podiumsdiskussion

Audio:

Doppelaudio-CD,Joseph Beuys/Michael Ende: Kunst und Politik

Alle Werke zu beziehen über Rainer Rappmanns FIU-Verlag:  fiu-verlag.com

Author: farounfirewater

"Ich bin nur ein kleiner Wicht, der der Welt das Recht abspricht, dass sie mir das Rückgrat bricht "(Auszug D.B 97)

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