Jericho bebt aber fällt nicht

Ein Oratorium des Gesangsvereins Frohsinn von Hellmut Stolz

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Angesichts der gerade bestehenden Sorgen um den Frieden möchte ich an eine mutige Umdeutung der Alttestamentarischen Auslöschung Jerichos durch israelische Landname im Namen Gottes durch Hellmut Stolz anno 18 in der Laichinger Albanskirche erinnern.

Die Frage ob es zwei verschiedene Götter sind. Der parteiische, zornige des Alten Testaments und der liebende, heilende des Neuen Testaments wurde in Laichingen neu aufgebracht aber nicht geklärt.
Voll besetzt war die St. Alban´s-Kirche in Laichingen bei der Uraufführung von Jericho. Ein Jahr lang hatten die Mitglieder des Gesangsvereins Frohsinn für das szenische Oratorium geübt. Text, Kompositionen und choreographisch, szenische Elemente kamen aus der Hand von Hellmut Stolz, des langjährigen Frohsinn-Leiters, der zugleich dirigierte und E-Piano spielte. Die dramatische Ausgangssituation des Stoffes konnte man gleich an der ersten Aufstellung des Chores ablesen, er teilte sich in zwei Gruppen. Links die Einwohner von Jericho und rechts die Israeliten.Der rechte Chor begann nun zu lobpreisen das Versprechen des Herrn, das Volk Israel in das gelobte Land zu führen.In dem Fall Kanaan, das Land auf dem auch Jericho gebaut ist.Liebevoll hergestellte Leinen-Gewänder mit Tüchern in orientalischem Bunt nahmen einen mit in die Welt des alten Orients. Kontextualisiert und vertieft wurde der Chorgesang durch den von der Kanzel aus gemessen den Beginn des biblischen Buches Josua verlesenden Volker Hausen. Das Land von der Wüste bis zum Libanon, vom Euphrat bis zum großen Meer habe er Mose versprochen und das Volk Israel solle getrost sein in allem was es tue. Eine klassische Vorkriegssituation, wie man sie nur zu gut aus dem heutigen Vorderen Orient kennt, zog in den abwehrenden Blicken der beiden Parteien herauf.In Stolz Inszenierung, die er mit einem Theologen gestrickt hat, war dieser Lobgesang des parteiischen kriegerischen Gottes, wie ein Schlag ins Gesicht, der unschuldig erscheinenden Menschen von Jericho. Außerdem wollte er nicht die Hälfte seines Chores durch die biblisch überlierferte Vernichtung Jerichos, durch die bekannten 7 Posaunen in Kauf nehmen, so erzählt die Darstellerin von Rahab. Rahab, hier eine inbrünstig singende Wirtin ,gespielt von Uschi Fasolin, in der Bibel als die Hure, die den Israeliten durch Verrat die Eroberung Jerichos ermöglicht, dargestellt,mahnte also an die Adresse der Israeliten den drohenden Tod unschuldiger Kinder und Frauen an. In der Bibel ist sie die Komplizin der Isrealiten und gilt dort als die Gläubige, da sie sich vom sündigen Jericho los sagt. Das Solo, in dem ihr Stolz anrührende Worte auf den Mund geschrieben hat, war das Medium des Gefühls, welches Mütter auf beiden Seiten der Fronten verbindet. Schon 150 nach Christus hatte der verketzerte Marcion, den Gott der Schöpfung und der Strafe im alten Testament, als einen anderen Gott deklariert als den der Liebe und Barmherzigkeit im Neuen Testament. Seine zahlreichen Anhänger wurden von den christlich gewordenen Römischen Kaisern als Häretiker mit Flamme und Schwert verfolgt. Scheinbar ist der Gedanke heute auch wieder bei Pastoren in Amt und Würden beliebt. Denn Stolz geistlicher Berater, hat die bibelferne Umerzählung, wohl auch durch das Argument mit dem Gott der Liebe abgesegnet. Das alte Gnostische Argument war hingegen, das Urteil und Krieg in der Beschaffenheit der Welt an sich lägen, und das der Schöpfergott, deshalb ein Demiurg sei, ein böser Gott. Der Gott der Liebe aber ein anderer ungeschöpfter Gott, welcher in dem Opfer Jesu Christi in die Weltgeschichte eintrete um das die Menschen von der bösen Schöpfung zu erlösen.

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Uschi Fasolin brachte das Licht für ihr Volk, das biblisch als ungläubiges schon seit tausenden von Jahren der Zerstörung anheim gefallen ist. Historisch weiß man das Jericho zu der in der Bibel angebenen Zeit bereits zerstört war.

Das Dreieck des Verstehens

Die Bedeutung trug nun Heinz Surek bei. Abwechslungsreich war das mit der Spitze zur Kanzel den Chor umgrenzende Dreieck der Sprecher.Oben Hausen, Surek am Taufbecken und die grandiose Christine Menge hinter dem Chor. Das an ihr Fenster gebundene Seil, das Rahab auch biblisch als Erkennungszeichen für die heimlich beherbergten Israeliten an ihr Fenster machte, bekam in dieser Interpretation des Stoffes eine neue Bedeutung. Rahab und die Boten kann man hier als zivilgesellschaftliche Spieler sehen, welche nicht mit der kriegerischeb Herrschaftsmacht paktieren, sondern vielmehr beiden verhärteten Völkern ein schlechtes Gewissen sind. Es beginnt durch Rahab, die Pionierin des Herzens, über traditionelle Zugehörigkeiten und Identitätszuschreibungen hinweg ein Gärungsprozess bei den Israeliten. Besonders der wie ein buddhistischer Mönch in rot-orangenem Gewande, Liebe und Weisheit, schon vor dem ersten gesungenen Ton verströmende Josua, gespielt von einem berührenden Norbert Zinner, gerät in einen inneren Kampf.

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Nicht mehr aus der von Hohepriestern gehüteten Bundeslade empfingen die Leute von Jericho ihr Licht sondern von Einsicht, Anerkennung und Versöhnung.

Gott in uns eröffnet die Versöhnung

Während dem Singen, des in den USA sehr beliebten Spirituals „Joshua fought the battle of Jericho“, kommt das Volk Israel so richtig in Kampfeslust. Die furiose Rahab kontert gegen diese übermächtige völkisch-militärische Wand. Sie macht den Israeliten ein Angebot des Friedens. In einem Duett über Nächstenliebe und Liebe mit einer Frau aus dem Volk(Bärbel Kohn) besinnt sich der gutherzige Josua auf das fünfte Gebot(Du sollst nicht töten), welches sein Vorgänger Mose von Gott auf dem Berg empfangen hat und beschließt Jericho zu verschonen. Der Gott der Superiorität, ausgedrückt, durch die, selbstgezimmerte Bundeslade und das Wort, dem Volk Israel, dass versprochene Land gegen allen Widerstand zu geben, wird hier durch den Frau gewordenen Gott des Evangeliums überwunden. Die Hure die im biblischen Buch Josua an Gott, also die Rechtmäßigkeit des Besitzanspruches der Israeliten auf Jericho glaubt, wird hier zu einem die Weltgeschichte verwandelnden Bindeglied, des neuen Jerusalem, welches von der allgemeinen Erkenntnis Gottes durchzogen ist und die Dialektik des Urteilens und selbstbehauptenen Wollens überwindet. Dafür brauchte es wohl 2000 Jahre blutige Landnahme des Gottes der nur auf ein Volk und seine Superiorität setzt.Die von Trump 2020 angeleierten Friedensabkommen Israels mit Arabischen Staaten wurden als Abrahams-Abkommen gefeiert. Auch die Rezitation des „Vater Unser“ und dessen Interpretationen sind hinführend. „Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge“, fasst Hausen am Ende zusammen.Welcher der beiden möglichen Götter mit dem Zitat aus der Bibel gemeint ist bleibt allerdings offen. Da ja auch der Schöpfer- und Richtergott die Welt durch kriegsgetriebene Globalisierung und Individualisierung zusammenführt.Biden und Putin hätten beide mit Gott ihre wachsenden Einflussgebiete begründend im Falle einer Konfrontation ebenfalls Theodizeeprobleme. Das evangelische allein durch Gnade ist vielleicht auch eine luthersche Konzession an den Schöpfergott. Die Wende die Jericho rettet ist aber aus Liebe und Einsicht gemacht. Der Pfarrer der Albans Kirche Karl-Hermann Gruhler meinte zumindest: „Ein Stück gesungenes Evangelium.“

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Der Buddha Shakyamuni, dem Josua hier ähnlich sieht sagte im Dhammapada, im Kapitel über die Welt:”Gemeines fliehe überall,leb nicht in dumpfer Trägheit hin, Verabscheue was falsch und schlecht,

Treib in der Welt dich nicht umher. (Vers 167)

Author: farounfirewater

Ich bin der Falke im Sturm der den König sucht. "Ich lebe mein Leben in sich weitenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn, Den letzten, ich weiß nicht ob ich ihn Vollbringe, aber versuchen will ich ihn Ich kreise um Gott um den uralten Turm und ich kreise Jahrtausende lang und ich weiß nicht, bin ich eine Falke, ein Sturm oder ein großer Gesang" (Rilke)

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